Iris – ideale Partner der Päonien

Historische Schwertlilien
Dr. Milan Blazek (CR)

Fragen rund um
die Iris germanica
Dr. Milan Blazek (CR)

Aus den Anfängen
der Iris-Züchtung
Susanne Weber (D)

Züchterportraits
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Pflanzung und Pflege
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
England
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich I
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland II
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich II
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA II
Susanne Weber (D)

Schwertlilien
Karl Foerster (D)
Die Iris-Sammlung
in Brüglingen

Susanne Weber (D)
Leben mit Gartenblumen und ohne sie
Karl Foerster (D)

Im Zeichen der Iris – von der Götterbotin zur Werbeträgerin
Dr. Iris Burgdorfer (CH)

Iridaceen Irisgewächse Die Iris aus anthropo-sophischer Sicht
Werner Simonis, (D)
Mit Götterbotin durch
die Jahrhunderte

Walter Good, (CH)
     
                                                          Gallerie Historischer Iris
                                                          
Walter Good (CH)

Schwertlilien
Karl Foerster, 1920

1920 beschrieb Karl Foerster in der damals führenden deutschen Gartenzeitschrift «Gartenschönheit» die damals modernsten Iris-Züchtungen. Karl Foersters Text ist hier weitgehend in der originalen Sprache wiedergegeben. (W.G.)
An manchen Gesichtern und manchen Blumen haben wir beständig zu rätseln, während wir andere ruhig betrachten. Es gibt Irisgesichter und Margueritengesichter. Der Name Iris deutet schon an, dass die Menschen fühlten, dies Ufergebilde rühre an ein mythisches Geheimnis. Wie ergreifend ist der aus glitzern-dem Schaum gewobene, feierliche und gefestigte Aufbau dieser Blüte! Der Duft aus der Götterwerkstatt des Wundergebildes ist ein Hauch von unirdischer und verzehrender Zartheit. Man trägt solch kostbares Blütengezweige, das bei den grossen Schwertlilien wie Lohengrin, Rheinnixe, Eggesax1 die vielfache Zahl der Blüten früherer Iris entfaltet, wie einen Traum vor sich, verwundert über sein kräftiges irdisches Gewicht.
Iris schenkt uns Farben- und Formenglück, das mit dem keiner anderen Blume zu vergleichen ist. Ihre tiefste und innerste Schönheit erschliesst sich uns wohl, wenn wir die abgeschnittenen Stiele in der Wohnung aus flachen, edlen Schalen steil herausblühen lassen, in denen schwere Glashülsen unter Was-ser liegen. Die Blumenvasen bedürfen überhaupt der Ergänzung durch Blumenschalen, die mit Hilfe von durchlöcherten Glaskernen, Doppelgittern oder den bekannten schweren japanischen Bron-zedrachen ihre feinste Verwendung finden. Eine Japanschale, aus deren Silbergrau einige 80 cm hohe rosafarbene, weisse und violettbraune Irisstiele herauswachsen, Her Majesty, Darwin, Caprice und Ilsan: jeder Blick hinüber ist ein Sturzbad erlesener Freude und verklärter Erfrischung, neben der alle Worte trocken und papieren wirken.
Jede der edlen Iriszüchtungen hat einen einzigartigen Farben- und Formencharakter voll seltsamster Beziehung zwischen beiden. Es gibt reife und kindliche, muntere und lässig müde, dämonische und Engelschönheiten unter den Iris.
Ich weiss genau, wie manche neue seltsame Iris auf bestimmte Menschen wirken wird und höre schon Worte eines Freundes und sehe in das Geäder seines Wesens, wenn er der Iris Ilsan gegenüber gestellt werden wird und den Zusammenklang des dunkelroten Sam-mets mit dem bleichen Blaubraun erblickt oder wenn er den meergrünen Hauch im Erblühen jener zartblau-weissen Sèvre-Porzellan-Iris oder das fertige verklärte Rosa entdecken wird.
In neuerer Zeit werden oft bekannten Blumenarten ganz neue Farben hin-zugewonnen, die unser Gefühl für sie seltsam bewegen und erneuen, so den Schwertlilien Rosa, den Dahlien reines Lila, den Gladiolen Orangegelb.
Wer mit neuen Iris im Garten lebt, wird bald eine Fülle heimlicher Lieblinge unter ihnen finden, bei denen er das Ge-fühl hat, noch lange Zeiten zu brauchen, um diesen Schönheitsbesitz im Garten und Haus tief auszuschöpfen. Meine ganz besonderen sind augenblicklich Fro, Mme. Chereau, Her Majesty, Maori King, Eggesax1 und Rheintraube; und immer neue treten hinzu. Wir kennen auch unsere Lieblingsblumen nie aus, ganz abgesehen davon, dass wir die Pflanzen in immer neuen Phasen ihrer Entwicklung sehen; immer neue un-mitteilbare Blumenerlebnisse treten hinzu. Ein neuer Gartenplatz oder Blumennachbar, eine neue Vase oder Wohnungsumgebung stellt uns auch an vertrauten Blumen vor neue überraschende Schmuckkräfte. –
 
