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| Iris – die farbenprächtige,
geflügelte Götterbotin auf dem Regenbogen |
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| Mit diesem Auftrag an
Morpheus, den Gott des Schlafes und der Träume, der trauernden Alcyone
in einem Traumbild Gewissheit über ihren auf dem Meer verschollenen
Gatten Ceyx zu verschaffen, sandte Hera die geflügelte, bunt gekleidete
Götterbotin auf eine ihrer zahlreichen Missionen. Die griechische
Götterbotin überbrachte aber nicht nur präzise Nachrichten und Aufträge
der Götter. Als Gattin des Zephyrus, des Gottes des regenbringenden
Westwindes, wurde sie auch zu einem Symbol der Fama, des Gerüchtes.
Wind und Regenbogen sind wie Gerüchte nicht fassbar, genausowenig
wie die Farben des Gewandes der Götterbotin, in dessen Tautropfen
sich die Gestirne des Himmels spiegeln, fassbar sind. |
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| Die Iris – eine schwebende
Schönheit der Natur |
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Die Iris, eine der
schönsten und interessantesten Blumen, die die Schöpfung hervorgebracht
hat, hat schon die Phantasie der Menschen im griechischen Altertum
im wahrsten Sinne des Wortes beflügelt. Ob die ätherisch leicht
schwebenden Blüten der Iris in den alten Griechen die Vorstellung
der bunt gekleideten, geflügelten Götterbotin hervorgerufen haben
oder ob die Menschen der damaligen Zeit in der herrlichen Blüte
eine Verkörperung der Götterbotin sahen – wir wissen es heute
nicht mehr. Die Aufträge der Götter und Göttinnen bewahrten die
schöne Iris aber nicht davor, auf ihren Reisen von Kentauren und
Satyren massiv belästigt zu werden, wie auf dem folgenden Bild
auf einem Trinkgefäss zu sehen ist. Eine Vorahnung auf die «züchterische
Bearbeitung» der Iris von eifrigen und übereifrigen Pflanzenzüchtern,
die der ursprünglichen, schlichten und doch eleganten Schönheit
der Naturformen Rüschchen hier, Rüschchen dort, Hörnchen, knallige
Farben, riesige Blüten usw. anzüchteten, so dass von der ursprünglichen,
schwebenden und schlichten Schönheit nicht mehr viel übrigblieb
und neben wahren Meisterwerken züchterischen Iris, die farbenprächtig
gekleidete Götterbotin, wird auf einem ihrer Botengänge von Kentauren
belästigt.
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| Trinkgefäss, Kleophrades-Maler,
früher 5. Jh. v. Chr. |
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| Eine der schönsten
Pflanzengattungen der Schöpfung |
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| Die Gattung Iris, die
uns rund um den Erdball mit ca. 500 Arten begegnet, begleitet den
Menschen seit Jahrtausenden sowohl als Medizinal-, Zier- und Nutzpflanze
wie auch als religiöse Symbolpflanze. Man würzte mit ihr den Wein,
legte ihre duftenden Wurzeln in Kleiderschränke, stellte Salben
und Öle aus ihr her, stillte mit ihren Wurzeln die Schmerzen der
zahnenden Kinder, kaute die Wurzeln, um vor schönen Schäferstündchen
den Atem zu erfrischen (die Gebisse unserer Vorfahren waren oft
wahre «Tessinerdörfchen»), versuchte mit ihrer Hilfe eine Unzahl
von Krankheiten zu heilen oder erfreute sich an ihrer wahrhaft göttlichen
Schönheit. |
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| Die Iris – eine vielseitig
verwendete Medizinalpflanze der Antike |
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| Von alters her war die
Iris eine beliebte, vielseitig verwendete Medizinalpflanze der Menschen.
Dioskurides, der römische Militärarzt, beschreibt sie in seinem
berühmten Werk «De materia medica», das heute als sogenannter «Wiener
Dioskurides» in der Österreichischen Nationalbibliohek aufbewahrt
wird, in Wort und Bild folgendermassen: |
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| Die Iris [die einen
nennen sie die illyrische, die anderen Thelpide, die himmlische
reinigende, wunderbare, die Römer marica, auch Gladiolus, Opertritos,
Consecratrix, die Ägypter Nar] ist nach der Ähnlichkeit mit dem
Regenbogen benannt. Sie hat der Siegwurz (Gladiole) ähnliche Blätter,
aber grösser, breiter und glänzender. Die Blüten stehen auf Stielen
in gleicher Entfernung, sind zurückgebogen, verschiedenartig gefärbt,
denn man sieht weisse, blassgelbe, purpurfarbige oder bläuliche,
darum wird sie wegen der Farbenverschiedenheit mit dem Regenbogen
am Himmel verglichen. Die Wurzeln darunter sind gegliedert, fest,
wohlriechend; dieselben werden abgeschnitten, im Schatten getrocknet
und, auf eine Schnur gezogen, aufbewahrt. Die besten sind die illyrische
und die makedonische, und unter diesen verdient den Vorzug die mit
Würzelchen dicht besetzte, hie und da verstümmelte, schwer zu brechende
Wurzel, welche von hellgelber Farbe sehr wohlriechend ist und auf
der Zunge brennt [welche einen reinen Geruch hat und nicht feucht
ist] und beim Zerstossen Niesen erregt. Die libysche ist geringer
an Kraft, hat eine weisse Farbe und bitteren Geschmack. Beim Älterwerden
verfallen sie dem Wurmfrasse, werden aber wohlriechender und haben
erwärmende Kraft, vertreiben, mit doppelt soviel weisser Nieswurz
aufgelegt, Sonnenbrandflecken und Leberflecken. Sie füllen die Geschwüre
mit Fleisch aus, verdünnen die schwer auszuwerfenden Flüssigkeiten
und nehmen einem Verderben bringenden Mittel die Kraft, wenn sie
mit Honigmet genossen werden. Sie sind aber auch Schlaf machend,
verursachen Tränen und heilen Leibschneiden. Mit Essig genommen
sind sie denen heilsam, die von giftigen Tieren gebissen sind, ebenso
auch Milzsüchtigen und denen, die an Krämpfen leiden, die von Kälte
und Frostschauern ergriffen sind und denen, die an Samenfluss leiden.
Mit Wein genommen, befördern sie die Katamenien, auch ist die Abkochung
davon zu Bähungen für Frauen sehr geeignet, indem sie die Stellen
erweicht und öffnet. Mit Honig als Paste eingeführt, ziehen sie
den Embryo heraus. Sie erweichen auch Drüsen und alte Verhärtungen,
wenn sie gekocht umgeschlagen werden. Ferner sind sie wohltuend
bei Kopfschmerzen, wenn sie mit Essig und Rosensalbe aufgestrichen
werden. Endlich werden sie auch den Zäpfchen, Pflastern und Salben
zugemischt; überhaupt sind sie zu vielem nützlich. |
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| C. Plinius Secundus
der Ältere, der von 23 bis 79 n. Chr. lebte, war Offizier, Staatsmann,
Vertrauter römischer Kaiser und vor allem ein Universalgelehrter,
fasste das gesamte naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit in
seiner «Naturalis historia» zusammen. Über die Iris, die in der
Antike hauptsächlich als Nutz- und Heilpflanze, unter anderem auch
für luxuriöse Salben, gebraucht wurde, schreibt er im Zusammenhang
mit der Verwendung duftender Pflanzen für Kränze im Buch XXI: |
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| ..., manche machen selbst
ihren Standort wohlriechender, wie die Schwertlilie, (diese) sogar
einen ganzen Baum, dessen Wurzeln sie berührt ... Es darf ferner
jener Unterschied nicht vergessen werden, dass auch vieles Wohlriechende
nicht als Kranzgewächse Verwendung findet wie die Schwertlilie und
die keltische Narde, obgleich beide einen ganz vorzüglichen Geruch
haben. Die Schwertlilie aber empfiehlt sich nur durch ihre Wurzel,
weil sie nur für Salben und Heilmittel (verwendbar) wächst. Am meisten
schätzt man die aus Illyricum und auch dort nicht im Küstengebiet,
sondern im Waldgebiet des Drino und von Narona; die nächstliegende
ist die in Makedonien, die sehr lang, weisslich und unansehnlich
ist. An dritter Stelle steht die afrikanische, unter allen am stattlichsten
und mit bitterstem Geschmack. Von der illyrischen gibt es auch zwei
Arten: benannt nach ihrer Ähnlichkeit das «Rettichkraut» [raphanitis],
welche auch die bessere ist, und die «Wurzelschneiderin» [rhizotómos].
