Iris – ideale Partner der Päonien

Historische Schwertlilien
Dr. Milan Blazek (CR)

Fragen rund um
die Iris germanica
Dr. Milan Blazek (CR)

Aus den Anfängen
der Iris-Züchtung
Susanne Weber (D)

Züchterportraits
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Pflanzung und Pflege
Historischer Iris
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Züchtungen aus
England
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Züchtungen aus Deutschland I
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Züchtungen aus
Frankreich I
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aus den USA I
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Frankreich II
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in Brüglingen

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Mit Götterbotin durch
die Jahrhunderte

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                                                          Gallerie Historischer Iris
                                                          
Walter Good (CH)

Historische Schwertlilien

Dr. Milan Blazek, Pruhonice

 
Die Iris-Züchtung hat in den letzten hundert Jahren einen unglaublichen Aufschwung erlebt. Unsere Vorfahren, die ihre bescheidenen Schwertlilien in ihren Gärten hielten, hätten sich nie träumen lassen, was für faszinierende Sorten heute den Gartenfreunden zur Verfügung stehen. Der Reichtum an Farben, Formen und Grössen der modernen Iris-Blüten lässt uns aber leicht vergessen, wo die Ursprünge und Wurzeln dieser für uns so selbstverständlichen Schönheiten liegen. Dr. Blazek entführt Sie im folgenden Artikel in die Welt der alten, Historischen Iris-Arten und -Sorten. Vielleicht lässt sich der eine oder andere Leser von diesem Artikel dazu anregen, sich eine kleine Sammlung Historischer Schwertlilien anzulegen. Auf den ersten Blick haben alte Sorten bescheidene Blüten. Sie erschliessen dem Betrachter erst nach und nach ihre Schönheit. Faszinierend wird es, wenn der Gartenfreund sich mit der Geschichte dieser Staude, die uns Menschen schon sehr lange begleitet, zu befassen beginnt. Die Beschäftigung mit Historischen Iris ist eine Aufgabe, die ebenso interessant, wenn nicht noch faszinierender ist, als sich auf Grund von farbigen Katalogbildern eine Sammlung neuester Züchtungen anzulegen, welche in einigen Jahren schon wieder überholt sind. Ausserdem sind die wirklich alten Sorten und Hybriden, die oft nur kleine, dafür aber feine Unterschiede in Blattwerk und Blüten aufweisen, nicht immer einfach aufzutreiben, was den Reiz für die Sammlerin und den Sammler erhöht. Sie haben zudem den Vorteil, viel wüchsiger und robuster zu sein als viele moderne Züchtungen. (W.G.)
 
Die Schwertlilien erfreuen sich seit den letzten Jahrzehnten zunehmender Beliebtheit bei den Gartenfreunden. Besonders begehrt sind die modernen Sorten der Iris barbata der Gruppe Elatior, die züchterisch am meisten veredelt wurden
 
Historische Schwertlilien – vitale Zeugen der Vergangenheit unserer Gärten
Obwohl in Tschechien nahezu 2000 moderne Iris-Züchtungen zu finden sind, konnten die alten, historischen Schwertlilien ihren Platz in der Flora der Dorfplätze und in den Gärten behaupten. Um die heute gartenüblichen Schwertlilien zu verstehen, muss man auch die Grundlagen und Wurzeln, denen die moderne Schwertlilienzucht entspringt, kennen. Bei einem solchen Rückblick auf die Geschichte der Schwertlilienzucht hat der Gartenfreund die Chance, die Gesetzmässigkeiten der Entwicklung von Kulturpflanzen zu ergründen, und er lernt die geduldige Arbeit begeisterter Züchter schätzen, für die ein verstrichenes Jahr keinen Zeitverlust bedeutet, sondern die Möglichkeit, bereits vorliegende Arbeitsergebnisse sowohl mit den Eigenschaften der Elternpflanzen als auch mit den von ihm angestrebten Zuchtzielen zu vergleichen. Alte Schwertlilienbestände und -kulturen schätzen wir aus zwei Gründen: Einerseits liefern sie unersetzliches historisches Beweismaterial über die Pflanzen, die das Leben und die Umwelt unserer Vorfahren bereicherten, andererseits gehören die bis heute überlebenden alten Schwertlilien zu den robustesten und zuverlässigsten Sorten. Aus diesem Grund werden sie noch heute häufig sowohl in privaten Gärten als auch in öffentlichen Anlagen angepflanzt. Man kann sogar feststellen, dass diese alten Historischen Sorten manchmal häufiger gepflanzt werden als die modernen Iris-Züchtungen, und zwar auch in Ländern mit hochentwickelter Gartenkultur.
 
