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Iris
– ideale Partner der Päonien
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Fragen
rund um die Iris germanica
Dr. Milan Blazek, Pruhonice
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Iris germanica
L. gehört zu den bekanntesten europäischen Staudennamen. Er ist
uns allen bestens bekannt aus vielen Katalogen, in denen «Iris
germanica» blau, violett, gelb, rosa usw. angeboten werden,
obschon diese Iris-Sorten mit der ursprünglichen Iris germanica
wenig zu tun haben. Sobald wir der eigentlichen Iris germanica
grössere Aufmerksamkeit schenken, stossen wir auf eine ganze
Reihe von Unklarheiten und offenen Problemen im Zusammenhang mit
dieser alten Kulturpflanze.
Die Unterscheidung der
Iris germanica von anderen Historischen Schwertlilien, die
ursprünglich als Arten be schrieben wurden, wie z.B. Iris sambucina,
ist eigentlich einfach, da sie sich in einer Reihe von Eigenschaften
genü gend von diesen unterscheidet. Ebenso unterscheidet sie sich
von vielen hohen Gartenschwertlilien bekannter Herkunft (alte Zuchtsorten
aus dem letzten und gegenwärtigen Jahrhundert, die mit Sortennamen
bekannt sind), die in der Vergangenheit meistens als Kultursorten
der Iris germanica bezeichnet wurden. Diese an sich nicht
ganz richtige Bezeichnung war und ist in einigen Gartenkatalogen
und in der Gartenliteratur immer noch geläufig, vor allem in Europa,
aber wir begegnen ihr immer seltener. In der Gegenwart bezieht sich
die Bezeichnung Iris germanica nur noch auf die Schwertlilien,
welche tatsächlich zur Gruppe der botanischen Iris germanica
gehören. Carl von Linné, der Schöpfer der modernen Systematik der
Botanik, benannte 1753 die Iris germanica offenbar auf Grund
ihres häufigen Vorkommens in Deutschland. Allerdings muss man annehmen,
dass diese Iris-Gruppe damals nicht nur in Deutschland, sondern
auch im übrigen Europa, hauptsächlich in den Mittelmeerregionen
und möglicherweise auch in einzelnen Teilen Asiens verbreitet war,
da wir heute noch in diesen Gegenden vereinzelte oder sogar häufige
Vorkommen finden und sie auch damals in diesen Gebieten nachgewiesen
war.
Die gegenwärtigen Wildstandorte
der Iris germanica können mit Sicherheit als sekundäre Fundorte
bezeichnet werden, d.h., es handelt sich um verwilderte ehemalige
Gartenpflanzen, da sich die Iris germanica als praktisch
sterile Pflanze nicht generativ vermehren kann. Es ist keine Population
bekannt, die auf eine generative Vermehrung über Samen hinweisen
würde. Das Vorkommen einer grösseren Anzahl von verschiedenen Klonen
oder Abarten von Iris germanica auf einem engeren Raum ist
in der Natur höchst unwahrscheinlich.
Die aktuelle Stellung
der Iris germanica in den Gärten entspricht den etwas später
blühenden alten Historischen Schwertlilien, die von Iris pallida
und Iris variegata abstammen. Beide Gruppen, die Iris
germanica und die oben genannten Historischen Iris, verlieren
in Europa allmählich an praktischer Bedeutung, behalten aber nach
wie vor ihre Stellung auf Grund ihrer Vitalität und Anspruchslosigkeit.
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| Kulturhistorische Gruppen
der Garten-Iris |
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| Betrachten wir die heute
in Europa kultivierten Schwertlilien, so können wir verhältnismässig
einfach drei verschiedene Gruppen unterscheiden. |
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| Die erste Gruppe ist
eindeutig zu be stimmen, es handelt sich dabei um die modernen, grossblumigen
Iris-Sorten, die sich auf Grund ihrer Attraktivität in ganz Europa
immer weiter ausbreiten. Diese Pflanzen werden meistens von Liebhabern
eingekauft und weiter verbreitet. Hierher gehören fast alle jetzt
kultivierten Iris in unserem Lande. |
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| Die zweite Gruppe
besteht aus den alten, relativ kleinblumigen Sorten, die seit Beginn
der aktiven Iris-Zucht anfangs des vorigen Jahrhunderts bis ca. 1930
entstanden sind. Bei uns in Tschechien waren sie vor einigen Jahren
typisch für Gärten um städtische Häuser, die vor 1960 angelegt wurden.