Am besten ist die rötliche, die beim Berühren Niesen verursacht.
Ihr Stengel ist eine Elle lang und aufrechtstehend; ihre Blüte ist
von vielfarbiger Pracht wie der Regenbogen, daher auch der Name.
Auch (die Schwertlilie) aus Pisidien wird sehr geschätzt. Will man
sie ausgraben, giesst man drei Monate vorher Wassermet um sie herum,
um gleichsam durch dieses Sühnemittel der Erde zu schmeicheln; hat
man mit der Spitze eines Schwertes einen dreifachen Kreis um sie
gezogen, hebt man sie, wenn man sie herausgenommen hat, sogleich
zum Himmel empor. Sie ist von feuriger Natur und erzeugt beim Anfassen
Blasen wie bei einer Verbrennung. Vor allem wird empfohlen, nur
keusche Personen sollten sie sammeln. Nicht nur in trockenem Zustand,
sondern bereits in der Erde ist sie sehr schnell dem Wurmfrass ausgesetzt.
Das beste Irisöl wurde früher von Leukas und Elis bezogen – denn
schon lange pflanzt man auch (die Schwertlilie) an – jetzt (bringt
man es) aus Pamphylien; am meisten lobt man aber das aus Kilikien
und den nördlichen Gegenden ... Über die wohlriechenden Blumen ist
nun genug gesagt. Auf diesem Gebiet hat der Luxus, voll Freude,
die Natur (im Wohlgeruch) der Salbe übertroffen zu haben, auch in
der Kleidung zum Wettkampf aufgerufen, die sich durch ihre Farbe
empfehlen ... Die rötliche Iris ist besser als die weisse. Es ist
heilsam, sie den Kindern umzubinden, vor allem, wenn sie Zähne bekommen
und Husten haben, oder den an Wurmbefall Leidenden einzuträufeln.
Ihre übrigen Wirkungen unterscheiden sich nicht viel vom Honig.
Sie reinigt Kopfgeschwüre, besonders alte Vereiterungen. In einer
Dosis von zwei Drachmen mit Honig befördert sie als Trank den Stuhlgang,
(ist gut) bei Husten, Bauchschmerzen und Blähungen, mit Essig für
die Milz. Gegen Schlangen- und Spinnenbiss ist sie in Essigwasser
wirksam; gegen Skorpione nimmt man zwei Drachmen an Gewicht in Brot
oder Wasser; gegen Hundebisse legt man sie auf schmerzende Sehnen,
auf Lenden und Hüften aber mit Harz. Ihre Wirkung ist erwärmend.
Unter die Nase gehalten, bewirkt sie Niesen und reinigt den Kopf.
Bei Kopfschmerzen legt man sie mit Quitten oder Sperlingsäpfeln
auf. Auch den Rausch vertreibt sie und das schwere Atmen. In einer
Dosis von zwei Obolen genommen, führt sie zum Erbrechen. Mit Honig
aufgelegt, zieht sie Knochensplitter heraus. Ihr Mehl wendet man
bei Niednägeln, mit Wein bei Hühneraugen und Warzen an und nimmt
es drei Tage lang nicht ab. Wenn man sie kaut, vertreibt (die Iris)
den üblen Mund- und Achselgeruch. Mit ihrem Saft erweicht sie alle
Verhärtungen, bringt Schlaf, benimmt jedoch die Zeugungsfähigkeit.
Risse am Gesäss, Feigwarzen und alle Auswüchse am Körper bringt
sie zur Heilung. Einige nennen die wilde Iris «Schermesserblume»
[xyris]. Diese zerteilt sowohl Skrofeln oder Drüsenschwellungen
als auch Leistengeschwülste. Vorgeschrieben ist (dabei), dass man
sie für diese Verwendung mit der linken Hand ausreisst und beim
Einsammeln sagt, für wen und für welche Krankheit man sie herausnimmt.
In diesem Zusammenhang solle auch der Betrug der Kräutersammler
aufgedeckt werden: sie bewahren einen Teil der Pflanze sowie manch
anderer Kräuter, z.B. des Wegerichs, auf, und, wenn sie glauben,
zu wenig Lohn erhalten zu haben, suchen sie ein nochmaliges Geschäft
und graben den Teil, den sie aufbewahrt haben, an der gleichen Stelle
ein, um, wie ich glaube, die Krankheiten, die sie geheilt haben,
wieder hervorzurufen ... |
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| Die Iris im Mittelalter |
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| Kaiser Ludwig
der Fromme erwähnte in seinem «Capitulare de villis vel curtis imperialibus»
für Aquitanien 794 oder 795 die Iris oder Schwertlilie als Heil-
und Nutzpflanze, deren Anbau in den Gärten vorgeschrieben war. Diese
«Kapitularien» waren in der Zeit der fränkischen Könige Sammlungen
von Beschlüssen, die, in Abschnitte (capitula) gegliedert, auf den
Reichstagen beraten und verabschiedet wurden und damit Gesetzeskraft
erlangten. Bekannt ist die «Landgüterordnung» Karls des Grossen,
«Capitulare de villis vel curtis imperii caroli magni». |
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| Der Hortulus des
Walahfrid Strabo |
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| Ein ausführlicheres
Zeugnis aus dem frühen Mittelalter finden wir im Hortulus des Walahfrid
Strabo, welcher von 838bis 849 Abt des damals blühenden Klosters
auf der Reichenau war. Walahfrid Strabo war nicht nur Abt des Klosters,
sondern auch ein leidenschaftlicher Gärtner, ein genauer Beobachter
der Pflanzen, ein Dichter, Theologe und Diplomat. Sein Lehrgedicht
zeichnet sich dadurch aus, dass er übernommenes antikes Wissen mit
seinen eigenen empirisch gewonnenen Erkenntnissen kombinierte und
die Pflanzen, die er in seinem Klostergarten zog, akribisch genau
beobachtete. Ein schönes Beispiel ist die Schilderung der Kürbisranken: |
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| ... Dass kein tobender
Sturmwind ihn loszureissen vermöge, Treibt er gleich viele Ranken
hervor, wie er Knoten erzeuget, Und weil jede am Ende in doppelte
Klammern sich gabelt, Packen sie rechts und links von allen Seiten
die Stütze ... |
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| Der Abt schildert hier
in seinem Gedicht sehr genau, wie die Kürbispflanze an jeder Blattachsel
(Knoten) ihre Ranken hervortreibt, mit denen sie sich überall, wo
sie kann, festhält. Ein weiteres schönes Beispiel ist der Salbei,
wo er die Beobachtung macht, dass der verblühte Stengel abstirbt
und im Spätsommer von frischen basalen Trieben verdrängt wird: |
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| ... Aber sie trägt verderblichen
Zwist in sich selbst: denn der Blumen Nachwuchs, hemmt man ihn nicht,
vernichtet grausam den Stammtrieb, Lässt gierigem Neid die alten
Zweige ersterben. |
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| Wahrscheinlich ist
in diesen Versen eine Anspielung auf seine diplomatischen Aufgaben
verborgen. Die Söhne des Kaisers Ludwig des Frommen bekriegten sich
gegenseitig und ihren Vater im Streit um die Aufteilung des Reiches.