Von der Schwierigkeit, Historische Schwertlilien zu bestimmen

Eine Rückbestimmung auf ihre Ursprünge ist bei Hybriden der Schwertlilien wie bei allen Kulturpflanzen sehr schwierig und aufwendig, was Wissen und Vergleichsmaterial betrifft. In manchen Fällen ist es gar unmöglich. Hier sind Pflanzensammlungen von botanischen Gärten und spezialisierte Iris-Sammlungen von enormer Bedeutung, da an diesen Orten die Historischen Schwertlilien sorten und -arten unter ihrer korrekten Bezeichnung kultiviert werden. In den Privatgärten der Amateure werden sie nur selten unter ihrem richtigen Namen gehalten. Die ältesten, uralten Iris-Hybriden, welche vor dem 19. Jahrhundert entstanden, werden jedoch in vielen Fällen anders, als es unserer Auffassung entspricht, bezeichnet. So wurde z. B. im Botanischen Garten der Universität Florenz Iris x albicans Lange als Iris x florentina L. bezeichnet, obwohl die echte Iris florentina L. in der Umgebung der Stadt in grossem Stil kultiviert wird. Die Verwechslung dieser beiden Iris ist jedoch keineswegs neu, wurden sie doch schon in der ältesten botanischen Literatur verwechselt. Man findet z.B. in den Illustrationen bedeutender botanischer Werke hervorragende Abbildungen von Iris albicans Lange, die als Iris florentina L. bezeichnet sind. Die nomenklatorische Verwechslung dieser zwei historisch sehr wichtigen Gartenformen verdient eine selbständige Studie. Der Botanische Garten des Botanischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Pruhonice beherbergt neben der Sammlung des Botanischen Gartens Brüglingen in Basel eine der grössten Schwertlilien-Kollektionen in Europa, die zugleich auch die grösste Sammlung Historischer Schwertlilien darstellt. Die Historischen Schwertlilien werden seit vierzig Jahren gesam melt.

Bei den Historischen Bartiris-Sorten, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts ent standen sind – dem Beginn der ei gentlichen Schwertlilienzucht –, ist die Bestimmung einfacher. Neben dem Erwerb der Pflanzen sind das Beschaffen der schriftlichen Unterlagen sowie die notwendigen Reisen das grösste Problem. Dann müssen nur noch die einzelnen zu bestimmenden Sorten mit der Beschreibung in der Literatur und mit blühenden Pflanzen in anderen europäischen Sammlungen verglichen werden, um eine sichere Bestimmung durchzuführen.

 
Wo sind die Grenzen zwischen botanischen Arten und uralten Hybriden aus den Gärten?

Neben einigen uralten Hybriden, die lateinische Namen tragen, haben die alten Züchtungen nach 1830 Namen in der lebenden Sprache. In den allermeisten Fällen ist es leicht, ihre Züchter sowie das Jahr ihres Erscheinens auf dem Markt festzustellen. Dabei sind die Checklists der American Iris Society sehr nützlich.