Sie sind hier wesentlich häufiger zu sehen als in den süd- und osteuropäischen
Ländern. Im Zusammenhang mit der Verbreitung der modernen grossblumigen
Züchtungen stirbt diese Gruppe leider langsam aus |
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Bei der dritten Gruppe,
welche geographisch noch sehr weit verbreitet ist und die in einigen
südeuropäischen Ländern noch die absolute Überhand hat, handelt
es sich um alte, abgehärtete Schwertlilien, deren Besitzer hauptsächlich
an robusten, unverwüstlichen Gartenpflanzen interessiert sind, die
reich und zuverlässig blühen. Diese Pflanzen werden von Generation
zu Generation weitergegeben, ohne dass sie sich dabei irgendwie
verändern.
Auch wenn das Interesse
an diesen alten Schwertliliensorten abnimmt, findet man immer noch
eine grosse Anzahl dieser Historischen Iris-Sorten. In einigen Gegenden
dominieren die alten Hybriden, die aus Iris pallida und Iris
variegata hervorgegangen sind, und in anderen Gegenden die Iris,
die zur Iris germanica gezählt werden. Sehr verlässliche
Fundorte alter, Historischer Schwertlilien sind ländliche Friedhöfe,
wo man sie meistens zusammen mit alten Kulturpflanzen wie Paeonia
officinalis ‘Rubra plena', Hemerocallis fulva und Narcissus
poeticus findet. Genauso interessant sind die Umgebungen alter
Burgruinen, wo man oft verwilderte Iris-Formen unbekannter Herkunft
findet.
Jedes Gebiet in Europa
hat seine speziellen Klone der Iris germanica, die sich in
Abhängigkeit von klimatischen und historischen Bedingungen entwickelt
und verbreitet haben. Einige dieser Klone gehören in unserem Klima
zu den fast unvernichtbaren winterharten Stauden, andere, in Südeuropa
häufige Klone, ertragen schwerlich unsere harten Winter. Zusammen
mit einigen weiteren Erscheinungen ist diese Vielfalt der Klone
der Iris x germanica vermutlich auf ihre wahrscheinlich
uneinheitliche Her kunft zurückzuführen. Trotzdem können wir eine
verhältnismässig einheitliche Charakteristik all dieser Hybriden,
die unter die Iris x germanica L. eingereiht sind,
feststellen und sie von den alten historischen Kultursorten, die
aus der Verbindung von Iris pallida Lam. und Iris variegata
L. hervorgegangen sind, unterscheiden.
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| Charakteristik der
IRIS GERMANICA |
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| Am einfachsten werden
die Iris x germanica von den Historischen diploiden
Hybriden und den ersten planmässig gezüchteten Iris, die von Iris
pallida und Iris variegata abgeleitet wurden, unterschieden.
Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen gehören die unterschiedliche
Blütezeit sowie die charakteristische Verzweigung des Stieles der
Iris x germanica. Weitere wichtige Merkmale sind Grösse
und Farbe der Blüten sowie die Art und Weise, wie die Blätter überwintern.
Das wichtigste und zugleich am wenigsten ersichtliche Unterscheidungsmerkmal
ist jedoch die Chromosomenzahl. |
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| 1. Blühtermin |
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| Die Iris x germanica
blüht früher als die anderen oben erwähnten diploiden Hybriden aus
Iris pallida Lam. und Iris variegata L. Nur einzelne Klone
der Iris pallida, die eher der Iris illyrica Tom.nahestehen,
sind gleich frühblühend. |
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| 2. Verzweigung des
Stiels |
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| Am Stielende von Iris
x germanica befindet sich oft nur eine Blüte. Nur bei starken
Exemplaren kommt es zum nachträglichen Aufblühen von zwei Blüten.
Dagegen weisen die Stielenden der diploiden Schwertlilien immer zwei
bis drei Blüten auf. Die seitlichen Äste von Iris x germanica
sind länger und weisen nur eine Blüte auf, wogegen die Seitenäste
der Historischen diploiden Iris kurz sind und zwei Blüten tragen.
Die unteren Seitenäste können bei den Diploiden sogar dreiblütig sein. |
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| 3. Grösse und Farbe
der Blüten |
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| Die Blüten von Iris
x germanica sind durchwegs grösser als diejenigen der diploiden
Hybriden. Die Domblätter erreichen eine Breite von 45 bis 50 mm, die
Hängeblätter werden 38 bis 48 mm breit. Dom- und Hängeblätter sind
meistens gleich lang und erreichen beide eine Länge von 70 bis 90
mm. Die Schwertlilien, die zur Iris x germanica gezählt
werden, beschränken sich in ih rer Blütenfarbe auf Violett oder Weiss.
