Iris – ideale Partner der Päonien

Historische Schwertlilien
Dr. Milan Blazek (CR)

Fragen rund um
die Iris germanica
Dr. Milan Blazek (CR)

Aus den Anfängen
der Iris-Züchtung
Susanne Weber (D)

Züchterportraits
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Pflanzung und Pflege
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
England
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich I
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland II
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich II
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA II
Susanne Weber (D)

Schwertlilien
Karl Foerster (D)
Die Iris-Sammlung
in Brüglingen

Susanne Weber (D)
Leben mit Gartenblumen und ohne sie
Karl Foerster (D)

Im Zeichen der Iris – von der Götterbotin zur Werbeträgerin
Dr. Iris Burgdorfer (CH)

Iridaceen - Irisgewächse Die Iris aus anthropo-sophischer Sicht
Werner Simonis, (D)
Mit Götterbotin durch
die Jahrhunderte

Walter Good, (CH)
     
                                                          Gallerie Historischer Iris
                                                          
Walter Good (CH)

Mit der Götterbotin durch die Jahrhunderte
Walter Good

... So spricht sie zu Iris: «O du, meine treueste Botin Hurtig besuche die schlummererregende Halle des Schlafgottes: Heiss ihn ein Traumbild Alcyone senden, das ganz dem verblichenen Ceyx gleiche und ihr sein wirkliches Schicksal verkünde!» Sprach's; und Iris umhüllt mit dem Kleid sich, dem bunten in tausend Farben, und eilt, den Weg mit dem Bogen am Himmel bezeichnend, wie ihr befohlen, zum wolkenumhangenen Hause des Königs. ... Ovid 11, 583– 591

Diese Zeilen aus Ovids Metamorphosen leiten unsere Betrachtung über die Geschichte der Iris ein.

 
Iris – die farbenprächtige, geflügelte Götterbotin auf dem Regenbogen
 
Mit diesem Auftrag an Morpheus, den Gott des Schlafes und der Träume, der trauernden Alcyone in einem Traumbild Gewissheit über ihren auf dem Meer verschollenen Gatten Ceyx zu verschaffen, sandte Hera die geflügelte, bunt gekleidete Götterbotin auf eine ihrer zahlreichen Missionen. Die griechische Götterbotin überbrachte aber nicht nur präzise Nachrichten und Aufträge der Götter. Als Gattin des Zephyrus, des Gottes des regenbringenden Westwindes, wurde sie auch zu einem Symbol der Fama, des Gerüchtes. Wind und Regenbogen sind wie Gerüchte nicht fassbar, genausowenig wie die Farben des Gewandes der Götterbotin, in dessen Tautropfen sich die Gestirne des Himmels spiegeln, fassbar sind.
 
Die Iris – eine schwebende Schönheit der Natur
 

Die Iris, eine der schönsten und interessantesten Blumen, die die Schöpfung hervorgebracht hat, hat schon die Phantasie der Menschen im griechischen Altertum im wahrsten Sinne des Wortes beflügelt. Ob die ätherisch leicht schwebenden Blüten der Iris in den alten Griechen die Vorstellung der bunt gekleideten, geflügelten Götterbotin hervorgerufen haben oder ob die Menschen der damaligen Zeit in der herrlichen Blüte eine Verkörperung der Götterbotin sahen – wir wissen es heute nicht mehr. Die Aufträge der Götter und Göttinnen bewahrten die schöne Iris aber nicht davor, auf ihren Reisen von Kentauren und Satyren massiv belästigt zu werden, wie auf dem folgenden Bild auf einem Trinkgefäss zu sehen ist. Eine Vorahnung auf die «züchterische Bearbeitung» der Iris von eifrigen und übereifrigen Pflanzenzüchtern, die der ursprünglichen, schlichten und doch eleganten Schönheit der Naturformen Rüschchen hier, Rüschchen dort, Hörnchen, knallige Farben, riesige Blüten usw. anzüchteten, so dass von der ursprünglichen, schwebenden und schlichten Schönheit nicht mehr viel übrigblieb und neben wahren Meisterwerken züchterischen Iris, die farbenprächtig gekleidete Götterbotin, wird auf einem ihrer Botengänge von Kentauren belästigt.