Walahfrid Strabo sollte in diplomatischer Mission die Söhne Ludwigs
des Frommen wieder miteinander versöhnen und ertrank auf seiner
diplomatischen Mission in der Loire. Der Abt liess auf seiner Reise
nicht nur sein Leben, seine Mission war offenbar auch erfolglos,
denn der endgültige Zerfall des Karolingischen Reiches liess sich
bekanntlich nicht aufhalten. In seiner Schilderung der Iris, im
Gedicht Gladiola genannt, preist er die Schönheit der purpurfarbenen
Blüte, die im Frühsommer das «dunkelliebliche» Veilchen ablöst.
Er erwähnt die medizinische Verwendung der Pflanze gegen Blasenleiden
und weist auf den Gebrauch der Iriswurzeln in der Behandlung von
Textilien hin. Er vergleicht die Iris in ihrer Farbenpracht mit
der Hyazinthe. Hyakinthos, der Geliebte des Gottes Apollon, wurde
bei einem sportlichen Wettkampf von dessen Diskusscheibe erschlagen.
Aus dem Blute des so ums Leben gekommenen schönen geliebten Jünglings
spross die duftende Hyazinthe Iris. Das Gedicht über die Iris ist
hier in der deutschen Übersetzung und in Latein abgedruckt.
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| Schwertlilie |
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| Nach dem Namen des Schwerts
freischaffende Sprache gebildet. Du bescherst mir den Schmuck deiner
purpurfarbenen Blüte Früh im Sommer an Stelle des dunkellieblichen
Veilchens. Oder du gleichst der Hyazinth, der am Altar Apollos als
Blume Wiedererstand, aus dem Tod des zarten Jünglings geboren Und
an der Blüte Stirn seines Namens Zeichen verewigt. Deiner Wurzel
getrocknete Stückchen lösen zerrieben Wir in flüssigem Wein, und
der Blase grausame Schmerzen Dämpfen nicht minder wir trefflich
mit diesem künstlichen Heiltrank. Du gibst dem Walker das Mittel,
mit dem er das Leinengewebe Glänzend und steif appretiert und ihm
Duft wie von Blumen verleihet. |
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| Gladiola |
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| Te neque transierim
latiae cui libera linguae Nomine de gladii nomen facundia finxit.
Tu mihi puprei progignis floris honorem, Prima aestate gerens violae
jucunda nigellae Munera, vel quali mensa sub Apollinis alta Investis
pueri pro morte recens yacincthus Exiit et floris signavit vertice
nomen. Radicis ramenta tuae siccata fluenti Diluimuns contusa mero
saevumque dolorem Vesicae premimus tali non secius arte. Pignore
fullo tuo lini candentia texta Efficit, ut rigeant dulcesque imitentur
odores. |
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| Die Iris in mittelalterlichen
Kräuterbüchern |
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| Die Autoren der mittelalterlichen
Kräuterbücher übernahmen im wesentlichen das Wissen der griechischen
und römichen Autoren. Die folgenden Auszüge aus dem «Hortus Sanitatis
Germanice», dem «New Kreutterbuch» von Hieronymus Bock und der «Historia
plantarum» von Conrad Gessner verdeutlichen dies. Für den interessierten
Iris-Freund ist besonders ein Vergleich des Textes von Plinius dem
Älteren, der in seiner «Naturalis historia» das naturwissenschaftliche
Wissen seiner Zeit zusammenfasste, mit den mittelalterlichen Beiträgen
interessant. Diese sind bewusst in der originalen Sprache wiedergegeben,
was die Lektüre nicht ganz einfach, dafür um so spannender macht.
Ein besonderer Leckerbissen für den Iris-Freund ist die Beschreibung
der Iris-Blüte («Von Himmelsschwertel oder Violwurtz») von Hieronymus
Bock. Nach römischer Manier hat Hieronymus Bock das «u» und das
«v» eingesetzt. Der Begriff «fast» ist im Sinne von «sehr» oder
«fest» zu verstehen. Die um ca. 100 Jahre ältere Sprache des «Hortus
Sanitatis Germanice» ist um einiges schwieriger zu lesen. Wenn der
Leser die Texte einige Male aufmerksam durchgelesen hat und vor
allem auch mit dem Bericht Plinius des Älteren verglichen hat, ist
er verblüfft, wo diese Pflanze überall Verwendung fand. Sogar in
der Imkerei wurde sie als Mittel zur Schwarmverhinderung angewendet.
Interessant ist auch ein Vergleich der verschiedenen Darstellungen,
die hier ebenfalls reproduziert sind. Am genauesten hat Conrad Gessner
die Iris beobachtet und in seiner Zeichnung wiedergegeben. |
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| Die Iris im «Hortus
Sanitatis Germanice» |
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| Über 800 Jahre nach
dem Lehrgedicht des Walahfried Strabo entstand der «Hortus Sanitatis
Germanice». Auch hier taucht die Iris auf. Das medizinische Werk
aus dem Jahre 1485 greift wie alle anderen Bücher jener Zeit auf
das Wissen der antiken Autoren zurück. Aus den Kapiteln über die
Iris seien hier die folgenden, einigermassen verständlichen Passagen
aufgeführt: |
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| ACORUS Geel lilien
Cap. IXX (Iris pseudacorus) |
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| Jtem er spricht auch
dass die wurtzel von den gelen lylien meen krafft in yne haben wan
das krut oder blumen. Die wurtzel hait eyn scharffen geroche mit
eyner kleynen bitterkeyt. Der meister Serapio in dem buch aggregatoris
in dem capitel laeg oder Acorus spricht daz die bletter vo den gelen
lilien synt glich den swerteln alleyn daz die vo den gelen lilien
subtyler vnd breitter synt vnd mit wysser farbe gespitzet scharff
glich eyne swert vnd hait eyn blume die ist gele glich dem saffran
vnd die wurtzel ist glich bynoch als die swertlyn alleyn sye an
eynander gehengt synt knodicht vnd kromp vnd haben usswerdig eyn
rote farbe vnd eyn scharpfen geroche. Diascorides spricht daz der
safft von der wurtzeln fast gut sy den augen und mache sye fast
klare. Die wurtzel gesotten mit wasser vnd das gedruncken ist gut
widder stranguiream das ist die den kalt seych haben. Also genutzet
ist es fast gut pleureticis das ist eyn geswer vmd die brust. |
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| wen gebissen hette
ein slange der bruche diesser wurtzel in de dranck und in der koste
er geneset zu hant. Das krut von den gelen lilien geleyt i eyne
benen stog do viel benen in synt die been blyben darinne und geben
keyn flocht. Der meister Platearius spricht der eyn böse lebber
oder miltz hette, der neme eyn phunt gele lilien wurtzeln gestoissen
vnd essig der gut vnd scharpff sy eyn halbe maysse und laiss die
wurtzel dar in beyssen dry dage. Dar nach sal man die wurtzel mit
de essig syeden also daz der essig halp in syede. Dar nach sal er
den vsdrucken durch eyn duche vnd dan dar vnder mischen honig uff
sess loit vnd aber syeden biss das der essig wol in sudet. Diss
sal man alle morge drincken als lange das weret nochtern ess hilffe
fast wol. Wer by yme dreyt die wurtzel der gewynet de blut gang
nit dem selbigen thut auch der krampff nichts. Jtem gele lilien
wurtzel hatt eyn verzerlich natuer vnd ist bestoppung der glidder
lebber vnd miltz uff thun welche bestoppung von kelte komet. Jtem
gele lilien wurtzel gelacht (gelegt) in wyn der wyn ist gut widder
die vor geschrieben wethum lebber vnd miltz. Vnd ist auch gut widder
die gelesucht. Vnd vor diss krangheyt ist diesser dranck gut also
gemacht. Nym gele lilien wurtzel vnd hirtzzung vnd endivien vnd
sussholz vnd körbiss samen oder kern mit wasser gesotten vnd durch
geslagen vnd susse gemacht. Jtem gele lilien wurtzeln mit wyn gesotten
ist gut widder wethum der muter so die frauwe dar uff sytzen ist.