Die gelbe Farbe fehlt; wir finden sie nur in der Zeichnung innerhalb
der Blüte und im Bart. Dagegen weisen die diploiden Hybriden aus Iris
pallida Lam. und Iris variegata die Farben Weiss, Blau,
Lila, Violett, Gelb und Braun auf. |
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| 4. Überwintern der
Blätter |
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| Iris x germanica
zieht das Laub im Winter nicht voll ein. Das durch die Winterkälte
unterbrochene Wachstum setzt im Frühjahr wieder ein, ähnlich wie bei
Iris pallida. Dies ist ein Anzeichen auf den mediterranen Ursprung
dieser Pflanze. Dagegen ziehen zumindest die diploiden Hybriden, die
einen grossen Anteil von Iris variegata geerbt haben, ihr Laub
im Winter praktisch komplett ein, was eher auf eine nördliche Herkunft
schliessen lässt. |
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| 5. Chromosomenzahl |
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| Ein sehr wichtiges Charakteristikum
der Schwertlilien, die zu Iris x germanica gezählt werden,
ist ihre Chromosomenzahl. Während bei allen europäischen und asiatischen
Bart-Iris-Arten die Grundzahl x = 8, oder x = 12 beträgt, weist Iris
x germanica eine solche von 2 n = 44 auf, was den eindeutigen
Beweis ihres hybriden Ursprungs erbringt. Ein weiterer Hinweis auf
den hybriden Ursprung der Iris x germanica ergibt sich
aus ihrer beinahe vollständigen Sterilität. Man findet zwar ab und
zu einzelne Samenkapseln auf den abgeblühten Pflanzen, die jedoch
meistens nach einigen Wochen vertrocknen. Selbst wenn sie eventuell
vollständig ausreifen, beinhalten sie nur wenige Samen, die ausserdem
noch eine geringe Keimfähigkeit haben. Trotzdem existieren Pflanzen,
die in der Kultur aus Samen von Iris x germanica gezogen wurden,
und man muss daraus schliessen, dass sich Iris x germanica
theoretisch auch in der freien Natur vereinzelt generativ vermehren
kann. |
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| Die nächsten Verwandten
der IRIS GERMANICA |
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| Hohe Iris-Arten |
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| In Südeuropa und Kleinasien
sind verschiedene tetraploide Schwertlilien in Kultur, die Iris
x germanica sehr ähnlich sind. Allerdings unterscheiden sich
diese tetraploiden Schwertlilien in drei Eigenschaften grundsätzlich
von ihr: |
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| 1. Chromosomenzahl 2 n
= 48 |
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| 2. Sie sind fruchtbar,
können sich also voll generativ vermehren |
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| 3. Sie kommen teilweise
auch wild in der freien Natur vor, nicht nur verwildert. Diese Iris-Spezies
wurden Ende des letzten Jahrhunderts in die Iris-Zucht einbezogen.
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Iris-Arten, die als die
direkten Vorfahren von Iris x germanica gelten können,
wachsen heute noch in Gebieten, die in der Antike zwei wichtige
Hochkulturen hervorgebracht haben: nämlich im griechischen Kulturkreis,
d.h. hauptsächlich im östlichen Mittelmeergebiet und auf dem Gebiet,
in dem das römische Imperium entstanden ist, also eher in den Ländern
des westlichen Mittelmeer gebietes.
Iris junonia Schott
et Kotschy ist eine dieser hohen tetraploiden Arten. Sie stammt
aus dem Kilikischen Taurus in der Türkei und wurde als erste dieser
Arten wissenschaftlich beschrieben. Später wurde festgestellt, dass
ihre Chromosomenzahl 2 n = 48 beträgt. Die hohen tetraploiden Arten
kommen z.T. auch auf dem Balkan vor, wo Iris x germanica
ebenfalls verbreitet ist.
In der Fachliteratur
sind oft Iris trojana Kerner Ex Stapf, Iris cypriana
Baker Et Forster und Iris mesopotamica Dykes erwähnt, die
in manchen Ländern des Mittelmeergebietes zu historischen und immer
noch existierenden Kulturpflanzen zählen. In einigen südeuropäischen
Ländern (z.B. in Bulgarien) können sie öfter als die echte Iris
germanica gefunden werden.
Wenigstens meiner Erfahrung
nach waren diese «Arten» jahrzehntelang nicht als autochthone wildwachsende
Pflanzen bekannt; neulich haben jedoch Botaniker in Israel am Naturstandort
einige Populationen gefunden, die sie als zuverlässig wild bezeichnen.
Auch Iris macedonica Horvat aus der Natur Mazedoniens und
Albaniens gehört zu dieser Gruppe. In der Geschichte der Züchtung
hat Iris macedonica an der Kreuzung noch nicht teilgenommen.
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| Niedrige Arten |
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| Die niedrigen Iris-Arten
aus dem westlichen Mittelmeergebiet stellen eine variable Gruppe mit
kurzen, meist einblü tigen Stielen dar. Deren wichtigster und bekanntester
Vertreter ist aus der älteren Literatur bekannt als Iris chamaeiris
Bertolini. Nach den neueren zytotaxonomi schen Studien der italienischen
Botaniker gehört diese Iris-Art zu einer Gruppe niederer Bartiris
mit der Chromosomenzahl 2 n = 40, die – neuerdings unter dem Begriff
Iris lutescens Lam. zusammengefasst – hauptsächlich in den
Ländern Italien, Frankreich, Spanien und Portugal beheimatet sind.
