| Porträts
von Züchtern Historischer Iris Susanne Weber, Laufen Die Wurzeln
der heutigen Iris-Zucht, die hauptsächlich in den USA, aber auch
wieder in Europa immer neue Ergebnisse hervorbringt, liegen in Europa
und hier vor allem in Frankreich, Deutschland und auch England.
Für die ernsthaften leidenschaftlichen Iris-Freunde, die nicht nur
den neuesten Erscheinungen in den Katalogen nachlaufen, ist ein
Blick auf die Entstehung der alten Sorten von zentraler Bedeutung,
da die Historischen Sorten, die bis zum Zweiten Weltkrieg entstanden
sind, die Basis der eindrucksvollen modernen amerikanischen Züchtungen
bilden. |
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| Amos
Perry, Perry's Hardy Plant Farm, Enfield, Middlesex, England
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| Amos Perry,
der den Betrieb von Vater und Grossvater übernahm, welche Teilhaber
bei der Firma Ware & Tottenham waren und sich später selbständig
machten, war sehr aktiv in der Iris-Züchtung. Am intensivsten
beschäftigte er sich mit den bartlosen Iris, kreuzte zwischen
weit entfernten Arten und schuf so neue Sektionen. Bei den Bartiris
kamen in den Jahren 1916/17 viele neue Sorten in den Handel, welche
als Elternsorten vieler guter Sorten der 30er und 40er Jahre Verwendung
fanden. Von seinen Bartiris sind mir noch folgende Sorten in Erinnerung:
Iris 'Her Majesty', 1903, eine braunrot blühende
Iris, und Iris 'Lady Charles Allom'*, 1921, eine mittelblaue
Iris, die noch heute in Brüglingen steht. |
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Iris 'Mary Poole',
1930
Foto: Ch.
Loosli
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| Später
züchtete Perry auch noch Hemerocallis und Papaver
orientale und schrieb ein Werk über Wasserpflanzen sowie
einen ausführlichen Katalog über winterharte und exotische
Farne. Er erhielt 1935 die Victoria Medal. |
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| In den USA
schrieb im Jahr 1939 Ethel A. Peckham, N.Y., über Perry's Hardy
Plant Farm: |
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«One
of the most celebrated nurseries in the world.»
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Peter Barr
(1825–1909) und Peter Rudolph Barr (1861–1935)
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| Barr
& Sons, Covent Garden, London |
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| Peter Barr
gründete 1860 die Firma. Sein Vater, ein schottischer Mühlenbesitzer
und passionierter Gartenfreund, ermutigte ihn, das Gärtnerhandwerk
zu erlernen. Peter Barr war mehr als jeder andere verantwortlich
für die Verbreitung von Narzissen, und er hatte eine sehr gute
Iris-Sammlung französischer und deutscher Sorten. Er teilte
sie ein in die Sektionen: |
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pallida
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neglecta |
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variegata
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squalens |
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amoena
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Diese Einteilung galt
erst 1920 als überholt. Zwischen 1870 und 1880 führte
er viele seiner eigenen Züchtungen, aber auch französische
Sorten in England ein und verkaufte Pflanzen in die USA. Ausserdem
war er eine Autorität auf dem Gebiet der Helleborus und Primeln.
Er reiste viel, um Pflanzen zu sammeln, und eine seiner Weltreisen
dauerte sieben Jahre.
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| Sein Sohn
P. Rudolph Barr lernte in Holland speziell die Kultur von Zwiebelpflanzen,
einschliesslich vieler Arten aus Südafrika. 1878 trat er in
den väterlichen Betrieb ein und lernte dort alles über
Iris, Päonien und Helleborus und züchtete
Narzissen. 1931 erhielt er die Victoria Medal. 1930 musste er aus
gesundheitlichen Gründen aus der Firma ausscheiden, züchtete
aber privat noch weiter. Die Englische Iris-Gesellschaft
verdankt ihm sehr viel, da er alle seine Unterlagen für die
Checkliste zur Verfügung stellte und selber daran mitarbeitete.
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| Arthur
John Bliss, (1860–1931) Tavistock, Devon
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| Aufzeichnungen
und hatte stets die Vision der Vervollkommnung vor Augen. Zu seinen
bekanntesten Iris-Züchtungen gehören: Iris 'Susan
Bliss', 1922, lilarosa, Iris 'Romola', 1923, rosa gefärbter
Dom und rotviolette Hängeblätter mit braunem Schlund,
Iris 'Princess Osra'*, 1922, eine sehr spät blühende
weiss und hellblaue Plicata, Iris 'Mrs. Valeri West', 1925,
Dom lavendel mit bronze, Hängeblätter karmesin-purpur,
Iris 'Grace Sturtevant'*, 1926, samtig-schokoladenbraun mit
gelbem Bart, Iris 'Senlac'*, 1929, maulbeerrot, frühblühend. |
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Iris 'Princess
Osra'*, 1922,
Foto: Ch.
Loosli
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| Seine Sorten
wurden von den Orpington Nurseries verkauft. |
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| William
Rickatson Dykes, (1877–1925)
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| W. R. Dykes
war Botaniker, Gärtner, Pflanzenzüchter und vor allem
eine Autorität auf dem Gebiet der Iris. Er führte die
angefangene Arbeit von Sir Michael Foster fort, und ihre gemeinsame
Sammlung umfasste Arten und Sorten aus aller Welt. Berühmt
wurde sein Werk «The Genus Iris» mit hervorragenden Zeichnungen
von C. W. Johnson, die im Garten von Dykes entstanden. Das Werk
erschien 1913. Vor einigen Jahren wurde es als Reprint wieder aufgelegt.
