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| Die Pflanzen
spielen in der Anthroposophie eine zentrale Rolle. Uns Gartenfreunden
mag vieles fremd vorkommen. Vorurteilslos betrachtet, kann uns aber
diese Betrachtungsweise der Pflanzen ganz neue Welten eröffnen.
In diesem Sinne sei hier der Beitrag von Werner Simonis über die
Irisgewächse aus seinem Buch "Heilpflanzen und Mysterienpflanzen"
abgedruckt. Sprache und Satz habe ich bewusst unverändert übernommen.
(W.G.) |
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| Die Irisgewächse
bilden weniger Zwie-beln als die Liliaceen dafür aber recht
kräftige Knollen. Ihre Blüten gehen von der sternförmigen, aktinomorphen
Gestaltung über in die zygomorphe Blütenform, d.h. in die zweiseitig
symmetrische Form, die dann bei den Orchideen ganz ausgeprägt ist.
Die Orchideen haben wie schon erwähnt wurde keine
ausgesprochene Heilpflanzen, zeigen aber in ihrer Blütengestaltung
Auftreten von Tierformen und Tierorganen, wie die zweiseitig symmetrische
Form ja auch schon ein tierischer Wesenszug ist. |
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| Nun zeigt
die Iris-Blüte die Merkwürdigkeit, dass auch Stempelnarben wie Blumenkronenblätter
geformt sind. Sie umhüllen und verdecken die Staubgefässe und trennen
diese Sonnenorgane von der direkten Sonneneinwirkung ab. |
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| Bei den
Crocus-Arten ist die Knollenbildung derart, dass die neue Knolle
jeweils auf der alten hockt und nicht wie beim Colchicum seitlich
daneben. Dadurch entsteht die Neigung, nach oben aus der Erde herauszuwachsen.
Diese Tendenz wird ausgeglichen durch Entwicklung von zweierlei
Wurzelarten, von denen die sogenannten Zug-Wurzeln die Lage der
Knolle in der Erde regulieren. |
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| Die Irisarten
entwickeln zumeist einen knollig verdickten Wurzelstock wie z.B.
Iris germanica, der immer eine sehr deutliche rhythmische Gliederung
zeigt. Die Widerstandskraft, d.h. Lebenskraft dieser Rhizome ist
auffallend: Abgetrennt von der Erde, Frost, Hitze und der Austrocknung
ausgesetzt, bewahren sie doch lange Zeit ihre Lebens- und Sprossfähigkeit
ähnlich vielen ande-ren Monden-Gewächsen. |
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| Die Blattform
der Iris-Gewächse zeigt Schwert- oder Säbelform daher ihr
deutscher Name "Schwert-Lilien". |
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| Der Name
"Iris" hängt mit der viel-artigen Farbigkeit der Blüten zusammen,
die der Regenbogen-Iris ähnelt. Ich wer-de hier nur Iris germanica,
Iris pseudaco-rus und Iris versicolor abhandeln. |
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Die Iris germanica
oder deutsche Schwertlilie finden wir an südlichen Berghängen,
sonnigen Hügeln, in Wein-bergen, an Felshängen und auf alten Mauern.
Sie fällt eigentlich immer aus dem Rahmen der übrigen Begleitpflanzen
heraus. Mit ihren kräftigen Wurzelstöcken, die aussehen wie riesige
Wurm- oder Larvenleiber,
durchpflügt sie den Erdboden immer an der Grenze des Festen, Erdigen,
wo die verdunstende Feuchtigkeit des Untergrundes in son-nendurchlichtete
Luftigkeit übergeht, das ist ihr Lebens-Milieu.