Sehr selten finden wir sie auch in der Schweiz (auf dem Burghügel
Tourbillon bei Sion). Der Ursprung dieser niedrigen Iris-Arten wird
von solchen Arten abgeleitet, deren Grundchromosomenzahl x = 8 und
x = 12 ist. Sie werden als fruchtbare, amfidiploide Hybriden betrachtet,
deren Nachkommen die Grundeigenschaften der Eltern beibehalten und
in der Natur einen Bestandteil der autochthonen Vegetation bilden.
Was die Färbung der Blüten betrifft, entsprechen sie derjenigen unserer
heimatlichen Iris pumila L. (gelb oder violett). Fruchtbare
Hybriden mit der Chro mosomenzahl 2 n = 40, die den niedrigen Iris
aus dem Kreise von Iris lutescens Lam. äusserst ähnlich sind,
gewinnen wir durch Kreuzen der ursprünglichen hohen tetraploiden Iris
mit der Chromosomenzahl 2 n = 48 und mit Iris pumila, die eine
Chromosomenzahl 2 n = 32 aufweist. Durch Rückkreuzen dieser Hybriden
mit der Chromosomenzahl 2 n = 40 mit hohen tetraploiden Bartiris gewinnen
wir begrenzt fruchtbare Hybriden mit der Chromosomenzahl 2 n = 44,
deren Eigenschaften im Grunde mit denen der Iris x germanica
übereinstimmen. Zieht man in Betracht, dass zwei Iris-Arten – eine
tetraploide Art aus der Verwandtschaft der Iris junonia Schott
et Kotschy1 (2 n = 48) und eine aus der Verwandtschaft der Iris
lutescens Lam.(2 n = 40) – während Jahrtausenden irgendwann gemeinsam
kultiviert wurden, kann man annehmen, dass es dabei zu spontanen Kreuzungen
zwischen den beiden Arten gekommen ist, und dass solche Hybriden entstanden
sind, die zu den heutigen Iris x germancia gehören.
Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass einige Hybriden, die der Iris
x germanica entsprechen, auch in der Natur entstanden sind. Auf Grund
der jetzigen geographischen Verbreitung kommt jedoch nur Iris macedonica
Horvat in Frage, deren Verbreitungsgebiet am nächsten bei jenem der
Arten mit 40 Chromosomen liegt. Die Tatsache, dass es unter den Iris
x germanica frostharte und frostemp findliche Klone gibt, weist
darauf hin, dass diese Klone der Iris x germanica von
Eltern aus verschiedenen geographischen Gebieten entstanden sein müssen.
Die weite Verbreitung dieser Klone sagt aber nichts über ihren Entstehungsort
aus. Die Rhizome der Iris halten es im Sommer bis zu zwei Monate ohne
Wasser aus. Dies erklärt die Tatsache, dass Klone der Iris
x germanica heute nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika,
Asien und Amerika z.T. auch verwildert zu finden sind. Man kann sich
leicht vorstellen, dass sie vom Menschen problemlos weit verbreitet
worden sind. |
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| Parallelen zwischen
IRIS GERMANICA und den Gartensorten bekannten Ursprungs (2 n = 44) |
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Durch das Kreuzen von
tetraploiden Iris-Arten mit niedrigen Zwergiris erreichten die Züchter
neue, früher blühende Schwertlilien, die in ihren Eigenschaften
der Iris x germanica fast gleichstehen, mit der Ausnahme,
dass sie nun neu auch die Farbe Gelb enthalten. Sie sind ebenfalls
steril, und ihre Chromosomenzahl beträgt 2 n = 44. Diese Gruppe
frühblühender Schwertlilien wurde als Iris interregna oder
Iris intermedia bezeichnet. Durchgesetzt hat sich die Bezeichnung
Iris intermedia. Sie weist ähnliche Eigenschaften auf wie
Iris x germanica. Sie wurde sogar, und dies nicht
ganz unberechtigt, als Iris x florentina bezeichnet.
