| Ich dachte
an die Iris-Eindrücke des letzten Frühjahrs während einer Sonnenuntergangsstunde
im Irisfelde und rief in mir die Sortenmannigfaltigkeit voll ins
Gedächtnis. Da war noch irgend ein besonderer Erinnerungsglanz,
der sich, in seiner Quelle nicht sogleich auffindbar, in jener Abenderinnerung
barg, bis mir plötzlich klar ward, dass er von einem kleinen Trupp
einer neuen hohen Iris entzündet worden war, einer Iris mit weissen
Domen und sammetdunklen Hängeblättern, auf denen das letzte Sonnenlicht
lag. Im kommenden Jahre wird sie in grösserer Menge blühen, auch
jüngere Einzelpflanzen anderer neuer Spielarten werden erstarkt
sein und eine Wolke von Blüten tragen. |
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| Wenn wir
die Blütezeit einer unserer Lieblingspflanzenarten versäumen müssen
deren Anzahl immer im Steigen bleibt so haben wir
das Gefühl, als wäre uns und der Pflanze Unwieder-bringliches verloren,
als fehle etwas im seelischen Jahresringe. |
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| Wie sich
uns bei dauerndem Leben in freier reicher Natur immer wieder einzelne
neue Eindrücke und Bilder aus allem übrigen herausheben wie Melodien
aus einem Konzert, uns tagelang begleiten und zu besonderen Erinnerungspfeilern
werden, so liegen uns auch immer wieder einzelne Blütenaugenblicke
unseres Gartens stunden- und tagelang in der Seele und im Weltgefühl,
wie die Perle in der Muschel, wie ein Herd seltsamer Glückskräfte. |
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| Je höher
die Gartenblütenwelt gesteigert und veredelt wird, desto reicher
wird ihre Schönheit an Dingen und Wirkungen, die nicht durch Worte
vermittelt werden können. |
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| Viel mit
Blumen leben, heisst in immer höhere Verbundenheiten der Blütenwelt
mit dem Leben und den höchsten Bezirken des Geistes eindringen.
Die Rolle des neuen Blütengartens, uns auch in Gegenden, die nicht
unser Seelenklima haben, einzuwurzeln ist noch unbesungen. |
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| "Blühe,
wo du gesäet wirst!" heisst ein Mystikerwort. Der Umgang mit den
neuen Blütenpflanzen hilft auch Pflan-zenhaftem in uns zu seinem
Recht. Er lässt uns auch an das Blühen des Lebens höhere Massstäbe
legen. In Blumen scheint etwas verwirklicht, das erst in einer dumpfen
Ahnung unserer Seele vorspielt und vorleuchtet, und das doch nach
Meister Eckhardt das ewige Leben in sich trüge, wenn es zur Vollendung
und Stetigkeit gebracht würde. |
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Man spricht oft von
Blumen als Tröstern, wenig von ihren sonstigen unendlichen Einflüssen.
Diese kleinen Feuerwerke der Zeitlichkeit schenken uns irdische
und ewige Heimatgefühle. Wenn wir freudig gestimmt sind, dann
ist es, als ob die Blumen, die wir lieben, uns beglückwünschen:
Hatten wir nicht recht? Wenn wir traurig gestimmt sind, wird durch
Blumennähe das Gefühl der Tragik zugleich vertieft und gelöst.
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| Das urwüchsige
und wechselnde neue Gartenblühen, in jedes Fenster, in Gespräche
und Arbeiten hineinleuchtend, hat auf die Dauer etwas Ansteckendes.
Das Leben scheint dem, der die ge-wohnte tägliche Nachbarschaft
des Gar-tenblütenlebens lange entbehren muss, unbeschützter gegen
Schicksalstösse, um geheime Leuchtkraft gemindert zu verlaufen,
als brenne es, um einen technischen Vergleich zu brauchen, wie eine
Flamme ohne Glühkörper. |
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| Solch blühender
Garten hilft tausend-fältigen Licht- und Wetterstimmungen des Himmels
das Wort tiefer lösen und verankert alles tiefer im Gedächtnis,
er entlastet vom allzuschnellen Verfliessen der schönen Tage, Wochen
und Monate. |
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| Wie schön,
dass der grosse und massige Überschwang des Blühens, der in unseren
Kindheitsgärten mit dem Frühling verschwand, nun immer reicher durch
Sommer und Herbst hindurch weiterdauert; dies verleiht uns eine
viel richtigere Stellung zu jenen Jahreszeiten und alle neue Pflanzenfreude,
auch im Winter und Vorfrühling, ist immer stärker umwittert und
umblüht von gespannten Erwartungen neuer Steigerung und Bereicherung.
Selbst im Schneerosen-Reiche geht es vorwärts. |
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| Die tiefe
dauernde Teinahme am neuen Blumen- und Garten-Wesen vermag in unser
Leben eine Art ewigen Frühlings zu tragen, auch mitten durch Leiden
und Stürme des Einzelschicksals und Ge-meinschaftslebens. |
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