Es gibt jedoch eine Gruppe von weit älteren, in der Kultur wahrscheinlich schon seit mehreren Jahrhunderten existierenden Schwertlilien mit einer ganz unterschiedlichen Entwicklungsgeschichte. Darüber, wann und wo sie entstanden sein könnten, können wir heute nur noch Vermutungen anstellen. Ihre Namen stammen von Botanikern, die sie für selbständige Arten hielten. Einige von ihnen wurden zu jener Zeit in den Gärten anscheinend bereits häufig kultiviert, andere schienen seltener zu sein und verschwanden wieder. Aus diesem Grun de dürfte es heute nicht mehr feststellbar sein, welche Pflanzen damals beschrieben wurden. Meistens handelt es sich um einzelne, damals aus der jeweiligen Kultur ausgewählte Klone, also nicht um Exemplare von Wildarten, die in der freien Natur Populationen bilden. Ausserdem muss man berücksichtigen, dass sich fast alle dieser uralten Hybriden nur vegetativ vermehren können und somit die in einem begrenzten Raum vorkommenden Exemplare einer solchen «Art» eigentlich einem einzigen Klon entstammen.

 
Die Vorfahren unserer heutigen Gartenschwertlilien

Die gartenüblichen Historischen Bartiris, die eine Höhe von 50 bis 80 cm erreichen, werden morphologisch und genetisch in zwei Gruppen eingeteilt:

Die erste Gruppe bilden die Vorfahren der heutigen hochstieligen Garten schwertlilien. Dabei handelt es sich um kleinblütige diploide Hybriden mit der Chromosomenzahl 2 n = 24. Sie stammen durchwegs aus Kreuzungen, an denen die beiden Arten Iris pallida Lam.(hellblaue, blass gefärbte Blüten) und Iris variegata L. (bunt blühende Schwertlilien) beteiligt waren. Sie sind meist normal fertil und deshalb geeignet für züchterische Arbeit.

Die zweite Gruppe, zahlenmässig et wa gleich stark, bilden die meist sterilen Hybriden Iris x germanica L. Bei ihnen handelt es sich um Hybriden, die die Chromosomenzahl 2 n = 44 aufweisen und an der weiteren Hybridisierung nur minimal beteiligt waren.

Beide Gruppen stammen mit aller Wahrscheinlichkeit aus dem Mittel meergebiet, wo ihre Vorfahren bis heute frei in der Natur wachsen.

Über die «Historischen Iris» hören oder lesen wir ziemlich oft, aber eine Definition dieses Begriffes ist nicht ganz einfach. Gleich wie im Leben des Menschen ist auch bei den Kulturpflanzen der Begriff «historisch» sehr unterschiedlich definiert. Dies lässt sich dadurch erklären, dass alles, was der Vergangenheit angehört, Geschichte oder eben Historie ist – eine Definition, die aber einen wissenschaftlich arbeitenden Menschen nicht befriedigt. Für den einen Menschen sind Erlebnisse aus dem vorigen Sommer bereits Geschichte, für den anderen sind es Ereignisse aus der Zeit der vorausgegangenen Generation, des vorigen Jahrhunderts oder aus noch viel früheren Zeiten.

Beim Versuch, Iris als «historisch» zu definieren, ist es nicht anders. Persönlich habe ich deshalb die Historischen Hohen Bartiris folgendermassen eingeteilt – wenigstens bei meiner Arbeit mit Iris im Botanischen Garten in Pruhonice bei Prag:

 
1. Gruppe: uralte Historische Garten-Iris
Iris-Klone,
die offenbar schon vor 1800 in den Gärten seit mehreren Jahrzehnten oder vielleicht sogar Jahrhunderten kultiviert wurden;
die deshalb von Botanikern als Arten (wie z.B. Iris sambucina) oder botanische Varietäten angesehen wurden (wie z.B. Iris pallida var. dalmatica [heute wird diese Pflanze richtiger als cv. Dalmatica oder aber als Iris pallida ‘Dalmatica' bezeichnet]);
bei denen wir keine Spuren einer gewollten züchterischen Bearbeitung oder wenigstens einer Auslesezucht (Auslese von zufälligen Iris-Sämlingen) finden und bei denen nicht festgestellt werden konnte, wo sie entstanden sind.
 