Die Schwertlilien der
Gruppe ‘lnter media' vereinigen in sich ähnliche Eigenschaften wie
diejenigen, die zur Iris x germanica gehören: sie
sind frühblühend, weniger als 70 cm hoch, beschränkt fruchtbar,
und sie sind meistens eine Kombination aus tetraploiden Zuchtformen
der hohen Bartiris mit der Chromosomenzahl 2 n = 48 und niederen
Zuchtformen der Bartiris mit der Chromosomenzahl 2 n = 40. Die Gruppe
der Iris intermedia kann man als eigentliche Rekonstruktionszüchtung
der alten Iris x germanica bezeichnen: Wurden bei der Züchtung
die aus der Natur übernommenen tetraploiden Arten und eine niedrige
Art mit 40 Chromosomen, z.B. Iris lutescens, verwendet, so
entstanden Sämlinge, die der Iris x germanica, wie
sie seit Jahrhunderten gepflegt wird, sehr ähnlich sind. Wurden
dagegen zur Zucht Kulturformen der hohen und niedrigen Bartiris
verwendet, entstanden Sämlinge, die sich in Blütenfarbe und Form
stark voneinander unterschieden; andere Merkmale stehen aber nahe
der Iris x germanica L.
Da wir nun die möglichen
Eltern der echten Iris x germanica kennen, so sollte
es nicht schwierig sein, die Herkunft der Historischen Klone dieser
alten Iris-Gruppe zu finden. In der Gegenwart sind jedoch keine
Stellen in der Natur bekannt, wo sich die Populationen zweier Arten,
aus denen Hybriden mit der Chromosomenzahl 2n = 44 entstehen könnten,
überschneiden. Kommt dagegen Iris x germanica in freier
Natur vor, so ist dies immer in Abwesenheit der möglichen Elternformen
der Fall. Dies ist ein indirekter Beweis, dass sie in der Natur
immer nur verwildert ist.
Diese Theorie schliesst
selbstverständlich ein mögliches Überschneiden der Populationen
der elterlichen Arten in der Vergangenheit nicht aus, wenn auch
die Möglichkeit des Aussterbens zweier fertiler Arten und das Überleben
ihrer sterilen, aber äusserst vitalen hybriden Nachkommen nicht
wahrscheinlich ist.
Wahrscheinlicher ist
die Möglichkeit, dass Iris x germanica in der Kultur
des Menschen, das heisst in den Gärten entstanden ist. Zierpflanzen
werden vom Menschen schon seit Jahrtausenden kultiviert, und wir
können davon ausgehen, dass in Ländern, die auf eine über dreitausendjährige
Kulturtradition zurückblicken und in denen heute noch die entsprechenden
Wildarten vorkommen, auch die Iris als Zierpflanze gezogen wurde.
Schwertlilien werden bekanntlich nicht nur ihrer Schönheit wegen
gehalten, sondern sie werden auch als Nutzpflanzen verwendet. Ihre
getrockneten Rhizome wurden in der Vergangenheit und werden immer
noch u.a. zum Parfümieren von kosmetischen Artikeln verwendet. Die
Firma Weleda z.B. bietet etliche Produkte an, die duftende Extrakte
der Iris-Rhizome enthalten.
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| Klone der echten IRIS
GERMANICA |
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| Im Botanischen Garten
des Botanischen Institutes der Tschechischen Akademie der Wissenschaften
in Pruhonice in der Nähe von Prag existiert eine Sammlung Historischer
Schwertlilien, die wahrscheinlich auf der Welt einzigartig sein dürfte,
wenn sich nicht in England die zu Beginn dieses Jahrhunderts entstandenen
Sammlungen erhalten haben sollten. Einen Teil der Sammlung in Pruhonice
bilden Klone der Iris x germanica. Sie stammen aus Gärtnereien,
botanischen Gärten, Privatgärten, öffentlichen Pflanzungen und Wildstandorten
verschiedener europäischer Länder. Wir haben sie nach der Blütenfarbe
eingeteilt. |
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| Die weissblütigen Klone |
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Die weissen Iris aus
dem Kreis der Iris x germanica finden wir in Europa
in vier verschiedenen Klonen. Bei uns in Tschechien finden wir am
häufigsten den von W. R. Dykes in seiner hervorragenden Monographie
der Iris aus dem Jahr 1913 als Iris germanica var. florentina
(L.) Dykes bezeichneten weissen Klon der Iris x germanica. In der
Literatur taucht er häufig nur unter dem Namen Iris florentina
auf. Diese Iris erkennen wir an ihren verhältnismässig grossen weissen
Blüten, die einen bläulichen Schimmer aufweisen. Die Innenseiten
der Domblätter weisen stets einzelne Härchen – denjenigen des Bartes
der Hängeblätter nicht unähnlich – auf. Diese Merkmale, zusammen
mit der für die Iris x germanica typischen Verzweigung
und eine früheren Blütezeit, unterscheidet sie verlässlich von den
übrigen bläulichweissen Schwertlilien jüngerer und anderer Herkunft.