Illustration zum vorliegenden Artikel «Schwertlilien» von Karl Foerster in der Mainummer 1920 der Zeitschrift «Gartenschönheit»
 
Das Bild vieler schöner neuerer Schwertlilien, das wir hier wiedergeben, ist in mühevoller Arbeit während der langen Iriswochen von Kurt Agthe im Kampf mit Mücken und mit meinen ebenso hartnäckigen Ansprüchen ge-schaffen worden, eine rechte Opfertat eines Künstlers. Anstatt zu sehr an jenen geheimnisvollen Teil aller Naturschönheit zu denken, der sich der Nachbildung entzieht und freilich unserem Glücke am nächsten steht, sowie an die unvermeid-lichen Schönheitsverluste auch der sorg-samsten Arbeit des Druckers, werden sich gerade Kenner der Schwertlilien gewiss an dieser Bildleistung freuen. Die Grössenverhältnisse der immer riesiger werdenden Einzelblüten sind nicht massstäblich verkleinert worden, auch konnte die Grösse und Eigenart der Blütenstiele, die sich z.T. immer majestätischer entwickeln, nicht angedeutet werden.
 
Interessant an dieser Darstellung ist das Nebeneinander alter, schon damals Historischer Iris, wie z.B. Iris 'Madame Chereau', einer Züchtung von Nicolas Lemon aus dem Jahre 1844 und der uralten Iris Florentina, die schon seit Jahrhunderten kultiviert wurde, und damals (1920) neuer und neusten Züchtungen wie z.B. Iris 'Eckesachs', die Foerster fälschlicherweise «Eggesax»(1) nannte, und die auf der Darstellung unter dem Werknamen «107,09» erscheint. Das Bild ist der Mai Nummer 1920, der Zeitschrift «Gartenschönheit» entnommen. (W.G.)
 
Garten- und Sorten-Erfahrungen

Alle Iris pumila, germanica und interregna lieben Sonne und vertragen ganz lichten Halbschatten, sind unverwüstlich durch Trockenheit oder Frost. Eine ein-gewachsene Pflanze hat wohl noch niemand eingehen sehen. Sehr reich blühende Sorten bleiben längere Jahre als andere reich blühende auch in nicht genügend heller Lage. Der Blütenstiel-reichtum ist sehr verschieden. So brach-te hier eine sechs Jahre alte Pflanze der karminrosafarbenen Caprice 50 Blütenstiele, während die daneben stehende ebenso alte rosa Maikönigin nur 20 Stiele hatte. Wenn Iris an manchen nicht sehr nährkräftigen Plätzen nach längeren Jahren bei zu dichtem Zusammenwachsen breiter Flächen blütenarm werden, so liegt es am Bodenverbrauch und auch an der Sorte. Der Boden muss dann tief gewendet und bereichert wer-den. Beste Zeit hierfür sowie für Teilung der alten Stöcke ist der März. Die Nachhaltigkeit reichen Blühens an ungün-stigeren Plätzen ist bei den einzelnen Sorten sehr verschieden. So bilden z.B. dichtverwachsene alte Beete oder Gruppen von Iris florentina noch reiche Blütenmassen, wenn Iris interregna Ingeborg gleichen Alters schon im Blu-menreichtum nachlässt. Ganz irrig wäre es aber, diese Interregna-Beobachtung zu verallgemeinern, denn die schöne und unersetzliche hellblaue Iris interregna Frithjof verhält sich völlig anders und ist ein rührender treuer Reichblüher auf die Dauer, auch an unguten Plätzen. Ganz besonders nachhaltige Reichblüher auch an schlechten Plätzen sind nach meinen Aufzeichnungen Helge, Frithjof, Florentina, Pullach, Purple King, Darwin, Fro, Alan Gray, Caprice, Maori King, Rheintraube sowie alle Iris sibirica und pumila. Bei pumila macht nur candida eine Ausnahme. Bei Pflanzungen bevorzuge man immer langstreifige, buchtenreiche Anordnung und meide breite, zu wenig unterbrochene Flächen. Dies gilt jedoch nicht von Iris pumila