 
Trinkgefäss, Kleophrades-Maler, früher 5. Jh. v. Chr.
Eine der schönsten Pflanzengattungen der Schöpfung
 
Die Gattung Iris, die uns rund um den Erdball mit ca. 500 Arten begegnet, begleitet den Menschen seit Jahrtausenden sowohl als Medizinal-, Zier- und Nutzpflanze wie auch als religiöse Symbolpflanze. Man würzte mit ihr den Wein, legte ihre duftenden Wurzeln in Kleiderschränke, stellte Salben und Öle aus ihr her, stillte mit ihren Wurzeln die Schmerzen der zahnenden Kinder, kaute die Wurzeln, um vor schönen Schäferstündchen den Atem zu erfrischen (die Gebisse unserer Vorfahren waren oft wahre «Tessinerdörfchen»), versuchte mit ihrer Hilfe eine Unzahl von Krankheiten zu heilen oder erfreute sich an ihrer wahrhaft göttlichen Schönheit.
 
Die Iris – eine vielseitig verwendete Medizinalpflanze der Antike
 
Von alters her war die Iris eine beliebte, vielseitig verwendete Medizinalpflanze der Menschen. Dioskurides, der römische Militärarzt, beschreibt sie in seinem berühmten Werk «De materia medica», das heute als sogenannter «Wiener Dioskurides» in der Österreichischen Nationalbibliohek aufbewahrt wird, in Wort und Bild folgendermassen:
 
Die Iris [die einen nennen sie die illyrische, die anderen Thelpide, die himmlische reinigende, wunderbare, die Römer marica, auch Gladiolus, Opertritos, Consecratrix, die Ägypter Nar] ist nach der Ähnlichkeit mit dem Regenbogen benannt. Sie hat der Siegwurz (Gladiole) ähnliche Blätter, aber grösser, breiter und glänzender. Die Blüten stehen auf Stielen in gleicher Entfernung, sind zurückgebogen, verschiedenartig gefärbt, denn man sieht weisse, blassgelbe, purpurfarbige oder bläuliche, darum wird sie wegen der Farbenverschiedenheit mit dem Regenbogen am Himmel verglichen. Die Wurzeln darunter sind gegliedert, fest, wohlriechend; dieselben werden abgeschnitten, im Schatten getrocknet und, auf eine Schnur gezogen, aufbewahrt. Die besten sind die illyrische und die makedonische, und unter diesen verdient den Vorzug die mit Würzelchen dicht besetzte, hie und da verstümmelte, schwer zu brechende Wurzel, welche von hellgelber Farbe sehr wohlriechend ist und auf der Zunge brennt [welche einen reinen Geruch hat und nicht feucht ist] und beim Zerstossen Niesen erregt. Die libysche ist geringer an Kraft, hat eine weisse Farbe und bitteren Geschmack. Beim Älterwerden verfallen sie dem Wurmfrasse, werden aber wohlriechender und haben erwärmende Kraft, vertreiben, mit doppelt soviel weisser Nieswurz aufgelegt, Sonnenbrandflecken und Leberflecken. Sie füllen die Geschwüre mit Fleisch aus, verdünnen die schwer auszuwerfenden Flüssigkeiten und nehmen einem Verderben bringenden Mittel die Kraft, wenn sie mit Honigmet genossen werden. Sie sind aber auch Schlaf machend, verursachen Tränen und heilen Leibschneiden. Mit Essig genommen sind sie denen heilsam, die von giftigen Tieren gebissen sind, ebenso auch Milzsüchtigen und denen, die an Krämpfen leiden, die von Kälte und Frostschauern ergriffen sind und denen, die an Samenfluss leiden. Mit Wein genommen, befördern sie die Katamenien, auch ist die Abkochung davon zu Bähungen für Frauen sehr geeignet, indem sie die Stellen erweicht und öffnet. Mit Honig als Paste eingeführt, ziehen sie den Embryo heraus. Sie erweichen auch Drüsen und alte Verhärtungen, wenn sie gekocht umgeschlagen werden. Ferner sind sie wohltuend bei Kopfschmerzen, wenn sie mit Essig und Rosensalbe aufgestrichen werden. Endlich werden sie auch den Zäpfchen, Pflastern und Salben zugemischt; überhaupt sind sie zu vielem nützlich.
 
C. Plinius Secundus der Ältere, der von 23 bis 79 n. Chr. lebte, war Offizier, Staatsmann, Vertrauter römischer Kaiser und vor allem ein Universalgelehrter, fasste das gesamte naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit in seiner «Naturalis historia» zusammen. Über die Iris, die in der Antike hauptsächlich als Nutz- und Heilpflanze, unter anderem auch für luxuriöse Salben, gebraucht wurde, schreibt er im Zusammenhang mit der Verwendung duftender Pflanzen für Kränze im Buch XXI:
 
