Iris – ideale Partner der Päonien

Historische Schwertlilien
Dr. Milan Blazek (CR)

Fragen rund um
die Iris germanica
Dr. Milan Blazek (CR)

Aus den Anfängen
der Iris-Züchtung
Susanne Weber (D)

Züchterportraits
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Pflanzung und Pflege
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
England
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich I
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland II
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich II
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA II
Susanne Weber (D)

Schwertlilien
Karl Foerster (D)
Die Iris-Sammlung
in Brüglingen

Susanne Weber (D)
Leben mit Gartenblumen und ohne sie
Karl Foerster (D)

Im Zeichen der Iris – von der Götterbotin zur Werbeträgerin
Dr. Iris Burgdorfer (CH)

Iridaceen Irisgewächse Die Iris aus anthropo-sophischer Sicht
Werner Simonis, (D)
Mit Götterbotin durch
die Jahrhunderte

Walter Good, (CH)
     
                                                          Gallerie Historischer Iris
                                                          
Walter Good (CH)

Leben mit Gartenblumen und ohne sie
Karl Foerster

Ich dachte an die Iris-Eindrücke des letzten Frühjahrs während einer Sonnenuntergangsstunde im Irisfelde und rief in mir die Sortenmannigfaltigkeit voll ins Gedächtnis. Da war noch irgend ein besonderer Erinnerungsglanz, der sich, in seiner Quelle nicht sogleich auffindbar, in jener Abenderinnerung barg, bis mir plötzlich klar ward, dass er von einem kleinen Trupp einer neuen hohen Iris entzündet worden war, einer Iris mit weissen Domen und sammetdunklen Hängeblättern, auf denen das letzte Sonnenlicht lag. Im kommenden Jahre wird sie in grösserer Menge blühen, auch jüngere Einzelpflanzen anderer neuer Spielarten werden erstarkt sein und eine Wolke von Blüten tragen.
Wenn wir die Blütezeit einer unserer Lieblingspflanzenarten versäumen müssen – deren Anzahl immer im Steigen bleibt – so haben wir das Gefühl, als wäre uns und der Pflanze Unwieder-bringliches verloren, als fehle etwas im seelischen Jahresringe.
 
Wie sich uns bei dauerndem Leben in freier reicher Natur immer wieder einzelne neue Eindrücke und Bilder aus allem übrigen herausheben wie Melodien aus einem Konzert, uns tagelang begleiten und zu besonderen Erinnerungspfeilern werden, so liegen uns auch immer wieder einzelne Blütenaugenblicke unseres Gartens stunden- und tagelang in der Seele und im Weltgefühl, wie die Perle in der Muschel, wie ein Herd seltsamer Glückskräfte.
 
Je höher die Gartenblütenwelt gesteigert und veredelt wird, desto reicher wird ihre Schönheit an Dingen und Wirkungen, die nicht durch Worte vermittelt werden können.
 
Viel mit Blumen leben, heisst in immer höhere Verbundenheiten der Blütenwelt mit dem Leben und den höchsten Bezirken des Geistes eindringen. Die Rolle des neuen Blütengartens, uns auch in Gegenden, die nicht unser Seelenklima haben, einzuwurzeln ist noch unbesungen.
 
"Blühe, wo du gesäet wirst!" heisst ein Mystikerwort. Der Umgang mit den neuen Blütenpflanzen hilft auch Pflan-zenhaftem in uns zu seinem Recht. Er lässt uns auch an das Blühen des Lebens höhere Massstäbe legen. In Blumen scheint etwas verwirklicht, das erst in einer dumpfen Ahnung unserer Seele vorspielt und vorleuchtet, und das doch nach Meister Eckhardt das ewige Leben in sich trüge, wenn es zur Vollendung und Stetigkeit gebracht würde.
 

Man spricht oft von Blumen als Tröstern, wenig von ihren sonstigen unendlichen Einflüssen. Diese kleinen Feuerwerke der Zeitlichkeit schenken uns irdische und ewige Heimatgefühle. Wenn wir freudig gestimmt sind, dann ist es, als ob die Blumen, die wir lieben, uns beglückwünschen: Hatten wir nicht recht? Wenn wir traurig gestimmt sind, wird durch Blumennähe das Gefühl der Tragik zugleich vertieft und gelöst.

 
Das urwüchsige und wechselnde neue Gartenblühen, in jedes Fenster, in Gespräche und Arbeiten hineinleuchtend, hat auf die Dauer etwas Ansteckendes. Das Leben scheint dem, der die ge-wohnte tägliche Nachbarschaft des Gar-tenblütenlebens lange entbehren muss, unbeschützter gegen Schicksalstösse, um geheime Leuchtkraft gemindert zu verlaufen, als brenne es, um einen technischen Vergleich zu brauchen, wie eine Flamme ohne Glühkörper.
 
Solch blühender Garten hilft tausend-fältigen Licht- und Wetterstimmungen des Himmels das Wort tiefer lösen und verankert alles tiefer im Gedächtnis, er entlastet vom allzuschnellen Verfliessen der schönen Tage, Wochen und Monate.
 
Wie schön, dass der grosse und massige Überschwang des Blühens, der in unseren Kindheitsgärten mit dem Frühling verschwand, nun immer reicher durch Sommer und Herbst hindurch weiterdauert; dies verleiht uns eine viel richtigere Stellung zu jenen Jahreszeiten und alle neue Pflanzenfreude, auch im Winter und Vorfrühling, ist immer stärker umwittert und umblüht von gespannten Erwartungen neuer Steigerung und Bereicherung. Selbst im Schneerosen-Reiche geht es vorwärts.
 
Die tiefe dauernde Teinahme am neuen Blumen- und Garten-Wesen vermag in unser Leben eine Art ewigen Frühlings zu tragen, auch mitten durch Leiden und Stürme des Einzelschicksals und Ge-meinschaftslebens.
 

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