Eine einzigartig schöne Erscheinung ist die wenig bekannte meterhohe Iris sibirica superba. Man braucht diese prächtigen, leichten und graziösen Büsche unbedingt zur Auflösung der schweren Iris germanica-Wirkung. Auch nach dem Verblühen möchte man diese famosen Grasbüsche nicht zwischen den Schwertblättrigen missen. Das Laubwerk der Iris sibirica und der ochroleuca ist so schön, dass die Pflanzung auch ohne die Blüte lohnen würde. Diese Iris haben die Fähigkeit, ihre Wasser-grasfrische und Üppigkeit ohne Einbusse auch in geradezu unglaublicher Trockenheit ruhig weiterzuentwickeln.
Wenig bekannt ist auch die düstere samtige Iris sibirica sanguinea; ebenso die tiefblaue japanische Form der Iris sibirica, nämlich trigonocarpa, die den Flor der sibirica superba im Verein mit Iris sibirica Schneekönigin so fortsetzt, dass man sie oft in das gleiche Pflanz-loch pflanzt. Ein guter Begleiter dieser drei ist Hemerocallis flava major.
In der hellblauen Farbe quälen sich die meisten Gartenfreunde mit unzureichenden Sorten herum, z.B. mit der schön-farbenen, aber hässlich geformten Iris La Beauté und den grossen pallida-dalma-tica-Sorten, deren Farbenton zu wünschen übrig lässt. Fast niemand kennt die prachtvollen hellblauen Iris Castor und Pollux. Es sind edle Gestalten von viel höherer Wesensart als alle übrigen hellblauen Iris. Riese von Cönnern und pallida Prinz of Wales blühen allerdings vor Castor und bleiben daher wichtig. Zu wenig bekannt ist auch die schöne cattleyenfarbene Sorte Alan Gray, die sich noch in einer einzigartigen Eigen-schaft von allen Iris unterscheidet, nämlich durch einen regelmässigen, reichlichen und langwöchentlichen zweiten Flor im Herbst.
Ausserordentliche Steigerung über alles Bisherige hinaus stellen die noch unbekannten Goos & Koenemannschen Züchtungen Rheintraube, Eggesax1 (auf dem Bilde noch mit 107,09 bezeichnet) und Rheingauperle dar. Rheintraube be-deutet die Erfüllung der Wünsche, die uns die alte Sorte Perfection erweckte. Eggesax1 greift über die schönste englische Rieseniris hinaus, und Rhein-gauperle ist ein neuer Vorstoss in Rosa.
Anwendungen

Die kleinen Iris reticulata und danfordiae gehören in den Vorfrühlingsblütengarten, der am besten in Form von natürlichen oder regelmässig architektonischen Steingärtchen gestaltet wird. Die Ende Februar erblühende Danfordiae wirkt schön mit Schneeglöckchen, Scilla bi-folia und Colchicum libanoticum zu-sammen, während der ersten Märzhälfte blühende blaue Iris reticulata am schönsten mit weissen schottischen Crocus, gelber Primula acaulis vulgaris, Narcissus minimus und dem hellblauen Crocus Imperati. Iris pumila und Pumila-Hybriden passen gut für Einfassungen, dürre Böschungen, Steingärten, lebende Mauern und Treppen. Schöne Farbennachbarn sind frühe Tulpen, Aubretien, Arnebien, Alyssum und Epimedium. Sehr gut wirken gemischte Einfassungen aus gelber Iris pumila excelsa, dunkelblauer cyanea, Aubretia Mules und Iberis Schneeflocke. Der Stiel der Iris pumila, die nach der Pflanzung etwas teckelhaft wirken, treibt bei fest eingewachsenen Pflanzen genügend hoch heraus. Die vierte Zeitgruppe des Iriskalenders kann mit Trollius, Thalictrum, Akelei, Darwin-Tulpen, Paeonia tenuifolia und officinalis sowie dem neuen grossen Frühlingsknöterich Polygonum sericeum vereinigt werden, der etwa die Rolle einer mächtigen Bachspiräe spielt. Für spätere Zeitgruppen kommen dann Pyrethrum, Riesenmohn und Feuerlilien in Betracht.