..., manche machen selbst ihren Standort wohlriechender, wie die Schwertlilie, (diese) sogar einen ganzen Baum, dessen Wurzeln sie berührt ... Es darf ferner jener Unterschied nicht vergessen werden, dass auch vieles Wohlriechende nicht als Kranzgewächse Verwendung findet wie die Schwertlilie und die keltische Narde, obgleich beide einen ganz vorzüglichen Geruch haben. Die Schwertlilie aber empfiehlt sich nur durch ihre Wurzel, weil sie nur für Salben und Heilmittel (verwendbar) wächst. Am meisten schätzt man die aus Illyricum und auch dort nicht im Küstengebiet, sondern im Waldgebiet des Drino und von Narona; die nächstliegende ist die in Makedonien, die sehr lang, weisslich und unansehnlich ist. An dritter Stelle steht die afrikanische, unter allen am stattlichsten und mit bitterstem Geschmack. Von der illyrischen gibt es auch zwei Arten: benannt nach ihrer Ähnlichkeit das «Rettichkraut» [raphanitis], welche auch die bessere ist, und die «Wurzelschneiderin» [rhizotómos]. Am besten ist die rötliche, die beim Berühren Niesen verursacht. Ihr Stengel ist eine Elle lang und aufrechtstehend; ihre Blüte ist von vielfarbiger Pracht wie der Regenbogen, daher auch der Name. Auch (die Schwertlilie) aus Pisidien wird sehr geschätzt. Will man sie ausgraben, giesst man drei Monate vorher Wassermet um sie herum, um gleichsam durch dieses Sühnemittel der Erde zu schmeicheln; hat man mit der Spitze eines Schwertes einen dreifachen Kreis um sie gezogen, hebt man sie, wenn man sie herausgenommen hat, sogleich zum Himmel empor. Sie ist von feuriger Natur und erzeugt beim Anfassen Blasen wie bei einer Verbrennung. Vor allem wird empfohlen, nur keusche Personen sollten sie sammeln. Nicht nur in trockenem Zustand, sondern bereits in der Erde ist sie sehr schnell dem Wurmfrass ausgesetzt. Das beste Irisöl wurde früher von Leukas und Elis bezogen – denn schon lange pflanzt man auch (die Schwertlilie) an – jetzt (bringt man es) aus Pamphylien; am meisten lobt man aber das aus Kilikien und den nördlichen Gegenden ... Über die wohlriechenden Blumen ist nun genug gesagt. Auf diesem Gebiet hat der Luxus, voll Freude, die Natur (im Wohlgeruch) der Salbe übertroffen zu haben, auch in der Kleidung zum Wettkampf aufgerufen, die sich durch ihre Farbe empfehlen ... Die rötliche Iris ist besser als die weisse. Es ist heilsam, sie den Kindern umzubinden, vor allem, wenn sie Zähne bekommen und Husten haben, oder den an Wurmbefall Leidenden einzuträufeln. Ihre übrigen Wirkungen unterscheiden sich nicht viel vom Honig. Sie reinigt Kopfgeschwüre, besonders alte Vereiterungen. In einer Dosis von zwei Drachmen mit Honig befördert sie als Trank den Stuhlgang, (ist gut) bei Husten, Bauchschmerzen und Blähungen, mit Essig für die Milz. Gegen Schlangen- und Spinnenbiss ist sie in Essigwasser wirksam; gegen Skorpione nimmt man zwei Drachmen an Gewicht in Brot oder Wasser; gegen Hundebisse legt man sie auf schmerzende Sehnen, auf Lenden und Hüften aber mit Harz. Ihre Wirkung ist erwärmend. Unter die Nase gehalten, bewirkt sie Niesen und reinigt den Kopf. Bei Kopfschmerzen legt man sie mit Quitten oder Sperlingsäpfeln auf. Auch den Rausch vertreibt sie und das schwere Atmen. In einer Dosis von zwei Obolen genommen, führt sie zum Erbrechen. Mit Honig aufgelegt, zieht sie Knochensplitter heraus. Ihr Mehl wendet man bei Niednägeln, mit Wein bei Hühneraugen und Warzen an und nimmt es drei Tage lang nicht ab. Wenn man sie kaut, vertreibt (die Iris) den üblen Mund- und Achselgeruch. Mit ihrem Saft erweicht sie alle Verhärtungen, bringt Schlaf, benimmt jedoch die Zeugungsfähigkeit. Risse am Gesäss, Feigwarzen und alle Auswüchse am Körper bringt sie zur Heilung. Einige nennen die wilde Iris «Schermesserblume» [xyris]. Diese zerteilt sowohl Skrofeln oder Drüsenschwellungen als auch Leistengeschwülste. Vorgeschrieben ist (dabei), dass man sie für diese Verwendung mit der linken Hand ausreisst und beim Einsammeln sagt, für wen und für welche Krankheit man sie herausnimmt. In diesem Zusammenhang solle auch der Betrug der Kräutersammler aufgedeckt werden: sie bewahren einen Teil der Pflanze sowie manch anderer Kräuter, z.B. des Wegerichs, auf, und, wenn sie glauben, zu wenig Lohn erhalten zu haben, suchen sie ein nochmaliges Geschäft und graben den Teil, den sie aufbewahrt haben, an der gleichen Stelle ein, um, wie ich glaube, die Krankheiten, die sie geheilt haben, wieder hervorzurufen ...
 