Jtem ist auch gut widder bestoppung der harnss gel lilien wurtzel
mit wyn gesotten dar von dick mail genutzet AFFODILLUS goltwortz
Cap. XX (Iris germanica, Iris variegata oder Iris pallida?) Affodillus
latine Der meister Avicenna spricht daz goltwurtz habe bletter bynach
als lauch un hait eine zymlichen stengel. Die wurtzel ist lang vnd
runt vnd hait die meysst krafft in ir. Diss wurtzel ist heyss vnd
drucken an de dritten gradt. Goltwurtz machet frolich do von gedruncken
vnd ist durchdringen die feuchtikeit darumb machet sie wolharnen.
Vnd ist auch nutz den frauwen zu irer blumen oder feüchtikeyt so
sie bestoppet synt die mit warmen wyn gedruncken. Goltwurtz vnd
alune (Alaun) gebrant vnd gepuluert vnd da mit gesmiert morfeam
das ist ein böse rude der utzerzikeyt benympt sie an zwifel mit
wenig honig vermenget. Goltwurtz gestossen vnd gemischet mit wyn
hefen vnd geleyt uff die böesen geswer heylet sere. Eyn plaster
gemacht von der wurtzeln vnd gerste mele y glichs glich viel vnd
uff die heyssen geswer geleyt zuhet groiss hytz uss vnd offener
und weycher. Also geleyt uff die zurknysten glidder heylet sere.
Den safft von der wurtzeln warme gelatssen in die oren zucht uss
den eyter. Der safft von der wurtzeln mit thurien vermenget ist
gut den bösen flissenden augen usswendig darub gestrichen. Der safft
gedruncken mit wyn mit zucker vermenget ist gut dem der da sere
hustet. Platearius. Die wurtzel gemischet mit wyn heffen ist gut
den swerende brüsten. Goltwurtz genutzet mit wyn nympt hyn yctericia
das ist die gele sucht die do komet vo eyner kalte materien. Die
blume mit wyn gemischet vnd gedruncken reiniget den magen. Die wurtzel
gesotten mit wyn heffen vnd daruss gemacht eyn plaster vnd uff die
manes dinger genant testiculi geleyt die vberzoge synt mit geswere
heilet sere. Plinius spricht daz die wurtzel gesotten in wasser
vnd das gedruncken weichet den buch. Den samen vnd auch die blomen
in wyn geleyt vnd den gedrucken ist fast gut vor vergifft vnd ym
mag kein slange noch scorpion geschaden des selben dages wan er
do von gedruncken hait. Jtem wilde swertel wurtzel gepuluert uff
unreyn wunden geleyt mit gebrant alun vermenget ist fule fleiss
uz segen vns die selbe wurtzel mit wyn gesotten do mit unreyn wunden
geweschen ist darzu besunder gut. Jtem wilde swertel safft vnd gunrebe
safft zu samen vermenget warm in eyn ore gethan ist gut widder zene
wethum. Jtem wilde swertel wurtzel mit stawurtzel in lauge gesotte
darmit das heubt gezwagen ist gut widder das hare usfallen genannt
alopicia. |
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| Die Iris – eine Symbolblume
der Mutter Gottes |
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| Die Iris war nicht nur
eine vielseitig verwendete Medizinal- und Nutzpflanze, sie spielte
auch eine wichtige Rolle in der christlichen Symbolik. Sie taucht
auf zahlreichen Marienbildern des Mittelalters auf. Während die
Madonnenlilie, Lilium candidum, das Symbol für die unbefleckte Empfängnis
ist, gilt die Iris eher als ein Attribut des fleischgewordenen Gottessohnes.
Zugleich ist sie aber auch ein Symbol für Sieg, Eroberung und Heldentum,
was auch im Namen «Schwertlilie» zum Ausdruck kommt.In Japan symbolisiert
das schwertförmige Blatt die Tapferkeit und die purpurblaue Blüte
der Iris ensata adeliges, blaues Blut, während sie in Europa ein
oft verwendetes Symbol für Wappen ist. Die heilige Brigitta von
Schweden (1303–1374) beschreibt die Pflanze in einer ihrer Offenbarungen
folgendermassen: |
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| ... Liebet die Mutter
der Barmherzigkeit! Sie ist gleich der Blume der Schwertlilie, deren
Blatt zwei scharfe Kanten hat und in eine dünne Spitze ausläuft.
An Höhe und Breite überragt die Schwertlilie die anderen Blumen.
Obwohl in einem Tale wachsend, ragt sie doch über alle Höhen empor.
Sie ist die Blume, die in Nazareth blühend, hoch über den Libanon
sich ausbreitet. Ihre Höhe reicht über alles empor; denn die hochgebenedeite
Königin des Himmels übertrifft an Würde und Macht jede Kreatur.