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| Die überdaumendicke
Grundachse ist an sich kurz, aber die Rhizome früherer Vegetations-Perioden
bleiben sehr lange erhalten, daher auch das Gewirr an Rhizomen,
das sich dem Anblick darbietet. Der Grundachse entwächst ein kräftiger
Blütenstandsstengel, der 30 bis 100 cm hoch wird. Er überragt die
zweizeilig angeordneten graugrünen Laubblätter, die breitschwertförmig
und etwas gekrümmt sind. |
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| Die Irisblüte
ist endständig, duftet an-genehm. Ihre Farbäusserung geht vom violett
bis tiefblau. Zum Grund hin werden sie gelblich-weiss! Sie sind
von dunkel-blauen oder violetten Adern durchzogen. |
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| Blütezeit
ist in normalen Jahren Mai bis Juni. Die Rhizome getrocknet, verbreiten
einen wunderbaren veilchen-ähnlichen Duft, daher ihr früherer Name
"Veilwurz ". Das geschälte Rhizom wur-de früher den Kindern beim
Zahnen in den Mund geschoben. |
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| Die Gelbe
Schwertlilie Iris pseuda-corus oder lutea wächst an
Ufern, Waldrändern, Wassergräben und in Sümpfen, wird etwa ½ bis
1 m hoch. Die Grundachse ist kräftig, aber nicht entfernt so kompakt
wie die der Iris germanica. Der hohle, aufrechte Stengel trägt mehrere
gelbe Blüten, die schnell verblühen. Die Blätter sind oft
noch länger als der Stengel. |
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| Die hellgelben
Blüten sind duftlos, Blütezeit ist Mai und Juni. Der scharfe Saft
wurde früher äusserlich verwendet gegen Zahnschmerz, Kopfgrind und
skrofulöse Geschwüre innerlich gegen Hydrops. Im Rhizom sollen
viel Gerbstoff, Glutamin, wenig Argenin und Cho-lin gefunden worden
sein. Das Rhizom wurde verwendet bei Amaurosen und Stockungen in
den Eingeweiden, gele-gentlich auch gegen Ruhr. |
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| Iris versicolor,
die farbenwendige Schwertlilie, ist in ihrem Habitus die zarteste
von den dreien. Sie kam aus wässrig-sumpfigen Gegenden Nord-amerikas
nach Europa. Sie entwickelt einen rundlich dünnen, spitz zulaufenden,
braunen Wurzelstock von etwa Fingerlänge, der sehr zahlreiche, weisse
feingegliederte Erdwurzeln in die Tiefe senkt. Nach oben spriessen
sehr schmale, degenförmige, an den Spitzen leicht gebogene Blätter.
Der Bütenstandsschaft wird etwa 90 bis 100 cm hoch und entwickelt
wieder im Gegensatz zur Iris germanica und zur eigenen grazilen
Gestalt recht grosse Blüten zwei bis drei an der Zahl. Die
Farbe der Blüten ist blauviolett, zum Kelch hin weiss-gelblich mit
blauvioletter Aderung. Die Frucht ist eine dreikantige Kapsel. |
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| Amerikanische
Ärzte verwandten die-se Heilpflanze als galleförderndes, mild abführendes
sowie harnabsonderndes Mittel. Das frische Rhizom hat diese Wirkungen.
Es wirkt Erbrechen und Diurese anregend und ruft als Intoxikationserscheinung
schwere Übelkeit hervor mit nachfolgender starker Erschöpfung. |
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Aus der homöopathischen
Prüfung ergibt sich, dass Iris versicolor D 30 innerlich und
als Injektion gegen Wetterempfindlichkeit der schlanken, blonden
Menschen wirkt. Auch Migränen, die als Rhythmusstörungen
als sogenannte Sonntags-Migränen auftreten, ebenso Trigeminus-Neuralgie
und Ischialgie reagieren auf dieses Mittel.
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| Betrachtet
man diese Pflanze im Ganzen, dann zeigt sich in der bemerkenswerten
Aufgliederung der Erdwur-zeln - die weder Iris germanica noch pseudacorus
haben dass Iris versicolor eine stärkere Beziehung zum Erdhaften
und zum Nervensystem hat. |
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| Das Rhizom
ist geringer gestaut als bei den beiden anderen. Die Blattregion
zeigt eine geringere rhythmische Kraft als jene, während die Blütenregion
sich stärker in Erscheinung bringt. |
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| Iris versicolor
hilft Menschen, die im rhythmischen Organismus über geringe Widerstandskraft
gegen Einflüsse von aussen verfügen. Sie können sich von innen her
nicht wehren gegen das Überwiegen von Stoffwechselvorgängen, die
über ihre Grenzen hinaus in das Kopf-Nervengebiet des Menschen hi-neinwirken.
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| Die empfindungsmässigen
Durchatmungsimpulse solcher Menschen wer-den nicht genügend von
der Le-bensorganisation vom Ätherleib auf-genommen
und lassen dadurch physische Erscheinungen auftreten, die ein direktes
Eingreifen des Astralleibes in die physische Organisation des mensch-lichen
Körpers erkennen lassen. Des zeigt ganz deutlich das homöopathische
Arzneibild, das ich Ihrem Studium sehr empfehle. |