Durch die Art ihres Vorkommens
reiht sich die «Florentiner»-Iris in den mitteleuropäischen Gärten
eher bei den Gartenpflanzen ein, welche durch die Gärtnereien vielleicht
erst in diesem Jahrhundert verbreitet worden sind, und nicht zu
denen, die hier seit Jahrhunderten zu Hause waren. Sie wird in den
Gärten zusammen mit den älteren Namensorten gehalten, und unsere
Gärtnereien vermehrten sie noch bis vor kurzem. Dies verdeutlicht
ihren grossen Gartenwert. Ausserdem ist sie die härteste der weiss
blühenden Schwertlilien aus dem Kreis der Iris x germanica
und ihr einziger weiss blühender Klon, der sich in Mittel- und Westeuropa
verbreitet hat.
In Südeuropa und auch
in Florenz bin ich oft einer anderen, ähnlichen weissen Iris begegnet,
mit der die «Florentiner» Iris oft verwechselt wird. Es handelt
sich dabei um Iris albicans Lange. Diese Iris hat eine geringere
Verzweigung als die «Florentiner» Iris. Ihre Seitenäste sind auch
durchwegs kürzer, so dass die milchweissen Blüten eng am Hauptstengel
sitzen. Ihre Hängeblätter verschmälern sich gegen ihr Ende hin,
und die Domblätter weisen an ihrer Innenseite nicht einmal einen
Ansatz von kleinen Härchen auf. Charakteristisch sind die Blätter
dieser Iris: Die jungen Blätter eines Fächers drehen sich bei starken
Pflanzen um ihre Längsachse herum, im Gegensatz zu allen anderen
Historischen Schwertlilien, deren Fächer fast immer flach sind.
Auf Grund dieser Unterscheidungsmerkmale sollten diese beiden Schwertlilien
nicht verwechselt werden. Wir finden Iris albicans Lange
hauptsächlich an der Adriaküste Kroatiens, begegnen ihr aber auch
in Italien, Bulgarien und Griechenland. Nach Angaben aus der Literatur
wurde sie im Laufe der Zeit als mohammedanische Grabpflanze auch
nach Spanien, Portugal und den Kanarischen Inseln verbreitet und
gelangte schliesslich bis nach Mexiko. Iris albicans Lange
nähert sich in ihren Grundeigenschaften der Iris x germanica.
Sie weist auch die selbe Chromosomenzahl von 2 n = 44 auf. Die grossen
Unterschiede liegen dagegen im Aufbau des Stieles, der Form der
Blätter und in ihrer geringen Winterhärte. Am ehesten lässt sie
sich bei uns im Wein bauklima halten. Ihre blau-lila-farbene Form
Iris albicans var. ‘Madonna' aus dem Jemen ist angeblich
nicht einmal in England winterhart.
Unsere Pflanzen von der
Iris albicans var. ‘Madonna', die in der Türkei gesammelt
wurden, haben in Pruhonice ohne Schaden zweimal überwintert. Diese
zwei Winter waren aber sehr mild. Schliesslich haben wir sie verloren.
Auf dem Balkan finden
wir einen wei teren weiss blühenden Klon der Iris x germanica.
Es handelt sich um Iris x germanica ‘Alba'. Diese
Iris weist ganz weisse Blüten ohne bläulichen Schimmer auf. Ihre
Domblätter weisen auf der Innenseite keine Härchen auf, und ihr
Bart ist gelb. Ich fand sie in Rumänien und in Bulgarien. Dykes
erwähnte einen Fundort in Kroatien. Diese Schwertlilie gleicht sehr
einer Zuchtform der Iris intermedia ‘Ingeborg', die 1908
in Deutschland bei der damals berühmten Firma Goos & Koenemann herauskam.
Der vierte weiss blühende
Klon von Iris x germanica in Europa kommt ebenfalls
in Istrien vor. Es handelt sich um eine weiss blühende Iris mit
weissem Bart, die Dykes ‘Istria' nannte.
Die typische Farbe der
Iris x germanica ist «Lila», einerseits Lilablau,
andererseits Dunkelrotlila. Bei den meisten Klonen sind die Domblätter
etwas heller, die Hängeblätter etwas dunkler, gewöhnlich in einer
rötlichen Schattierung. Diese Klone bezeichnen wir als zweitonig.
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| Die violetten zweitonigen
Klone |
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Der häufigste Klon der
Iris x germanica ist bei uns in der Tschechischen
Republik die «Florentina Coerulea». Ihre Domblätter sind mittellilablau,
die Hängeblätter etwas dunkler mit rötlicher Schattierung. Die Farben
der Blüten erinnern an die diploiden Historischen Schwertlilien,
die zur Iris x neglecta gehören. Ihre frühere Blütezeit,
die einblütigen Seitenäste, die geschlossene Blütenform, die relativ
grosse Blüte sowie die Härchen auf der Innenseite der Domblätter
weist die ‘Florentina Coerulea' eindeutig der Iris x germanica
zu. Das unterscheidet sie deutlich von den Historischen diploiden
Schwertlilien ähnlicher Farbe. Ausser in ihrer Farbe stimmt sie
in allen übrigen Merkmalen mit der weissblütigen Iris x germanica
var. florentina Dykes überein. Unter ihrem Namen ‘Florentina
coerulea' bezogen wir sie aus Deutschland von der Gärtnerei der
Gräfin Zeppelin. Verwildert kommt sie z.B. in Rumänien vor. Einen
ähnlichen, etwas abweichenden und wesentlich später blühenden Klon
fand ich an einem Wildstandort unweit von Bex in der Schweiz vor
(Tafel V).