Die Iris im Mittelalter
 
Kaiser Ludwig der Fromme erwähnte in seinem «Capitulare de villis vel curtis imperialibus» für Aquitanien 794 oder 795 die Iris oder Schwertlilie als Heil- und Nutzpflanze, deren Anbau in den Gärten vorgeschrieben war. Diese «Kapitularien» waren in der Zeit der fränkischen Könige Sammlungen von Beschlüssen, die, in Abschnitte (capitula) gegliedert, auf den Reichstagen beraten und verabschiedet wurden und damit Gesetzeskraft erlangten. Bekannt ist die «Landgüterordnung» Karls des Grossen, «Capitulare de villis vel curtis imperii caroli magni».
 
Der Hortulus des Walahfrid Strabo
 
Ein ausführlicheres Zeugnis aus dem frühen Mittelalter finden wir im Hortulus des Walahfrid Strabo, welcher von 838 bis 849 Abt des damals blühenden Klosters auf der Reichenau war. Walahfrid Strabo war nicht nur Abt des Klosters, sondern auch ein leidenschaftlicher Gärtner, ein genauer Beobachter der Pflanzen, ein Dichter, Theologe und Diplomat. Sein Lehrgedicht zeichnet sich dadurch aus, dass er übernommenes antikes Wissen mit seinen eigenen empirisch gewonnenen Erkenntnissen kombinierte und die Pflanzen, die er in seinem Klostergarten zog, akribisch genau beobachtete. Ein schönes Beispiel ist die Schilderung der Kürbisranken:
 
... Dass kein tobender Sturmwind ihn loszureissen vermöge, Treibt er gleich viele Ranken hervor, wie er Knoten erzeuget, Und weil jede am Ende in doppelte Klammern sich gabelt, Packen sie rechts und links von allen Seiten die Stütze ...
 
Der Abt schildert hier in seinem Gedicht sehr genau, wie die Kürbispflanze an jeder Blattachsel (Knoten) ihre Ranken hervortreibt, mit denen sie sich überall, wo sie kann, festhält. Ein weiteres schönes Beispiel ist der Salbei, wo er die Beobachtung macht, dass der verblühte Stengel abstirbt und im Spätsommer von frischen basalen Trieben verdrängt wird:
 
... Aber sie trägt verderblichen Zwist in sich selbst: denn der Blumen Nachwuchs, hemmt man ihn nicht, vernichtet grausam den Stammtrieb, Lässt gierigem Neid die alten Zweige ersterben.
 
Wahrscheinlich ist in diesen Versen eine Anspielung auf seine diplomatischen Aufgaben verborgen. Die Söhne des Kaisers Ludwig des Frommen bekriegten sich gegenseitig und ihren Vater im Streit um die Aufteilung des Reiches. Walahfrid Strabo sollte in diplomatischer Mission die Söhne Ludwigs des Frommen wieder miteinander versöhnen und ertrank auf seiner diplomatischen Mission in der Loire. Der Abt liess auf seiner Reise nicht nur sein Leben, seine Mission war offenbar auch erfolglos, denn der endgültige Zerfall des Karolingischen Reiches liess sich bekanntlich nicht aufhalten. In seiner Schilderung der Iris, im Gedicht Gladiola genannt, preist er die Schönheit der purpurfarbenen Blüte, die im Frühsommer das «dunkelliebliche» Veilchen ablöst. Er erwähnt die medizinische Verwendung der Pflanze gegen Blasenleiden und weist auf den Gebrauch der Iriswurzeln in der Behandlung von Textilien hin. Er vergleicht die Iris in ihrer Farbenpracht mit der Hyazinthe. Hyakinthos, der Geliebte des Gottes Apollon, wurde bei einem sportlichen Wettkampf von dessen Diskusscheibe erschlagen. Aus dem Blute des so ums Leben gekommenen schönen geliebten Jünglings spross die duftende Hyazinthe Iris. Das Gedicht über die Iris ist hier in der deutschen Übersetzung und in Latein abgedruckt.
 