2. Gruppe: Historische Iris-Kultivare (Sorten) der ersten Züchtungsphasen
Iris-Klone,
deren Entstehung während des 19. Jahrhunderts und in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in den Gärten genau dokumentiert ist;
bei denen der gärtnerische Ursprung (Züchter oder Selektor) bekannt ist;
bei denen auch die Ausgangsformen (botanische Arten oder Varietäten oder Kulturvarietäten-Sorten) eventuell registriert wurden.
 
Ich habe die Zeit um 1920 aus einem ganz praktischen Gesichtspunkt gewählt, denn später – nach 1920 – hat die Züchtung nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ bedeutend zugenommen. Aus dem gleichen Grunde hätte man auch das Jahr 1900 wählen können, nicht nur weil es den Beginn eines neuen Jahrhunderts markiert, sondern auch, weil um die Jahrhundertwende die revolutionäre Einführung der tetraploiden Iris stattfand, die – mit den damaligen ziemlich hochgezüchteten diploiden Hybriden aus Iris pallida und Iris variegata gekreuzt – die Grundlage der heutigen modernen Züchtungen der Garteniris aller Iris barbata-Gruppen bildeten.
3. Gruppe: Historische Iris-Kultivare der zweiten Züchtungsphase oder aber Historische moderne Iris-Kultivare

Dabei handelt es sich um die modernen Bartiris, die aus den Katalogen der Gärtnereien langsam oder auch ganz schnell verschwinden. Ihre zeitliche Stellung ist jedoch sehr individuell. Für mich selbst sind es Sorten aus der Zeit zwischen den zwanziger und den fünfziger oder sechziger Jahren unseres Jahrhunderts, denn das, was in den sechziger Jahren und später erschien, gehört schon zu den modernen Bartiris. Bei der Zucht dieser Iris-Kultivare wurde schon vor zwanzig bis dreissig Jahren ein gewisser Höhepunkt erreicht, weshalb die weitere Entwicklung schon wesentlich langsamer verläuft und sich nach und nach zu Iris anderer Gruppen verlagert. In vielen englischen Gärten findet man heute viel mehr als nur Bartiris.

Etwas anders werden die Historischen Iris in den USA betrachtet. Dort gelten, soweit ich die Situation verstehe, als «historisch» alle Kultivare, die bloss schon der Vergangenheit angehören. Dabei kann jedoch kein qualitativer Unterschied z.B. zwischen Iris sambucina, Iris ‘Honorabile' und Iris ‘Blue Sapphire'gemacht werden. Die Gruppen 1, 2 und 3 meiner Einteilung würden nach amerikanischer Auffassung nur eine einzige Kategorie der Historischen Iris bilden. Ich bin aber eher für eine Einteilung der Historischen Iris in die oben erwähnten drei Gruppen, was jedem verständlich sein muss, der die Iris dieser drei Gruppen kennt.

Bei der zeitlich nicht definierten Erfassung der Historischen Iris können wir keine festen Abgrenzungen festlegen. Manche Gärtner und Liebhaber beurteilen eine Iris nur danach, ob sie möglichst neu ist. Nicht nur in den USA, sondern auch in meinem Lande gibt es Iris-Freunde, die eine zehn bis zwanzig Jahre alte Iris züchterisch oder aber auch vom kommerziellen Standpunkt aus gesehen als überholt ansehen. Für andere dagegen ist die gleiche Sorte wertvoll. Von diesen zwei Standpunkten aus gesehen wird der Begriff «Historische Iris» kaum übereinstimmen.