 
In Amerika hat man oft das japani-sche Prinzip der Jahreszeitengärten aufgenommen und grosse Gartenteile einem Monat gewidmet. Mir liegt ein farbiges amerikanisches Bild, das grüne Rasenwege zwischen maiblühenden Staudenmassen und maiblühenden Sträuchern, vor allem Flieder und Rho-dodendron, darstellt. Unter Umständen ist es nötig, sie von dem Kampf mit dem Grase zu befreien, was durch Einbettung in Sonnenmoosteppiche geschieht. Man wage es, der Iris auch einmal einen gan-zen kleinen Parkrasenplatz zu widmen, ziehe sie nicht nur an sonnigen Gehölz-rändern zu grossen Massen zusammen, sondern lasse sie auch in schmalen buchtenreichen Zügen sortenweise nach der Mitte zu vordringen. Auch hier spie-len dann im Spätsommer und Herbst grosse Staudengräser sowie Iris sibirica und ochroleuca die wichtige Rolle, über das Unansehnlichwerden des Laubwerks mancher Iris germanica-Sorten hinwegzuhelfen. Schön sind wegbegleitende Irisstreifen, ebenso im grössten Park wie im kleinsten Hausgarten.
Auch in kleineren Gärten ist die Nachbarschaft regelmässiger Wasser-becken auf mannigfache Weise in ein leicht eingesenktes Ufergärtchen zu verwandeln. Der Inhalt dieser Ufergarten-freuden ist meist unbekannt. Gerade die Gartenveranstaltungen, die uns – wie zum Beispiel Steingärten und Ufergärten – im Garten das intimste Zusammensein mit der Natur gewähren, sind vom Unkraut mannigfacher Vorurteile umwuchert. Die Maurer bauen solche Wasser-becken mit tödlicher Sicherheit so, dass sie zerfrieren würden, wenn das Wasser im Winter darinbliebe. Die Wände müssen im Winkel von 45 Grad abgeschrägt nach der Mitte zu verlaufen und der Bo-den noch einige besondere Mulden von der gleichen 50 cm betragenden Tiefe wie das Becken enthalten.

Wer solche Ufergärtchen ganz naiv mit modernen Iris, mit dem Eulalia-Gras, Tradescantia, Thalictrum, Gladiolen, Hemerocallis, Trollius, Funkia, Anchusa myosotidiflora bepflanzt, kommt schnell zu guten Wirkungen. Hat er Lust, sich mit den Raum- und Zeit- sowie Form- und Farbenproblemen tiefer abzugeben, so wird ihm einige Jahrzehnte lang der Stoff nicht ausgehen. Immer wieder in der langen Iriszeit steht man tageweise ganz unter dem Zeichen dieser Blume, trotz der Nebenbuhlerschaft so vieler anderer prunkender Gewächse. Ganze Stunden gehen dann oft darüber hin, dass man im Ufergärtchen mit ab-geschnittenen Irisstielen aus dem Irisquartier Versuche in Farbenwirkung, Nachbarschaften und Fernwirkungen aller möglicher Sorten anstellt. Die Fernwirkungen der Farben an Gartenplätzen mit weiter Sicht sind meistens ganz andere, als man ihnen zugetraut hatte. Rhythmische Bepflanzung in grösseren Trupps hoch herauswachsender Iris in ausgesprochenen Gegensätzen mit Be-rücksichtigung der grossen sechs Zeitgruppen ergibt die besten Lösungen. Bei regelmässigen Anlagen, also z.B. gelbe und blaue Schwertlilien, sodann Caltha palustris und Anchusa myosotidiflora nebst Trollius in Gelb und Orangegelb, dann Iris florentina mit Purple King und zu gleicher Zeit Pullach mit Halfdan, weiterhin Rheintraube mit Darwin, Iris sibirica superba mit Hemerocallis flava, und Thalictrum aquilegifolium, ihr folgend Iris trigonocarpa mit Schneekönigin, Iris Mme. Chereau mit Maori King und schliesslich Iris Rheinnixe, der man dann auch einmal Feuerlilien als Nachbarn ge-ben kann.

 
Acquarell von Hilda von Lieres  
Neuere zweifarbige Schwertlilien:
Iris Rheinnixe und tiefrobraune Feuerlilien:
Lilium umbellatum incomparabile
 
Dann folgen Iris kaempferi, Tradescantien, Staudenvergissmeinnicht, die schöne gelbe Hemerocallis citrina, deren grosse Staudenbüsche in den Duft, der von den Phloxbeeten hinüberstreicht, abends ihren zarten Maiblu-mengeruch mischen. Ihr folgen die orna-mentale orangerote Hemerocallis Kwanso flore pleno, die Spiräen, Astilben und die Gladiolen.
 