Schwertlilie
 
Nach dem Namen des Schwerts freischaffende Sprache gebildet. Du bescherst mir den Schmuck deiner purpurfarbenen Blüte Früh im Sommer an Stelle des dunkellieblichen Veilchens. Oder du gleichst der Hyazinth, der am Altar Apollos als Blume Wiedererstand, aus dem Tod des zarten Jünglings geboren Und an der Blüte Stirn seines Namens Zeichen verewigt. Deiner Wurzel getrocknete Stückchen lösen zerrieben Wir in flüssigem Wein, und der Blase grausame Schmerzen Dämpfen nicht minder wir trefflich mit diesem künstlichen Heiltrank. Du gibst dem Walker das Mittel, mit dem er das Leinengewebe Glänzend und steif appretiert und ihm Duft wie von Blumen verleihet.
 
Gladiola
 
Te neque transierim latiae cui libera linguae Nomine de gladii nomen facundia finxit. Tu mihi puprei progignis floris honorem, Prima aestate gerens violae jucunda nigellae Munera, vel quali mensa sub Apollinis alta Investis pueri pro morte recens yacincthus Exiit et floris signavit vertice nomen. Radicis ramenta tuae siccata fluenti Diluimuns contusa mero saevumque dolorem Vesicae premimus tali non secius arte. Pignore fullo tuo lini candentia texta Efficit, ut rigeant dulcesque imitentur odores.
 
Die Iris in mittelalterlichen Kräuterbüchern
 
Die Autoren der mittelalterlichen Kräuterbücher übernahmen im wesentlichen das Wissen der griechischen und römichen Autoren. Die folgenden Auszüge aus dem «Hortus Sanitatis Germanice», dem «New Kreutterbuch» von Hieronymus Bock und der «Historia plantarum» von Conrad Gessner verdeutlichen dies. Für den interessierten Iris-Freund ist besonders ein Vergleich des Textes von Plinius dem Älteren, der in seiner «Naturalis historia» das naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit zusammenfasste, mit den mittelalterlichen Beiträgen interessant. Diese sind bewusst in der originalen Sprache wiedergegeben, was die Lektüre nicht ganz einfach, dafür um so spannender macht. Ein besonderer Leckerbissen für den Iris-Freund ist die Beschreibung der Iris-Blüte («Von Himmelsschwertel oder Violwurtz») von Hieronymus Bock. Nach römischer Manier hat Hieronymus Bock das «u» und das «v» eingesetzt. Der Begriff «fast» ist im Sinne von «sehr» oder «fest» zu verstehen. Die um ca. 100 Jahre ältere Sprache des «Hortus Sanitatis Germanice» ist um einiges schwieriger zu lesen. Wenn der Leser die Texte einige Male aufmerksam durchgelesen hat und vor allem auch mit dem Bericht Plinius des Älteren verglichen hat, ist er verblüfft, wo diese Pflanze überall Verwendung fand. Sogar in der Imkerei wurde sie als Mittel zur Schwarmverhinderung angewendet. Interessant ist auch ein Vergleich der verschiedenen Darstellungen, die hier ebenfalls reproduziert sind. Am genauesten hat Conrad Gessner die Iris beobachtet und in seiner Zeichnung wiedergegeben.
 
Die Iris im «Hortus Sanitatis Germanice»
 
Über 800 Jahre nach dem Lehrgedicht des Walahfried Strabo entstand der «Hortus Sanitatis Germanice». Auch hier taucht die Iris auf. Das medizinische Werk aus dem Jahre 1485 greift wie alle anderen Bücher jener Zeit auf das Wissen der antiken Autoren zurück. Aus den Kapiteln über die Iris seien hier die folgenden, einigermassen verständlichen Passagen aufgeführt:
 
ACORUS Geel lilien Cap. IXX (Iris pseudacorus)
 
Jtem er spricht auch dass die wurtzel von den gelen lylien meen krafft in yne haben wan das krut oder blumen. Die wurtzel hait eyn scharffen geroche mit eyner kleynen bitterkeyt. Der meister Serapio in dem buch aggregatoris in dem capitel laeg oder Acorus spricht daz die bletter vo den gelen lilien synt glich den swerteln alleyn daz die vo den gelen lilien subtyler vnd breitter synt vnd mit wysser farbe gespitzet scharff glich eyne swert vnd hait eyn blume die ist gele glich dem saffran vnd die wurtzel ist glich bynoch als die swertlyn alleyn sye an eynander gehengt synt knodicht vnd kromp vnd haben usswerdig eyn rote farbe vnd eyn scharpfen geroche. Diascorides spricht daz der safft von der wurtzeln fast gut sy den augen und mache sye fast klare. Die wurtzel gesotten mit wasser vnd das gedruncken ist gut widder stranguiream das ist die den kalt seych haben. Also genutzet ist es fast gut pleureticis das ist eyn geswer vmd die brust.
 