Sicher ist manches seither nomenklatorisch verändert worden,
aber die Taxonomie der Iris ist aufgebaut auf dieser Monographie.
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| Die Firma,
die bis heute existiert, beschäftigt sich aber seit dem Krieg
nicht mehr mit Iris. |
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| Die Dykes
Memorial Medal B die höchste Auszeichnung für eine Iris
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| Die Dykes
Memorial Medal wird ihm zu Ehren noch heute in den USA und in England
an nur eine beste Sorte jährlich vergeben. Früher wurde
diese Medaille auch in Frankreich vergeben, seit dem Krieg aber
nicht mehr. Leider kam Dykes bei einem Autounfall ums Leben. Seine
Witwe, Katherine Dykes, führte seine Arbeit fort und züchtete
selber auch. Tragischerweise kam sie bei einem Eisenbahnunglück
auf der Rückreise von der Chelsea Flower Show 1933 ums Leben. |
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| Die bedeutendsten
Züchtungen von W. R. Dykes sind: |
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| Iris 'Goldcrest'*,
1914, |
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leuchtend
blauviolett mit goldgelbem Bart, früh blühend |
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| Iris 'Aphrodite',
1922, |
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lilarosa,
gute Form und Substanz |
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| Iris 'Harmony',
1923, |
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einheitlich
tiefes Purpurblau, früh blühend |
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Iris 'Wedgewood'*,
1923,
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schönes Hellblau mit weissem Bar |
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| Iris 'Moonlight'*,
1923, |
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bernsteingelb,
starker Duft, sehr früh |
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| Iris 'Amber'*,1924,
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mittelgrosse,
reingelbe Blüten, sehr wüchsig |
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| Iris 'W.
R. Dykes', 1924, |
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eine grossblumige
gelbe Sorte mit lila Flecken auf den Hängeblättern, die seine Frau
nach seinem Tode herausgab. |
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| Von Katherine
Dykes sind: |
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| Iris 'Joyance',
1929, |
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cremeweiss,
spät blühend, erhielt 1929 die Dykes Medal |
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| Iris 'Gudrun'*,
1930, |
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schneeweisse,
grosse duftende Blüten mit schön senkrecht hängenden Hängeblättern
und einem gelben Bart, erhielt 1931 die Dykes Medal |
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Iris 'Harmony',
1923
Foto: Ch.
Loosli
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| Olive
und Percy Murrel, Orpington Nurseries, Kent |
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| Die Orpington
Nurseries der Murrels waren ganz auf Iris spezialisiert und
haben neben vielen eigenen Züchtungen auch jene von Bliss,
Dykes, Pilkington, Chadburn und Stern vertrieben. |
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| Im Vorwort
zum Orpington-Katalog 1934 lesen wir im Hinblick auf die eigenen
Neuzüchtungen, dass diese 37 Namensorten aus vielen tausend
Sämlingen ausgesucht wurden, da sie alle reichblühend
und gut verzweigt sind sowie eine gute Substanz haben, um schlechte
Wetterbedingungen zu überstehen, und dass es nicht der Ehrgeiz
der Züchter ist, Iris mit abnormaler Höhe oder
mit riesigen Blüten zu züchten, die im englischen Klima
so oft enttäuschen |
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| Von den
Murrel-Sorten sind mir einige noch in guter Erinnerung: Iris
'Eveline Benson'*, 1931, blüht in einem schönen Orchideenrosa.
Iris 'Romance'*, 1928, war eine auffallende Blend (mischfarben)
in rosigem Bronze mit Lila und Violett. Iris Rose Petal'*,
1929, blüht in einem klaren Lilarosa und duftet gut. Iris
'Snowdrift'*, 1929, ist eine spät blühende weisse Sorte
mit gelbem Bart. Iris 'Sunbeam', 1927, ist eine goldgelbe
Intermedia, die wir jahrzehntelang vermehrt haben. |
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| Die Murrels
waren bemüht, durch ihre Kreuzungen die Blütezeit der
Iris auszudehnen, sowohl nach vorne mit den Intermedia als auch
durch die Züchtung besonders spät blühender Sorten. |
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| Der Katalog
der Firma von 1934, eine Fundgrube verschollen geglaubter Sorten,
ist hervorragend gegliedert. Er enthält ca. 350 verschiedene
Iris-Sorten. Ausser den hohen Bartiris findet man ein kleines
Sortiment von Zwergiris, Iris sibirica, Iris ensata, verschiedene
Wildarten und ein Sortiment von Zwiebeliris. Am erstaunlichsten
ist am Schluss des Kataloges eine Seite mit über hundert Sorten,
welche die Murrells als überflüssig, minderwertig und
unzuverlässig einstuften und daher nicht empfahlen, aber auf
Wunsch trotzdem an interessierte Kunden lieferten |
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| Percy Murrel
war auch Gartenarchitekt und hat viel geschrieben. Beide waren sehr
aktiv in der Britischen Iris-Gesellschaft engagiert, und
Mrs. Murrel erhielt als erste Frau 1935 die Foster Memorial Plaque.
Leider erlosch die Firma nach dem Krieg. |