Wie das Blatt der Schwertlilie hatte auch Maria zwei sehr scharfe
Schneiden, d.i. die Schmerzen des Herzens über das Leiden ihres
Sohnes und die standhafte Abwehr gegen alle List und Gewalt des
Teufels. Darum hatte Simeon so wahr geweissagt, dass ein Schwert
durch ihre Seele dringen werde. Denn sie hatte in ihrem Herzen ebenso
vielmal die scharfe Schneide dieses Schwertes zu empfinden, als
sie im Geiste die Wunden und Peinen ihres Sohnes im voraus erblickte
und deren Augenzeuge sie bei der Passion ihres Sohnes auch leiblicher
Weise war. ... Wie das Blatt der Schwertlilie, so besass auch Maria
eine sehr feine Spitze, d.i. Ihre Demut, durch welche sie dem Engel
so sehr gefiel, als sie nur eine Magd sich nannte, obwohl sie zur
Herrin der Engel und Menschen erkoren war. ... |
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| Die Iris bei Conrad
Gessner |
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| Conrad Gessner hat sich
in seinem Werk «Historia plantarum», das er leider nicht vollenden
konnte, ebenfalls intensiv mit der Iris auseinandergesetzt. Über
die Gartenschwertlilien schreibt er: |
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| Blaw Iris (Iris communis) |
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| Die gemeine Iris bringt
keinen Samen hervor. Wenn man sie auch anderswo wild antrifft, so
dürfte es sich dabei, wie ich glaube, um die grössere wilde Lilie
(Iris sylvestris major) handeln. Es werden ja nicht nur in einer
Blüte der einen Art verschiedene Farben gefunden, sondern auch in
ganz verschiedenen Blüten verschiedener Arten beinahe die gleichen
Farben, nämlich, wenn ich mich nicht täusche, jene, die im Regenbogen
vorhanden sind. |
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| Interessant ist, dass
Gessner dabei feststellt, dass die Formen der Iris germanica, die
bekanntlich verschiedene unfruchtbare Hybriden sind, keine Samen
ansetzen. Interessanter als seine Darstellung der Garten-Iris ist
diejenige der Iris pseudacorus, unserer Gelben Sumpfschwertlilie
(Tafel XII). Der Name «pseudacorus» rührt daher, dass die mittelalterlichen
Apotheker anstelle des echten Kalmus (Acorus calmus L.), der im
subtropischen und tropischen Asien vorkommt, die Wurzel unserer
einheimischen Sumpfschwertlilie verwendeten. Matthiolus bezeichnete
die Pflanze denn auch als «Gelb Wasserlilie – Pseudacorum». Die
zeitgenössischen, eher ungenauen Darstellungen dieser Pflanze von
Matthiolus, Fuchs, Dodoens und Hieronymus Bock wurden von der Illustration
Gessners weit übertroffen. Da er die qualitativ schlechten Arbeiten
seiner Zeitgenossen kannte, schrieb er stolz zu seiner eigenen Studie: |
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| «Acorus vulgaris, melius
quam M. Aut alii pinxerint» |
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| «Gemeiner Acorus, besser
als Mattiolusi oder andere ihn abgebildet haben.» |
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| Die Darstellung ist
in der Tat ein Meisterwerk genauer Pflanzenbeobachtung und -darstellung
jener Zeit. Schön sind die beiden jungen Bereicherungstriebe links
und rechts des Blütentriebes dargestellt, die im folgenden Jahr
zur Blüte gelangen werden. Etwas zu kurz gekommen ist allerdings
die Verzweigung des Rhizomes. Diese hat hingegen Hieronymus Bock
in seinem «New Kreutterbuch» besser dargestellt. Die Hängeblätter
der Blütescheinen etwas zu kurz und ein wenig zu sehr abgerundet
herausgekommen zu sein. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass
innerhalb einer Pflanzenspezies die Blüten ein recht breites Spektrum
an Farben und Formen aufweisen können. Vermutlich hat Gessner hier
einfach eine spezielle Pflanze aus einem grossen Bestand von Iris
pseudacorus dargestellt. Besonders schön hat Gessner bei seiner
Illustration die braunen Saftmale, die Domblätter und die Narbenschenkel
festgehalten. Ganz hervorragend hat der Zürcher Stadtarzt und Botaniker
die Samenstände der Pflanze wiedergegeben. Man erkennt deutlich,
dass sich die Früchte in der Mitte der drei Fächer öffnen, in welchen
in je zwei Zeilen zahlreiche abgeplattete, auf der einen Seite konkavgrubige
Samen wie zu Geldrollen aufgereiht sind. |
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| Die Iris bei Hieronymus
Bock |
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| Hieronymus Bock, den Vater der Pflanzenbeschreibung, müssen wir
in unserem Heft nicht mehr näher vorstellen. Er hat sich mit den
Iris in seinem «New Kreutterbuch» eingehend befasst. In vier Kapiteln
beschreibt er folgende Arten: Iris pseudacorus, Iris sibirica, Iris
variegata und Iris germanica. Als «Welsch Schwertel» führt er an
einem anderen Platz in seinem Werk Iris foetidus. |
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| Von Gälen1 vnd Blawen2
Schwertlen |
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| Under alle Schwertel
blumen bringet inn vnserem Land jhrer keine samen / aussgescheiden
die gäle1 / welche jhre wohnung im Wasser / oder nahe darbey / als
in den feuchten Wysen vnd Wasser gestaden / sucht. Jhre wurtzeln
verkriechen sich als die rohte Naterwurtz Bistorta / vberzwerch
hin vnd her / vber einander mit vilen angehenckten zäselen / ist
jnnwendig roht Leibfarb / am geschmack sehr herbe / als der Eychelen
/ stosst järlich andere newe Augen wie dz Liesskraut / darauss werden
lange schöne Schwertel bletter gegen der Wurtzel etwann rohtbraun
geferbt. Jn dem Meyen / dringen durch gemelte Schwertel bletter
/ glatte runde vnd hole stengel / die bringen jhre gäle Gilgen.
Jn jeder Blumen seind die drey erste bletter vndersich gebogen /
dargegen wachsen drey andere bletter vbersich / schmäler dann die
vndersten / wann nun gedachte Blumen aussfallen / folgen dicke vnd
dreyeckete schotten hernach / die seind jnnwendig mit gälem breitem
samen aussgefüllet / ein jedes Korn als ein zerdruckte Wicken oder
Kechern anzusehe / am geschmack vnfreundlich. |
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| Dise blawen Schwertel2
wachsen mit wurtzelen / langen Schwert blettern vnd runden stengeln
/ ganz gleich den gälen gilgen / aber sie seind ganz Purpur blaw.
Ein jede Blum hat auch sechs bletter / drey vndersich gebogen /
vnd drey vber sich gestreckt / ein jede gilg gleich kugelecht zusamen
verfügt / fallen ohn samen in vnserem land ab. Solche Schwertel
blumen zielet man in den Gärten / wachsen etwann auff den mauren
vnnd Strodächern der Häuser / dahin sie die alten Weiber gemeinlich
pflantzen. Werden auch mit weissen Lilien3 bey vns erzogen. Der
gelben zielet man eine bey vns / deren hangende blettlein mit braunen
strichen / vberzwerch durchzogen seind. Jtem ein braune deren vbersich
stehende blettlein bleich oder Leberfarb erscheinen. Zieren sonsten
die Lustgärtlein noch mit vil andern frembden Lilie / fürnemlich
den gar kleinen / von farbe weiss / blaw / gälb / dick vnd liecht
blaw / gleichen mit den blettern den gemeine Schwerteln / seind
doch kürtzer4. |
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| Von den Namen. |
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| Unsere Meister wollen
Acorus Dioscoridis. lib. I cap. II. sey gäl wasser Lilien / oder
Schwertel / mich wundert das sie nicht blaw Schwertel durchs Acoron
verstehen / dieweil die beschreibung Acori gschickter zu der blawen
/ dann zu der gälen sich reimet. Aber was ligt uns an eins jeden
meinung? Zwar es reumet sich die beschreibung zu keiner unser Schwertel
/ weder mit den blettern / welche kleiner seind dann Jridis / so
riechen unsere Schwertel gar nicht / inn sonderheit die gälen. Darumb
wollen wir mit dem hochgelehrten Manardo Ferzariensi das Acorum
Calumus teutschen5 / den wir tätlich im brauch haben / vnd nicht
den frembden Calmus / von welchem Dioscorides auch lib. I cap. XVII.
schreibet / welcher köstlicher Calmus zu vns noch zur zeit nicht
kommen / wollen doch hiemit seiner meinung niemandts beraubt haben
ein jeder halt was er wolle / sie heisst auch Drachenwurtz bei etlichen. |
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| Aber von der blawen
vnd gälen Schwertel sagen wir also / dieweil gedachte blumen beide
sampt / einerley wurtzel / stengel / bletter vnd blumen tragen /
auch einerley geschmack haben / achten wir sie als Geschwistert
/ ohn angesehen das eine gäl / die ander blaw Gilgen tragen / und
schreiben sie beide vnder das Capitel Xyris in Dioscoridis lib.