Eine überraschende Rolle spielt die Beleuchtung für die Irisfarben. Iris wird hier nur noch von Rittersporn übertroffen. Die schönsten Stunden haben solche Ufergärtchen, wenn bei heiterem Himmel Wolkenschatten oder ferne Haus- und Baumschatten auf sie treffen. Auf letzteres muss bei der Platzwahl für solche Anlagen geachtet werden. Viele Farben sind am schönsten, wenn der Garten in der Ekstase der Sonnenauf- und -untergangsstunden liegt. Andere wieder entfalten ihre höchste Eigenart, wenn sie bei hellstem Standort doch dem Sonnenlicht entrückt sind oder sogar im Dämmerlichte stehen.
Was vor zwei bis drei Jahrzehnten an Irisschönheit in Deutschland bekannt war, war von mittelalterlicher Dürftigkeit. Eine Welt von Reichtum in allen Regen-bogenfarben hat sich inzwischen ent-faltet. Ostasien und Südeuropa sind die beiden Hauptursprungsländer. Die ostasiatischen Iris kaempferi, die erst im Juni/Juli blühen, übertreffen alle euro-päischen Iris. Sie gehören zu den märchenhaftesten und grössten Blumen der Erde, können auch im kleinsten Hausgarten ohne besondere Vorrichtungen gedeihen. Für die meisten deutschen Gartenfreunde und Gartenfreundinnen existiert die ganze neue Irisherrlichkeit noch nicht. Sie leben noch ihr altes irisarmes Dasein kümmerlich dahin und verschwinden dann wohl selber wie Schneeglöckchen ahnungslos aus einer Welt anschwellenden unermesslichen Gartenreichtums. –
Einige Vorschläge für wirkungsvolle, blütezeitgemässe Zusammenfassung von Irisfarben:
Iris germanica und interregna: Darwin, Ilsan, Mme. Chereau - Darwin, Castor, Mme. Chereau - Caprice, Darwin - Mme. Chereau, Her Majesty, Darwin - Rheinnixe, Darwin - Maori King, Thora - Fro, Rheintraube, Mme. Chereau - Neubronner, Castor - Neubronner, Aurea, Caprice - Caprice, Her Majesty, Darwin - Helge, Frithjof - Florentina, Pullach - Purple King, Florentina - Rheintraube, Aurea - Maori King, Aurea.
Iris pumila: Cyanea, Iris pumila Aurea oder Excelsa, Fee und Schneekuppe.
Iris sibirica superba: Iris sibirica alba - Iris sibirica Schneekönigin, Iris trigonocarpa - Iris ochroleuca gigantea, Iris ochroleuca sulphurea, Iris Monspur.
Iris-Kalender
Erste Zeitgruppe, Vorfrühlings-Iris: Iris danfordiae und reticulata. Ende Februar und Anfang März einige Wochen zu-sammen blühend.
Zweite Zeitgruppe, Iris pumila-Gruppe. Mitte April bis 1. Mai erblühend. Iris pumila-Hybriden: Iris pumila hybr. Cyanea, Iris pumila hybr. Excelsa, Iris pumila hybr. Aurea, Iris pumila hybr. Formosa.
Dritte Zeitgruppe, Anfang bis Mitte Mai: Iris pumila hybr. Schneekuppe, Fee.
Vierte Zeitgruppe, Mitte Mai erblühend: Iris interregna: Frithjof, Helge, Halfdan, Pullach.
Fünfte Zeitgruppe, nach Mitte Mai erblühend: Iris germanica Purple King, florentina, purpurea, Karputh.

Sechste Zeitgruppe, letzte Maiwoche erblühend: Alan Gray, Maikönigin, Caprice, Lohengrin, Darwin, Neubronner, Rheintraube, Castor, Her Majesty, sibirica, flavescens, sanguinea, Juniata.

Siebente Zeitgruppe, Ende Mai erblühend: echte pallida, aurea, magnifica, Ilsan, Fro, Loreley, Victoria Luise, Nibelungen, Eggesax1, Iriskönig, Flammenschwert, Black Prince.
 
Achte Zeitgruppe, Anfang Juni erblühend: Thora, Othello, Rheingaunixe, Mme. Chereau, Darius, Maori King, Clio, Victorine, Mithras, Mrs. Willmott, sibirica trigonocarpa, Schneekönigin.
 
Neunte Zeitgruppe, Mitte Juni erblühend: Monspur, ochroleuca gigantea, Monjeri, Kaempferi.
 
1 Mit der Iris 'Eggesax' meint Karl Foerster die damals neue Züchtung Iris 'Eckesachs' von Goos & Koenemann.
 
2 Karl Foerster spricht hier von einem Farbgemälde, das in der Mai-Nummer der "Gar-tenschönheit" von 1920 zusammen mit seinem Beitrag veröffentlicht wurde.

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