 
4. Gruppe: Historische Iris-Kultivare der dritten Züchtungsphase

Die Iris dieser Gruppe werden erst in Zukunft als Historische Iris gelten. Die heutigen Zuchtrichtungen der Bartiris werden vielleicht zu so verschiedenen Resultaten führen, dass sie nach zwanzig Jahren diese selbständige Bezeichnung als 4. Gruppe verdienen. Ob dies wirklich begründet sein wird, wird erst die Entwicklung der Zucht der Bartiris in den nächsten Jahrzehnten zeigen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird die 3. Gruppe einfach umfangreicher.

Ausser diesen vier Gruppierungen könnte man vom historischen Standpunkt aus auch manche züchterische Marksteine feststellen. Dies wäre ein anderes interessantes, aber sehr anspruchsvolles Thema auf dem Gebiet der Erforschung der Historischen Iris.

Weiter möchte ich noch anmerken, dass wir im Fall der anderen Gruppierungen der Garteniris (besonders bei den verschiedensten Kultivaren der Apogon-Iris) zeitlich eigene, selbständige Gesichtspunkte bei ähnlichen Prinzipien wie bei den Bartiris feststellen müssten.

In meinen beiden vorliegenden Beiträgen über die «Historischen Schwertlilien» und die «Iris germanica» habe ich mich mit der ältesten Gruppe der Bartiris der Gärten, nämlich mit den uralten Historischen Bartiris, befasst.

Die uralten Hybriden von Iris variegata L. und Iris pallida Lam.

Zur ersten Gruppe der Hybriden aus Iris variegata und Iris pallida zählen hochstielige, kleinblütige Schwertlilien mit Bärten, die bei uns in normalen Klimaverhältnissen Ende Mai, Anfang Juni blühen. An der Spitze ihres Stengels erblühen nach und nach drei Blüten, an den zwei bis drei seitlichen Zweigen weisen sie meist je zwei Blüten auf, bei starken Einzelexemplaren findet man am untersten, längsten Zweig drei Blüten. Die Farben und Formen der Blüten stellen einen Übergang zwischen der Farbe und der Form der Elternpflanzen dar, oder aber sie bilden Kombinationen, bei denen sich in ungleichem Mass der Einfluss der beiden genannten Arten manifestiert.

Die angenommene Herkunft dieser Schwertlilien ist durch Rekonstruktion, d.h. durch eine künstliche Kreuzung beider Arten, leicht nachzuweisen. Die dadurch entstandenen Sämlinge korrespondieren im Aussehen mit diploiden, Historischen, violettfarbenen Schwertlilien. Sie enthalten meist auch einen gewissen Anteil von Gelb. Es liegt auf der Hand, dass man in den nachfolgenden Generationen auch alle übrigen Blütenfarben erhalten könnte, die bei diploiden Historischen Iris bekannt sind.

Die Natur bestätigt die Vererbungslehre der Botaniker

Diese Theorie beweist eine in der Natur einzig dastehende Population der hybriden Iris x rothschildii Degen, die sich im Bergkessel Sinokos im Velebit-Gebirge unweit von Karlobag in Dalmatien entwickelt hatte. Hier wurde Iris variegata L. mit Iris illyrica Tomm. gekreuzt, die sich von Iris pallida nur durch einen geringeren Wuchs und eine ärmere Verzweigung unterscheidet. Die Folge von Kreuzungen in vielen Generationen ist eine ansehnliche Vielfalt von Schwertlilien mit den verschiedensten Übergangsformen zwischen den ursprünglichen Arten bzw. den Elternpflanzen.

Neben lila oder violett gefärbten, meist zweitönigen Blüten, die aus der Kreuzung beider Arten bereits in der ersten Generation auftreten, begegnet man auch Blau in zwei Farbtönen, und sogar einfarbigen blauen Schwertlilien, die farblich der illyrischen, in der Form jedoch der buntblütigen Iris variegata nahe stehen. Ferner wächst dort eine ganze Menge dieser Hybriden, die schmutziges Gelb mit markantem Violett verbinden, und man findet sogar auch einfarbige gelbe Blüten vor, bei denen nur die trockenen Hüllblätter und die Abwesenheit brauner Adern auf den Hängeblättern, wie sie Iris variegata aufweist, auf einen Einfluss der illyrischen Schwertlilie hindeuten.