IIII. cap. XXIIII. da er spricht / Xyris sey sylvestris Jris / wild
Violwurtz / zu Latin auch gladiolus / von etlichen Cactos vnd Aprus
geheissen. |
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| Jst aber jemands der
blaw Schwertel vnder das Capitel Xiphion will setzen / mit dem wollen
wir nicht streitten / doch von Xiphion hernach. Die alten Heiden
haben zwar auch vil superstitiones mit dieser wurtzel getriben /
wie Plinius zum theil anzeiget lib. XXI cap. X. das lassen wir auch
fallen. |
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| Von der Krafft und
Würckung. |
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| Die gäle Schwertel werden
selten in den leib gebrauchet / etliche pflegen auss den blumen
wasser zu destillieren / für den heissen schwertzen der augen. Andere
machen ein Latwergen von der Wurtzel zum stein. Aber die blawen
Schwertel werden zu diser zeit / im leib und auch zu eusserlichen
schmertzen vast gelobt / seind einer warmen und ausstreibenden druckenen
natur. Die wurtzeln aber der gälen astringieren. Bekommen dem Magen
besser / dann die frembde Galgant / erhalt die eingepflanzte wörme. |
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| Innerlich. |
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| Das wasser von den blawen
Gilgen gebrandt / und getruncken / ist nutz für allerhand gifft
/ für die hitzige Febres / zur zeit der Pestilentz / für die entzündte
Leber / vnd für das hitzig seitten geschwär / genandt Pleurisis. |
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| Die wurtzel von den
blawen Schwerteln / inn Wein gesotten vn getruncken / treibet auss
die wassersucht / Frawen blödigkeit / den Lendenstein / vn wehret
dem dröpffelichten harne. Ein wasser aus den wurtzeln distilliert
/ und zum tag drey oder vier mal getruncken / auff drey löffel voll
/ ist anmütiger / aber ausszutreiben nicht so krefftig zu obgemelten
Presten. |
|
| Das wasser stähts gedruncken
/ eröffnet die Leber / erweichet vnd reiniget die Brust / die Lungen
/ stillet den schmertzen des Miltz / der Mütter / benimpt das Bauchwehe
/ vnd laxieret den selben. Die Wurtzel aber von den gälen Schwerteln
in Wein gesotten vnd gedruncken stopffet den täglichen Bauchfluss
/ miltert den schmertzen der Blasen vnd der Hüfft / vnd dienet zu
allerhandt Blutflüssen. |
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| Eusserlich. |
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| Die gebrandte Wasser
von den gilgen vnd den wurtzeln / sein nutz zu allerhand Flecken
der Augen / abendts vnd morgens des darein gethan |
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| Düchlein in disem Wasser
genetzet vnd vbergelegt / drucket nider alle Geschwulst leschet
die Hitz. Ein edel bewert wasser zu den hitzigen Geschwären der
Frawen Brust un heimlichkeit / für den Krebs / für den presten Noli
me tangere / un für alle schädliche Biss der gifftigen Thieren /
darmit gewäschen vnd düchlein darinn genetzt / un stäts vbergelegt.
|
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| Das Wasser dienet wol
zu allerley Flecken / Schlieren vnd Zittermäler vnder den Augen
darmit gewaschen / vnd von jhm selbs lassen drucken werden. |
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| Die Wurtzel
zerstossen von den blawen Schwerteln / mit Weyrauch vnd Wein vermenget
/ Pflasters weiss vbergelegt / zeucht auss die Dorn / Spreissen
/ vnd Bein auss den Wunden / Gemelte pflaster weiss vbergelegt /
fordert die verstandenen blumen der Weiber solche krafft schreibet
Dioscorides der obersten Wurtzel zu / so vber andern wachsen vber
die Erden. Andere Superstitiones diser Wurtzel lassen wir bleiben. |
| |
| Das Lilien zu vnderschiedlicher
zeit blühen / solt du im Früling / eine wurtzel zwölf finger dieff
/ die ander acht / vier / vnd also fortan in die Erden eingraben
/ so bringt je vor der andern jhre Lilien. |
| |
| 1 Gemeint ist an dieser
Stelle Iris pseudacorus. 2 Bock beschreibt hier wahrscheinlich die
Iris germanica. 3 Unter «weissen Lilien» ist wahrscheinlich die
weisse Iris florentina zu verstehen. 4 Der Beschreibung nach könnte
er hier verschiedene Formen der Iris pumila gemeint haben, die in
den damaligen Gärten sicher schon kultiviert wurden. 5 Da der echte
Acorus calamus aus den Tropen in Deutschland praktisch nicht verfügbar
war, griffen die damaligen Apotheker auf unsere Gelbe Sumpfschwertlilie
zurück, die offenbar dem erwähnten Acorus calamus sehr ähnlich sein
muss. |
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| Von klein blaw Schwertel. |
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| Auff etlichen feuchten
Awen / auff dem Rheinstrom zwischen Wormbs unnd Oppenheim / hab
ich ein gantzes blaw schwertel1 geschlecht funden / deren blumen
seind schier wasserfarb / mit blaw vermenget / ein jede blum gewinnet
nicht vber drei blettlein vndersich gebogen / mit kraut / blettern
/ stengel vnd wurtzel der Viol wurtz ähnlich / aber vast kleiner
/ schmäler / vnnd spitziger mit den blettern / gewinnet seinen samen
in dreiecketen engen schöttlein / gleich wie die gälen Schwertel. |
|
| Nahe bey Strassburg
/ vnd dem Dorf Eschaw auff den Wysen am Rhein / wachset noch ein
ander schön Schwertel2. Dessen kraut ist nichts anders als ein breiter
Wasen von vnzalbarem langem Riedtgrass / vnd kleinen zasechte würtzlein
/ auss denselbige wachsst ein langer gründer stengel / der tregt
gemeiniglich drey oder vier Lilien / daran seind die drey blettlein
/ so herab hangen / liechtblau oder braun / mit dickbraunen Linien
durchzogen. An gemelten orten wurt auch der schön Gladiolus3 gesehen
/ tregt schöne blutrohte geöffnete zertheilte glocke / je eine vber
der andern der länge nach / die wenden sich alle auff ein seit /
schleifft auss einer zwibelchten wurtzel. Aber das kleine Schwertlein
wurt in Gärten erzogen / dessen kraut gleichet den andern droben
gesetzten geschlecht / seine Blumen stehen vnden an der Wurtzel. |
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| Von den namen. |
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| Auss allen Schwert kreutern
und Blumen weiss ich kein Gewächs / das sich herzlicher schicket
vnder das klein Gladiolum oder Xiphion / als eben das angezeigt
wild klein Schwertelkraut / wer nun will / der mags mit mir darfür
halten. |
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| Von der Krafft vnd
Würckung. |
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| Was von der blawn Schwertelen
gemedt ist / soll von diser auch verstanden werden / insonderheit