wen gebissen hette ein slange der bruche diesser wurtzel in de dranck und in der koste er geneset zu hant. Das krut von den gelen lilien geleyt i eyne benen stog do viel benen in synt die been blyben darinne und geben keyn flocht. Der meister Platearius spricht der eyn böse lebber oder miltz hette, der neme eyn phunt gele lilien wurtzeln gestoissen vnd essig der gut vnd scharpff sy eyn halbe maysse und laiss die wurtzel dar in beyssen dry dage. Dar nach sal man die wurtzel mit de essig syeden also daz der essig halp in syede. Dar nach sal er den vsdrucken durch eyn duche vnd dan dar vnder mischen honig uff sess loit vnd aber syeden biss das der essig wol in sudet. Diss sal man alle morge drincken als lange das weret nochtern ess hilffe fast wol. Wer by yme dreyt die wurtzel der gewynet de blut gang nit dem selbigen thut auch der krampff nichts. Jtem gele lilien wurtzel hatt eyn verzerlich natuer vnd ist bestoppung der glidder lebber vnd miltz uff thun welche bestoppung von kelte komet. Jtem gele lilien wurtzel gelacht (gelegt) in wyn der wyn ist gut widder die vor geschrieben wethum lebber vnd miltz. Vnd ist auch gut widder die gelesucht. Vnd vor diss krangheyt ist diesser dranck gut also gemacht. Nym gele lilien wurtzel vnd hirtzzung vnd endivien vnd sussholz vnd körbiss samen oder kern mit wasser gesotten vnd durch geslagen vnd susse gemacht. Jtem gele lilien wurtzeln mit wyn gesotten ist gut widder wethum der muter so die frauwe dar uff sytzen ist. Jtem ist auch gut widder bestoppung der harnss gel lilien wurtzel mit wyn gesotten dar von dick mail genutzet AFFODILLUS goltwortz Cap. XX (Iris germanica, Iris variegata oder Iris pallida?) Affodillus latine Der meister Avicenna spricht daz goltwurtz habe bletter bynach als lauch un hait eine zymlichen stengel. Die wurtzel ist lang vnd runt vnd hait die meysst krafft in ir. Diss wurtzel ist heyss vnd drucken an de dritten gradt. Goltwurtz machet frolich do von gedruncken vnd ist durchdringen die feuchtikeit darumb machet sie wolharnen. Vnd ist auch nutz den frauwen zu irer blumen oder feüchtikeyt so sie bestoppet synt die mit warmen wyn gedruncken. Goltwurtz vnd alune (Alaun) gebrant vnd gepuluert vnd da mit gesmiert morfeam das ist ein böse rude der utzerzikeyt benympt sie an zwifel mit wenig honig vermenget. Goltwurtz gestossen vnd gemischet mit wyn hefen vnd geleyt uff die böesen geswer heylet sere. Eyn plaster gemacht von der wurtzeln vnd gerste mele y glichs glich viel vnd uff die heyssen geswer geleyt zuhet groiss hytz uss vnd offener und weycher. Also geleyt uff die zurknysten glidder heylet sere. Den safft von der wurtzeln warme gelatssen in die oren zucht uss den eyter. Der safft von der wurtzeln mit thurien vermenget ist gut den bösen flissenden augen usswendig darub gestrichen. Der safft gedruncken mit wyn mit zucker vermenget ist gut dem der da sere hustet. Platearius. Die wurtzel gemischet mit wyn heffen ist gut den swerende brüsten. Goltwurtz genutzet mit wyn nympt hyn yctericia das ist die gele sucht die do komet vo eyner kalte materien. Die blume mit wyn gemischet vnd gedruncken reiniget den magen. Die wurtzel gesotten mit wyn heffen vnd daruss gemacht eyn plaster vnd uff die manes dinger genant testiculi geleyt die vberzoge synt mit geswere heilet sere. Plinius spricht daz die wurtzel gesotten in wasser vnd das gedruncken weichet den buch. Den samen vnd auch die blomen in wyn geleyt vnd den gedrucken ist fast gut vor vergifft vnd ym mag kein slange noch scorpion geschaden des selben dages wan er do von gedruncken hait. Jtem wilde swertel wurtzel gepuluert uff unreyn wunden geleyt mit gebrant alun vermenget ist fule fleiss uz segen vns die selbe wurtzel mit wyn gesotten do mit unreyn wunden geweschen ist darzu besunder gut. Jtem wilde swertel safft vnd gunrebe safft zu samen vermenget warm in eyn ore gethan ist gut widder zene wethum. Jtem wilde swertel wurtzel mit stawurtzel in lauge gesotte darmit das heubt gezwagen ist gut widder das hare usfallen genannt alopicia.
 