Hüllblätter (Perigonblätter) und erhöhte Längsadern des Laubes als wichtige Bestimmungsmerkmale

Die Hüllblätter bilden ein sehr gutes Bestimmungsmerkmal, auch wenn zur Unterscheidung der Iris variegata von allen übrigen europäischen Schwertlilien mit verzweigtem Stengel allein die Blütenfarbe ausreichend wäre: Die Blütenfarbe ist Gelb, die Hängeblätter sind markant braun geädert und stehen ausserdem zur Seite ab. Die Hüllblätter sind blattartig und grün. Das Laub weist eine ausgeprägte Längsaderung auf.

Hingegen sind bei den blaublütigen Iris-Arten Iris illyrica und Iris pallida die Blüten lavendelblau. Dom- und Hängeblätter sind identisch gefärbt, und die Hängeblätter sind an ihrem Ende der Blütenlängsachse zugewandt; sie stehen also nicht zur Seite ab. Die Hüllblätter sind silbrig oder bräunlichweiss, trocken und ohne Chlorophyll, das Laub ist ganz glatt. Zur Beurteilung der Durchkreuzungsstufe gibt es also eine genügende Auswahl von Merkmalen.

Historische diploide Gartenschwertlilien, die von Iris pallida und von Iris variegata abstammen, umfassen also alle oben genannten Hauptmerkmale der Variabilität von Iris x rothschildii aus der Natur, von der sie sich jedoch dank dem Anteil von Iris pallida durch ihre grössere Wuchshöhe unterscheiden.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in der Kultur nur ein Bruchteil der ursprünglichen Garten-Hybriden erhalten blieb. Wann und wo sie entstanden waren, werden wir nicht mehr feststellen können. Sicher ist jedoch, dass wenigstens einige von ihnen vor zweihundert Jahren ganz übliche Kulturpflanzen in Ländern waren, wo ihre vermuteten Eltern in der Natur aber offensichtlich nie zusammen wuchsen.

Probleme der Nomenklatur

Von den jetzt anerkannten botanischen Namen werden als die ältesten Linnés Bezeichnungen aus dem 18. Jahrhundert verwendet, obwohl ihnen heute ein anderer taxonomischer Wert zugeordnet wird. Es ist jedoch möglich, für diese Schwertlilien auch deskriptive, vor der Einführung der binomischen Nomenklatur gebräuchliche Namen zu finden. Gegenwärtig kommen artbezogene Namen mit ergänzendem Kreuz (x) als Kennzeichen des hybriden Ursprungs zur Anwendung.

Am einfachsten ist es dort, wo der Name nur auf einen bestehenden Klon bezogen werden konnte. Manchmal je doch kann ein beschriebener Klon Vertreter einer Gruppe von einander recht ähnlichen Klonen sein. Hier ist dann schwer zu unterscheiden, welcher von ihnen eigentlich ursprünglich beschrieben wurde, weil der Autor nur einen einzigen aus der ganzen Gruppe zur Verfügung haben konnte.