aber die wurtzel einer aussziehenden krafft / mit Weyrauch vnd Wein
zerstossen vnd vbergeschlagen. |
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| Das Gladioli kraut gedörrt
puluerisiert / vnd mit Wein eingenommen/ zeucht die Schiffern der
Bein auss den Wunden / fürnemlich des Haupts. Die scholet von der
wurtzel zerstossen / vnd mit halb Wein vnd Wasser warm eingeben
/ lindert die schmerzen der Blasen / vnd fürdert den Harn. |
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| Unsere einheimische
Iris sibirica 2 Wahrscheinlich ist damit Iris graminea gemeint (sehr
schmales Laub und tief liegende Blüten). 3 Der Beschreibung nach
könnte es sich um Gladilus imbricatus, den Wiesensiegwurz, oder
um Gladiolus palustris, den Sumpfsiegwurz, handeln, die beide in
diesem Gebiet vorkommen. |
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| Von Himmel Schwertel
oder Violwurtz1. |
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| Violwurtzel ist das
edelst vnd fürnembste Schwertel geschlecht / seine kriechende und
vber einand geschrenckte wurtzel / seind vil mehr vber der erden
/ dann darunder / nemlich also / die wurtzeln ligen fast bloss auff
dem grund / die kleine zasechte wurtzeln aber / die an der rechten
weissen wurtzel hange / seind vndersich gekrochen / daselbst hencken
sie sich allenthalb an den Grunde / von welchem die oberste jhre
nahrung und krafft empfangen / gegen dem Meyen wann die Schwertel
bletter gewachsen seind / dringen die runden stengel mit ihren langen
spitzigen blumen Knöpffen mitte durch die Schwertbletter / so bald
die knöpff auffgehen / erscheinen die Gilge viler farben / zum ersten
seind die drey Haupt vnd gröste bletter der blume vndersich gebogen
/ ausswendig von farben grüngäl vnd liechtbraun durch einander vermenget
/ durchauss mit gantz braunen äderlein vnderzogen. Jnnwendig seind
gerürte bletter an den spitzen satt Purpurbraun / aber mit weissen
vnd Leberfarben strömlein gemahlet / das mittelst jnnwendig solcher
bletter seind gäle harechte augbrawen. Das ander theil an jeder
blumen / sein widerumb drey bletter / die stehen nicht wie die ersten
vndersich / sonder den ersten gantz zu wider / vbersich vnd auffgericht
/ rund als ein kugel zusamen gevogen / schön wasserfarb / zu braunweiss
vnd gäl geneigt / als ein widerschein vertheilet. Mitten jnnwendig
der gantzen Blumen werden zum drittenmal drey schmaler kurtzer bletter
gesehen / von farben gemalet / als der Regenbogen im Himmel / also
das ein jede Gilg neun bletter vnd neunerley farben hat. Wann gemelte
Gilgen blumen / welche fast lieblich vnd sehr wohl riechen / anfahen
zu verwelcken und abzufallen / hab ich nie kein frucht oder samen
darnach mögen finden / vnd ist solche Schwertel zwar nicht allenthalben
ohn pflantzung zu finden. Ich hab weit vnd breit / hin und wider
mein tag im Teutschland gereiset / aber gemelte wurtzel oder Gilg
nie von ihr selber ohn pflantzung wachsen befunden / aussgenommen
inn dem hohen Gebürg jhenseit dem Ydar / in der Graffschafft Veldentz
/ und nemlich nicht fern vom Schloss Veldentz / auff einem hohen
und grasechten Berg / inn der Wildtnuss von ihr selber wachsen2
/ hab sie auch daselbst auss gegraben / mit mir geführt / und inn
meinen Garten gewehnet. Das ist aber auch war / gemeldte wurtzel
sein nicht halb so satt vber einander gedrungen / als die Genueser
/ riechen auch nicht so krefftig / wiewol sie auch eines hitzigen
geschmacks seind auff der Zungen / daher inn solchen sachen der
Landschafft jederseits vil nach zu geben / gleich wie ein Kron das
ander / ein Weyssen den andern / vnd jhe ein Wein den andern vbertrifft
/ also ubertreffen auch ein Kraut und Wurtzel die andere / nach
dem ein jedes Erdrich seiner art nach hat mögen ertragen / mit würckung
der Himmlischen Jnfluentzen. |
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| Von den Namen. |
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| Obwohl angezeigte vnsere
wolriechende Schwertel blumen vnd wurtzel nicht die recht vnd best
Iris (welche wir täglich im brauch haben) ist / noch sein kan /
so ist sie doch derselbigen Schwester / mit gestallt / art und tugendt
/ darumb gehört sie nicht vnbillich under das erste Capitel Dioscoridis.
lib. I. Was ligt aber daran / das vnser Teutsch Jris nit Jillirica
heisst / wer wills uns verargen / das wir sie Jrin Germanicam /
das ist / Teutsch Violwurtz nennen / mag auch wol Vrania Celestis
/ Hieris Consecratrix vnd Gladiolus / das ist Himmel Schwertel heissen
/ Doscorides lib. I vnd Aegineta lib. III nennen sie Jlliridam /
oder Jlliricam / Thalyden / Catheronta / Nar / Thauastu admirabilem
/ Opertriten vnd radicem Mariacam / auff Teutsch Himmelschwertel. |
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| Von der Krafft und
Würckung. |
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| Hie haben wir das best
geschlecht der Schwerteln / zu vilen Presten in Leib vnd Eusserlich
zu brauchen vast nützlich. Jhr art und qualitet ist zu erwärmen
/ zu drücknen und zu Resoluieren geneigt. Man soll sie im anfang
des Frühlings grabe / so man will das sie riechen soll / vnd folgends
im Schatten dörren. |
|
| Jnnerlich. |
|
| Was von den blawen Schwertlein
geschriben / das soll vollkommenlicher / von gegenwertiger Viol
wurtzel verstanden werden. Und in summa Violwurtzel gepuluert /
vnd mit Honig eingenommen / oder zerschnitten / vnd in Wein gesotten
und getruncken / reiniget die brust / zertheilet vnd machet dünn
den zähen Koder / machet ausswerffen / wehret dem husten / reiniget
die Lung. |
|
| Violwurtzel zu puluer
gestossen / und 7 quinten mit Honig wasser gedruncken / purgiert
und reiniget den Magen vnd das Haupt / treibet auss die zähen Gallen
/ auch die kalte Phlegmatische feuchte / dauon Febres und Gälsucht
entspringen. Violwurtzel in Wein gesotten vnd warm gedruncken /
stillet das Bauchgrimmen / ist nutz und gut getruncken / denen so
den natürlichen Samen nicht können behalten / wehret auch dem Frost
vnd schütten des kalten Wehethumbs in der stund getruncken / so
man des kalten Frosts erwarte ist. |
|
| Gemelter Wein von Violwurtz
getruncken / bringet gute ruhe / machet schlaffen / eröffnet das
Miltz / beweget der Frawen blödigkeit. |
|
| Die wurtzel inn Essig
gesotten und getruncken / ist nutz und gut für alle gifftige Biss
der Schlangen / dann es treibet solcher Dranck das gifft vom Hertzen. |
|
| Violwurtz mit Hirschzungen
kraut / oder Tamariseen steudlein / gesotten und getruncken / bekommet
wol den Miltzsüchtigen. |
|
| Welche mit dem Hüfftweh