Ein weiterer bei uns
häufiger Klon von Iris x germanica weist hellviolette
Domblätter und dunkelviolette Hängeblätter auf. Sie hat einen gelben
Bart, und im Unterschied zur vorhin beschriebenen ‘Florentina coerulea'
sind ihre Blätter im Frühling zur Zeit des grössten Wachstums an
der Basis violett verfärbt. Dies ist eine der uralten Schwertlilien,
die ich in meiner Kindheit in Zbuzany bei Prag bewunderte und die
hier später gemeinsam mit identischen Pflanzen blühte, die ich in
Dalmatien gesammelt hatte. Ich fand sie auch bei Sion in der Schweiz,
wo sie gemeinsam mit Iris lutescens Lam., die auch
als Iris virescens Delarb. beschrieben wurde, zusammen mit
Opuntien wächst. Mit dem Namen Iris x germanica var.
vulgaris, den ihr Dykes gegeben hatte, wurde sie erst in
den letzten Jahren in Pruhonice verbunden. Die Identität mit den
Pflanzen, die Dykes unter dem Namen «vulgaris» verstanden hat, ist
jedoch etwas fraglich.
Eine ähnliche Iris in
blauerer Schat tierung und mit einem weisslichen Bart wurde bei
uns in Tschechien vor vierzig Jahren unter dem falschen Sortennamen
‘Parc de Neuilly' vermehrt. Dieser Name gehört jedoch nicht zu Iris
x germanica, sondern zu einer diploiden alten Sorte mit kleineren
lila Blüten. Auch dieser Klon kommt für die «vulgaris» von Dykes
in Frage.
Einen weiteren Klon der
Iris x germanica fand ich an einem Wildstandort in
der italienischen Gemeinde Caspri in enger Nachbarschaft von Feldern,
die mit Iris pallida Lam. bepflanzt waren. Möglicherweise
pflanzte man früher auch Iris x germanica feldmässig
an.
Eine bedeutende violette
zweifarbige Iris unter dem Namen ‘Kharput' hat laut Dykes ihren
Namen nach einer Stadt im Norden Mesopotamiens, von wo aus sie an
M. Foster geschickt wurde. Nach anderen Informationen wurde sie
nach einer Ortschaft im östlichen Teil der mittleren Türkei benannt.
Die zweite Hypothese ist wahrscheinlicher, da in Bosnien, das über
400 Jahre lang unter türkischer Herrschaft stand, diese Iris als
häufigster Klon der Iris x germanica auf alten Friedhöfen
und in Gärten wächst. Nach Angaben in der Literatur wird sie häufig
auch in Srinagar in Kaschmir gefunden. Unter den vielen Klonen der
Iris x germanica ragt ‘Kharput' durch ihre grossen
Blüten, ihre auffallend schmalen Blütenblätter sowie durch die Frühjahrsfärbung
ihrer Blätter hervor, die ausgesprochen violette Ränder aufweisen.
Im Laufe des Sommers geht diese Färbung verloren, ähnlich wie bei
den übrigen Klonen der Iris x germanica, die ebenfalls
über eine gewisse Frühjahrsverfärbung des Laubes verfügen, welche
aber viel weniger stark ausgeprägt ist.
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| Die violetten einfarbigen
Klone |
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Bei den einfarbigen Schwertlilien
sind Dom- und Hängeblätter gleichartig ge färbt. Die bei manchen
Klonen auftre tende dunklere Schattierung rührt daher, dass die
Hängeblätter vielfach über eine samtartige Oberfläche verfügen,
die sie etwas dunkler als die Domblätter erscheinen lassen. Ein
satt dunkelviolett blühender Klon namens ‘Atropurpurea' weist in
den Hängeblättern eine etwas stärkere Farbkonzentration auf als
in den Domblättern. Dieser Klon ist leicht an dem kurzen Kamm zu
erkennen, der sich am Ende ihres Bartes befindet. Seine Blätter
färben sich im Frühjahr violett. Bei uns wurde sie in den Gärtnereien
unter dem Namen ‘Atropurpurea' oder unter dem falschen Namen
Iris alberti Regelverkauft. In Kultur ist sie mehr vertreten
als ‘Kharput', die in Mitteleuropa eben falls wahrscheinlich erst
in diesem Jahrhundert eingeführt wurde. In Frankreich scheint sie
weit verbreitet zu sein. In der Schweiz habe ich sie in Weinbergen
bei Visperterminen auch wild gefunden. Meine Kollegen haben sie
auch aus Standorten in Spanien mitgebracht.