Einige Hybriden aus Iris variegata L. und Iris pallida Lam., die früher als botanische Arten galten
Ein eindeutiger Fall ist die einzige gelbblühende Schwertlilie dieser Gruppe, Iris x flavescens De Candolle. Es ist eine gelblich blühende, 1813 beschriebene Schwertlilie, die sehr wahrscheinlich ebenfalls aus einer Kreuzung von Iris variegata und Iris pallida hervorgegangen ist. Ihre Blüten sind von hellem Gelb, die Hängeblätter sind cremeweiss und etwas heller als die Domblätter. Nur am Rand weist das Gelb einen etwas satteren Farbton auf. In West- und Mitteleuropa ist es die bisher am häufigsten kultivierte gelbblühende diploide Historische Schwertlilie. Wir begegnen ihr oft in Deutschland sowie bei uns in der Tschechischen Republik. Hingegen in Südeuropa, wo die Schwertlilien zu den gewöhnlichsten Stauden zählen, ist die oben genannte «Art» selten zu finden. Bei meiner Reise durch Rumänien, zur Blütezeit der Schwertlilien, sah ich sie nur an einem einzigen Ort blühen: in Siebenbürgen, wo die deutsche nationale Minderheit lebt. Überall dort war es eine einzige Blütenpracht. Schwertlilien werden in Rumänien sehr häufig kultiviert, und meist sind es eben die Historischen Hybriden.
Iris x sambucina L. – die Holunder-Iris
Iris x sambucina bekam ihren Namen 1759 nach ihrem holunderähnlichen Blütenduft. Ihre Blüten sind blauviolett, die Domblätter heller, mit einem gelblichen Unterton, die unteren Blütenblätter sind grell blauviolett mit markanten Adern. In Pruhonice haben wir zwei Klone, von denen nur einer in tschechischen Gärten zu finden ist. Denjenigen, der mit der Beschreibung von Iris sambucina L. in Dykes' Monographie der Iris übereinstimmt, erhielten wir aus zwei Orten in Deutschland; sein Laub ist an der Basis violett gefärbt. Ein bei uns häufig kultivierter Klon hat stets grünes Laub, und seine Blüten sehen demjenigen, den wir aus Deutschland erhalten haben, sehr ähnlich, nur sind sie etwas dunkler. Obwohl Iris sambucina L. zu den am wenigsten reizvollen Schwertlilien gehört, ist sie eine anspruchslose und zuverlässige Blume, die weit verbreitet ist. So wird sie z.B. zusammen mit Iris x flavescens in Liberec häufig kultiviert. Sie ist in Tschechien jedoch schon von alters her heimisch und kommt wildwachsend im Wald unter der Muranm Ruine in der Slowakei, in der Umgebung von Domica sowie in Böhmen unterhalb der Burg in Cesky Sternberk vor.
Iris x squalens – die Schmutzige Iris
Iris x squalens L., die «Schmutzige» Schwertlilie, die 1759 gemeinsam mit oben genannter Iris sambucina beschrieben wurde, gehört ebenfalls zu den von Iris pallida und Iris variegata abgeleiteten Klonen. In Form und Farbe ist sie der letzteren Elternart näher. Der gelbe Farbton kommt immer zur Geltung, und das Verhältnis zwischen Gelb und Violett ist umgekehrt als bei Iris sambucina. In den Domblättern dominiert das Gelb mit einblendendem Violett; die Hängeblätter sind violett, gewöhnlich rotviolett oder zumindest mit einem Stich ins Rote. Obwohl diese Schwertlilien farbenprächtiger und ebenso blühwillig und wuchsfreudig wie Iris x sambucina und Iris x flavescens sind, begegnen wir ihnen weniger oft als den zwei zuletzt genannten.
Die verschiedenen Klone von Iris squalens
In Tschechien konnte ich in den Gärten fünf verschiedene Klone finden, die in ihrem Charakter der Iris squalens entsprechen, davon drei in meinem Wohnort Zbuzany bei Prag, einen in der unweit gelegenen Stadt Radotin und einen in den Gärten in der Nähe des böhmischen Berges Rip. Einen der Klone von Zbuzany mit relativ rein gelben Domblättern und grell rotvioletten Hängeblättern sah ich auch in Kroatien wachsen, obwohl diese Gruppe im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nicht geläufig ist. Ein anderer von den drei genannten, der hellste, bei dem sowohl Dom- als auch Hängeblätter schmutzig gelb-violett sind, ist einer Abart ähnlich, die ich in Eriwan in Armenien fand.
Die «Neglecta-Iris»

In Böhmen war in früheren Jahrzehnten ein weiterer Typ Historischer diploider Schwertlilien häufig. Die Blüten sind hellblau mit etwas dunkleren Adern an den Hängeblättern. Obwohl in den Blüten die gelbe Farbe fehlt, erinnern ihre Form und die längsorientierte Äderung ihres Laubes an Iris variegata. In Zbuzany, mitten im Dorf, wächst gemeinsam mit einem ganz üblichen zweitönigen Klon auch ein anderer, dessen untere Blütenblätter fast von gleicher Farbe wie die oberen sind. Sonst habe ich diesen Klon nirgends gefunden.