Die Iris – eine Symbolblume der Mutter Gottes
 
Die Iris war nicht nur eine vielseitig verwendete Medizinal- und Nutzpflanze, sie spielte auch eine wichtige Rolle in der christlichen Symbolik. Sie taucht auf zahlreichen Marienbildern des Mittelalters auf. Während die Madonnenlilie, Lilium candidum, das Symbol für die unbefleckte Empfängnis ist, gilt die Iris eher als ein Attribut des fleischgewordenen Gottessohnes. Zugleich ist sie aber auch ein Symbol für Sieg, Eroberung und Heldentum, was auch im Namen «Schwertlilie» zum Ausdruck kommt. In Japan symbolisiert das schwertförmige Blatt die Tapferkeit und die purpurblaue Blüte der Iris ensata adeliges, blaues Blut, während sie in Europa ein oft verwendetes Symbol für Wappen ist. Die heilige Brigitta von Schweden (1303–1374) beschreibt die Pflanze in einer ihrer Offenbarungen folgendermassen:
 
... Liebet die Mutter der Barmherzigkeit! Sie ist gleich der Blume der Schwertlilie, deren Blatt zwei scharfe Kanten hat und in eine dünne Spitze ausläuft. An Höhe und Breite überragt die Schwertlilie die anderen Blumen. Obwohl in einem Tale wachsend, ragt sie doch über alle Höhen empor. Sie ist die Blume, die in Nazareth blühend, hoch über den Libanon sich ausbreitet. Ihre Höhe reicht über alles empor; denn die hochgebenedeite Königin des Himmels übertrifft an Würde und Macht jede Kreatur. Wie das Blatt der Schwertlilie hatte auch Maria zwei sehr scharfe Schneiden, d.i. die Schmerzen des Herzens über das Leiden ihres Sohnes und die standhafte Abwehr gegen alle List und Gewalt des Teufels. Darum hatte Simeon so wahr geweissagt, dass ein Schwert durch ihre Seele dringen werde. Denn sie hatte in ihrem Herzen ebenso vielmal die scharfe Schneide dieses Schwertes zu empfinden, als sie im Geiste die Wunden und Peinen ihres Sohnes im voraus erblickte und deren Augenzeuge sie bei der Passion ihres Sohnes auch leiblicher Weise war. ... Wie das Blatt der Schwertlilie, so besass auch Maria eine sehr feine Spitze, d.i. Ihre Demut, durch welche sie dem Engel so sehr gefiel, als sie nur eine Magd sich nannte, obwohl sie zur Herrin der Engel und Menschen erkoren war. ...
 
Die Iris bei Conrad Gessner
 
Conrad Gessner hat sich in seinem Werk «Historia plantarum», das er leider nicht vollenden konnte, ebenfalls intensiv mit der Iris auseinandergesetzt. Über die Gartenschwertlilien schreibt er:
 
Blaw Iris (Iris communis)
 
Die gemeine Iris bringt keinen Samen hervor. Wenn man sie auch anderswo wild antrifft, so dürfte es sich dabei, wie ich glaube, um die grössere wilde Lilie (Iris sylvestris major) handeln. Es werden ja nicht nur in einer Blüte der einen Art verschiedene Farben gefunden, sondern auch in ganz verschiedenen Blüten verschiedener Arten beinahe die gleichen Farben, nämlich, wenn ich mich nicht täusche, jene, die im Regenbogen vorhanden sind.
 
Interessant ist, dass Gessner dabei feststellt, dass die Formen der Iris germanica, die bekanntlich verschiedene unfruchtbare Hybriden sind, keine Samen ansetzen. Interessanter als seine Darstellung der Garten-Iris ist diejenige der Iris pseudacorus, unserer Gelben Sumpfschwertlilie (Tafel XII). Der Name «pseudacorus» rührt daher, dass die mittelalterlichen Apotheker anstelle des echten Kalmus (Acorus calmus L.), der im subtropischen und tropischen Asien vorkommt, die Wurzel unserer einheimischen Sumpfschwertlilie verwendeten. Matthiolus bezeichnete die Pflanze denn auch als «Gelb Wasserlilie – Pseudacorum». Die zeitgenössischen, eher ungenauen Darstellungen dieser Pflanze von Matthiolus, Fuchs, Dodoens und Hieronymus Bock wurden von der Illustration Gessners weit übertroffen. Da er die qualitativ schlechten Arbeiten seiner Zeitgenossen kannte, schrieb er stolz zu seiner eigenen Studie:
 
«Acorus vulgaris, melius quam M. Aut alii pinxerint»
 
«Gemeiner Acorus, besser als Mattiolusi oder andere ihn abgebildet haben.»
 