Ein anderer Klon mit
satt violett ge färbten Blüten, kleinerem Wuchs und auffallend dünnen
Stielen wurde bei uns unter dem Namen ‘Purple King' gepflegt und
entspricht wahrscheinlich der vor einigen Jahrzehnten unter der
Bezeichnung ‘Pullach' kultivierten Iris. Sie hat eine sehr interessante
Eigenschaft: Unter günstigen Bedingungen remontiert sie am Ende
des Sommers. In Gärten wird sie selten kultiviert, aber ich fand
sie einmal wild unweit der Weingärten von Pouzdran in Südmähren.
Zwei der dunkelsten und
gleichzeitig schönsten einfarbigen violett blühenden Klone der Iris
x germanica sind einander auf den ersten Blick auffallend
ähnlich. Sie haben dunkle rotviolette Blüten, wobei Dom- und Hängeblätter
in ihrer Farbe gleich stark ausgeprägt sind. Bei ersterer ist die
Farbe auffällig einstimmig, und die Blütenblätter weisen keine Äderung
auf, sogar die Schlundäderung der Hängeblätter fehlt im Gegensatz
zu den übrigen Klonen der Iris x germanica oder den
Historischen diploiden Schwertlilien, welche immer eine Schlundäderung
auf weisen. Es ist eine sehr schöne Iris, die wir häufig in Kultur
antreffen; es hat den Anschein, dass sie bei uns zu den länger kultivierten
Klonen gehört. Sie wurde bis vor kurzem unter den Namen ‘Spectabilis'
und ‘Purple King' vermehrt und verkauft; in der Schweiz auch unter
dem Namen ‘Magnifica'. Allerdings ist ‘Magnifica' eine grossblütige
Iris aus dem Jahre 1919. Die Namen ‘Spectabilis' und ‘Purple King'
bezogen sich laut Literatur auf die selbe Iris, die nach anderen
Angaben zwar ähnlich, jedoch nicht identisch mit der in Dykes' Monographie
als Iris kochii Kerner abgebildeten Iris ist. Dieses vollkommene
Porträt identifiziert verlässlich unsere Pflanzen. Heute reihen
wir sie jedoch unter Iris x germanica var. kochii
ein.
Eine ähnliche, aber noch
viel schönere Iris fand ich in Transkaukasien, Florenz oder Athen
und neulich bei Istanbul. In Pruhonice wächst sie schön, verträgt
aber leider unseren Winter nicht immer gut. Die Unterschiede zu
Iris germanica var. kochii entsprechen den von Dykes
für den Klon ‘Nepalensis' angeführten Unterschieden. ‘Nepalensis'
wird laut Literatur häufig in Nepal kultiviert und soll mit den
Klonen ‘Atropurpurea' und ‘Purple King' identisch sein. Unter diesen
Namen verstehen wir allerdings ganz andere Pflanzen! Unsere Pflanzen
in Pruhonice, die der Iris x germanica var.kochii
am ähnlichsten sind, werden demnach als ‘Nepalensis' bezeichnet.
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| Schlusswort |
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Auch nach langjähriger
Arbeit mit den Schwertlilien der Gruppe der Iris x germanica,
welche viele Unklarheiten und Probleme in sich birgt, bleiben noch
Fragen offen. Jeder Schritt zur besseren Erkenntnis über diese uralten
Zierpflanzen trägt bei zum vertieften Verständnis dieser wertvollen
Erbschaft, die uns unsere Vorfahren hinterlassen haben. Deshalb
ist es nützlich, bei Reisen alte Kulturpflanzen und verwilderte
Pflanzen zu sammeln und sie in den botanischen Gärten weiter zu
kultivieren und diese Schätze so für die nachfolgenden Generationen
zu erhalten.
Als ich mich vor fast
vierzig Jahren mit dieser Iris-Gruppe zu beschäftigen begann, hatte
ich mich ganz alleine mit diesem Interesse gefühlt. In den letzten
Jahren zeigen sich jedoch erfreuliche Zeichen, dass das Interesse
für diese schönen und wertvollen Zeugen der Kulturgeschichte des
Gartens doch zu wachsen angefangen hat, dass sie geschätzt sind
und dass sie eine neue Welle der Aufmerksamkeit erleben. Das berechtigt
auch zur Hoffnung, dass dieses Interesse bleibt und dass sich eine
breite internationale Zusammenarbeit entwickelt, denn alle Gebiete,
wo diese wertvollen Pflanzen zu finden sind, kann ein einzelner
Mensch – leider – trotz tiefstem Interesse und bestem Willen während
seines ganzen Lebens nie bereisen.
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