geladen sein / denen mag man inn einem Clystier die brü eingiessen
/ darinne dise wurtzel gesotten ist. Auch pflasters weiss vberlegen. |
|
| Die Weiber geben auch
das puluer von der Viol wurtz ein wenig auff den Brey gestrewet
/ den Kindern / welche von wegen des Reissens im Leib stehts schreien. |
|
| Viol Wurtzel zerstossen
vnd den safft darauss gedruckt / denselben mit Zucker / vnd ein
wenig Jindianischer Spicken abbereit / ist nützlich den Wasersüchtigen
/ alle vier tag ein mal ein znnliche Eyerschal voll / morgens Milch
warm eingedrunckt / offter oder weniger / nach gelegenheit der Personen
/ ist gut für die Wassersüchtigen / führet die böse feuchtigkeit
durch den Stulgang. |
|
| Ein gute Latwerg für
die Wassersucht / die mach also. Violsafft 3 quintlein / Galgan
/ Ziittwen jedes ein halb loht / Zimmetrinden / Nägelein / jedes
ein halb quintlein / Soldanella ein halb loht. Diss alles durch
einager gestossen zu puluer / temperiers mit geleuttertem Honig
zu einer Latwergen / brauch morgens nüchtern alle tag auff eins
loht schwer. |
|
| Eusserlich. |
|
| Nicht wol müglich ist
alle tugendt diser wurtzel zu beschreiben / doch inn einer summa
daruon zu reden / so ist es ein heilsame wurtzel zu allerley Schaden
/ gepuluert und darein gesähet / reiniget die wunden / vnd machet
fleisch wachsen / sonderlich wann sie mit Honig vermenget würt /
dienet wol zum Krebs / Fistel Wolff / und andern schäden an heimlichen
enden. / Mit öly ubergeschlagen / heilet die schädlichen Hundts
biss. |
|
| Dise wurtzel weich gesotten
/ vnd pflasters weis ubergelegzt / zertheilet alle Knollen / Beulen
vnd den Kropff. Ein Pflaster daruon mit Schweinem Schmer vnd chamillen
öl gemacht / erweichts vnd zeittigets behend. |
|
| Gestossen Viol wurtz
mit Honig vnd wenig Niesswurtzel temperiert vnd angestrichen / vertreibet
Rysamen / Flecken vnd alle missfarb vnder dem Angesicht. Solches
thut auch das gebrandt Wasser dauon / vertreibet auch den alten
Weibern die Runzeln im Antlitz / oder min Bonen Mäl vermischt. |
|
| Dise wurtzel mag zu
allerhand Bähung der krancken Mütter / zu erweichen genommen werden.
Jtem zu der Clystierung / zu Salben / Zäpfflein / vn wie es ein
jeden für gut ansicht. |
|
| Die wurtzel in Wein
gehenckt / gibt dem Wein ein lieblichen geruch vnd geschmack. Die
wurtzel in Bier gehencket / behalt ihn süss. |
|
| Die Becker wissen mit
diser wurtzel ein gute Heffen zusetzen / zum weissen Brodt. |
|
| Viol wurtz sampt Essig
vnd Rosenöly gemenget / mit einem Düchlein vber die stirn geschlagen
/ lindert das Hauptwehe. Den saft durch die Naslöcher an sich gezogen. |
|
| Viol wurtz mit Hartz
vermenget / auff ein Leder gestrichen / vnd vber gelegt / benimpt
den schmertzen / der Flachs oder Sennadern / Lenden vnd Hüfften.
Zertheilt die Geschwulst der selbigen / mit Mangolt vnd Kolsafft
/ oder Wein / Honig vnd Chamillen vbergelegt. |
|
| Viol wurtz vnder die
Kleider in Kasten gelegt / bewahret sie vor Motten und Schaben /
vnd gibt ihnen einen guten geruch. |
|
| Viol wurtz öly / zeittigt
/ zertheiltet vnd machet dünn / lindert das Zipperlein / vnd Podagram
/ den Krampff / die Ohren / vnd aller Glyder schmerzen / so sich
von Kälte / Schleim vnd Winden erheben. |
|
| Viol wurtzel / wann
sie dürr gekewet / macht ein guten Athem / vnd ist gut für Zahnwehe
/ des gleichen thut sie auch wann sie gesotten vnd warm im Mund
gehalten. Zertheilet also genützt den Schnaupen. |
|
| Hieronymus Bock beschreibt
hier meisterhaft eine Form der Iris variegata. Allerdings scheint
es sich nicht um eine reine Art zu handeln, sondern um eine Naturhybride,
die in den Gärten gezogen wurde, da sie keinen Samen ansetzte und
Bock auch angibt, dass sie «nie von ihr selber ohn pflantzung wachsen
befunden» in freier Natur vorkommt. 2 Hier hat Hieronymus Bock eine
echte Iris variegata in freier Natur beschrieben. |
|
| Der grosse Tournefort
beschrieb die Iris folgendermassen in seinem Werk: |
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|
INSTITUTIONES
REI HERBARIAE
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| G e n u s III. Iris.
Flambe. |
|
| I r i s est plantae
genus, flore A liliaceo, monopetalo, ad exortum veluti infundibuliformi
B & in partes sex ampliato, quarum tres 2, 3, 4, sursum; tres verò
1, 5, 6, deorsum spectant. Pistillum C è fundo floris furgit tribus
petalis instructum D, E, F, fornicatis, & partibus floris deorsum
inflexis, ita incumbentibus ut palati cujusdam G speciem prae se
ferant. Calyx autem H deinde abit in fructum oblongum I, K, O trifariam
apice dehiscentem N, in tria loculamenta L, M divisum & seminibus
foetum nunc subrotundis P, nunc planis Q. His notis addenda est
radix carnosa, oblonga, repens & tunicis carens. |
|
| Die Iris ist eine Pflanzengattung
mit einer lilienähnlichen Blüte A, einblütig. Dort, wo sich die
Blütenblätter teilen, ist die Blüte gleichsam trichterförmig und
erweitert sich in 6 Teile, von welchen drei, 2, 3, 4, aufwärts,
drei aber, 1, 5, 6, abwärts schauen. Der Stempel C erhebt sich aus
dem Grund der Blume, ausgestattet mit drei gewölbten Blättern, D,
E, F, die sich mit den abwärts gebogenen Teilen der Blüte so legen,
dass sie gewissermassen einen Gaumen G zeigen. Der Kelch H aber
verwandelt sich dann in eine längliche Frucht I, K, O, die sich
an der Spitze N dreifach in drei Klappen1 L, M spaltet und die mit
bald rundlichen P, bald abgeplatteten Q Samen gefüllt sind. Diesen
Merkmalen hinzuzufügen ist eine fleischige, längliche, frische hüllenlose
Wurzel. |
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| 1 Klappen = Kammern
der Fruchtkapsel der Iris |
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| Insgesamt führt Tournefort
78 Iris-Arten an. Zählt man die verschiedenen Formen der Iris germanica
und der Iris pumila, welche er als selbständige Arten führt, zusammen,
so bleibt eine grosse Zahl von Spezies übrig, die der Botaniker
Ende des 17. Jahrhunderts gekannt haben muss. So unterscheidet er
schon die Iris alba Florentina von einer weiss blühenden Iris germanica.
Anhand der Synonyme wäre es in einer langwierigen Arbeit gut möglich,
herauszufinden, welche der aufgeführten Pflanzen echte Wildarten
und welche damalige Gartenformen sind. Die drei folgenden Illustrationen
Tourneforts sind Meisterwerke der wissenschaftlichen Pflanzendarstellungen
ihrer Zeit und korrespondieren mit der oben abgedruckten Beschreibung
der Iris. Der interessierte Leser vergleiche und studiere den Text
und die Kupferstiche Tourneforts. |
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