Durch ihren Charakter und die Art ihres Vorkommens gehört diese Schwertlilie eher zu den uralten Historischen Iris-Hybriden als zu den bekannten gezüchteten Hybriden. Ihr Begleiter ist am häufigsten Iris ‘Honorabile' aus dem Jahre 1840 in Gelb und Braun, die bei uns die häufigste der früh gezüchteten Hybriden ist. Sie steht Iris variegata sehr nahe.

Unsere oben beschriebene Pflanze entspricht der Beschreibung von Iris x corygei Lynch in der Monographie von Dykes aus dem Jahr 1913. Der Autor, einer der grössten Kenner von Schwertlilien, erwähnt jedoch eine geringe Lebenskraft dieser Hybride, während unsere beiden Klone durch eine ausserordentliche Vitalität gekennzeichnet sind. Aus diesem Grunde sowie aus der Sicht der Priorität erscheint die Bezeichnung dieser Schwertlilie als Iris x neglecta (wie 1813 von Hornemann beschrieben) geeigneter. Die jetzige Anwendung des Terminus «neglecta» dient als Charakteristik von zweitonigen (bitonen) blauen, lila oder violetten blühenden Schwertlilien.

Die Beschreibung dieser unechten Art kann jedoch genausogut mit den Blüten einer anderen Schwertlilie dieser Gruppe in Verbindung gebracht werden. Diese Schwertlilie, die nicht in Tschechien, sondern nur in der Slowakei vorkommt, ist häufig in Ungarn und in Rumänien, vor allem im Banat, aber auch in Ex-Jugoslawien zu finden. Ihre Blüten sind violettblau mit markanten lilafarbenen Adern an den unteren Blütenblättern. Ein charakteristisches Merkmal ist bei dieser Art der gekrümmte Stiel, der fast nie in aufrechter Lage zu verbleiben vermag. In Rumänien wurde sie 1935 von Prodan als Iris cavarnae nach der Gemeinde Kavarna in der Dobrudscha (heute auf bulgarischem Gebiet) beschrieben.

Die weite Verbreitung vieler Historischer Schwertlilien
Bei den in den letzten Jahrzehnten sich immer mehr verbreitenden Schwertlilien hat die Überbrückung grosser Entfernungen nicht viel zu sagen, aber bei den äusserlich nicht attraktiven, Historischen Hybriden deutet deren Anwesenheit an weit abgelegenen Orten auf eine langjährige Kultur hin.
Historische Schwertlilien – faszinierende, vitale Stauden

Die alten Historischen Schwertlilien er füllen nach wie vor ihre ursprüngliche Aufgabe als dekorative Stauden, die durch ihre starke Lebenskraft mit den neueren Züchtungen konkurrieren können. Bedeutend ist aber auch ihr Beitrag zur Schwertlilienzucht. Kleinblütige Kulturpflanzen konnten sich nur aus den beiden Arten Iris pallida und Iris variegata entwickeln. Ein Zwischenglied zwischen diesen Arten und den gezüchteten Hybriden sind gerade die hier beschriebenen Gruppen von Hybriden, auch wenn wir im Hinblick auf deren verringerte Fruchtbarkeit nicht sicher behaupten können, ob es gerade diese zufällig überlebenden Klone oder andere, die ihnen ähnlich sahen, waren.

Die deutsche Schwertlilie, Iris x germanica, hat eine ähnliche Bedeutung für die Iris-Kultur.

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