Die Darstellung ist in der Tat ein Meisterwerk genauer Pflanzenbeobachtung und -darstellung jener Zeit. Schön sind die beiden jungen Bereicherungstriebe links und rechts des Blütentriebes dargestellt, die im folgenden Jahr zur Blüte gelangen werden. Etwas zu kurz gekommen ist allerdings die Verzweigung des Rhizomes. Diese hat hingegen Hieronymus Bock in seinem «New Kreutterbuch» besser dargestellt. Die Hängeblätter der Blüte scheinen etwas zu kurz und ein wenig zu sehr abgerundet herausgekommen zu sein. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass innerhalb einer Pflanzenspezies die Blüten ein recht breites Spektrum an Farben und Formen aufweisen können. Vermutlich hat Gessner hier einfach eine spezielle Pflanze aus einem grossen Bestand von Iris pseudacorus dargestellt. Besonders schön hat Gessner bei seiner Illustration die braunen Saftmale, die Domblätter und die Narbenschenkel festgehalten. Ganz hervorragend hat der Zürcher Stadtarzt und Botaniker die Samenstände der Pflanze wiedergegeben. Man erkennt deutlich, dass sich die Früchte in der Mitte der drei Fächer öffnen, in welchen in je zwei Zeilen zahlreiche abgeplattete, auf der einen Seite konkavgrubige Samen wie zu Geldrollen aufgereiht sind.
 
Die Iris bei Hieronymus Bock
 
Hieronymus Bock, den Vater der Pflanzenbeschreibung, müssen wir in unserem Heft nicht mehr näher vorstellen. Er hat sich mit den Iris in seinem «New Kreutterbuch» eingehend befasst. In vier Kapiteln beschreibt er folgende Arten: Iris pseudacorus, Iris sibirica, Iris variegata und Iris germanica. Als «Welsch Schwertel» führt er an einem anderen Platz in seinem Werk Iris foetidus.
 
Von Gälen1 vnd Blawen2 Schwertlen
 
Under alle Schwertel blumen bringet inn vnserem Land jhrer keine samen / aussgescheiden die gäle1 / welche jhre wohnung im Wasser / oder nahe darbey / als in den feuchten Wysen vnd Wasser gestaden / sucht. Jhre wurtzeln verkriechen sich als die rohte Naterwurtz Bistorta / vberzwerch hin vnd her / vber einander mit vilen angehenckten zäselen / ist jnnwendig roht Leibfarb / am geschmack sehr herbe / als der Eychelen / stosst järlich andere newe Augen wie dz Liesskraut / darauss werden lange schöne Schwertel bletter gegen der Wurtzel etwann rohtbraun geferbt. Jn dem Meyen / dringen durch gemelte Schwertel bletter / glatte runde vnd hole stengel / die bringen jhre gäle Gilgen. Jn jeder Blumen seind die drey erste bletter vndersich gebogen / dargegen wachsen drey andere bletter vbersich / schmäler dann die vndersten / wann nun gedachte Blumen aussfallen / folgen dicke vnd dreyeckete schotten hernach / die seind jnnwendig mit gälem breitem samen aussgefüllet / ein jedes Korn als ein zerdruckte Wicken oder Kechern anzusehe / am geschmack vnfreundlich.
 
Dise blawen Schwertel2 wachsen mit wurtzelen / langen Schwert blettern vnd runden stengeln / ganz gleich den gälen gilgen / aber sie seind ganz Purpur blaw. Ein jede Blum hat auch sechs bletter / drey vndersich gebogen / vnd drey vber sich gestreckt / ein jede gilg gleich kugelecht zusamen verfügt / fallen ohn samen in vnserem land ab. Solche Schwertel blumen zielet man in den Gärten / wachsen etwann auff den mauren vnnd Strodächern der Häuser / dahin sie die alten Weiber gemeinlich pflantzen. Werden auch mit weissen Lilien3 bey vns erzogen. Der gelben zielet man eine bey vns / deren hangende blettlein mit braunen strichen / vberzwerch durchzogen seind. Jtem ein braune deren vbersich stehende blettlein bleich oder Leberfarb erscheinen. Zieren sonsten die Lustgärtlein noch mit vil andern frembden Lilie / fürnemlich den gar kleinen / von farbe weiss / blaw / gälb / dick vnd liecht blaw / gleichen mit den blettern den gemeine Schwerteln / seind doch kürtzer4.
 
Von den Namen.
 
Unsere Meister wollen Acorus Dioscoridis. lib. I cap. II. sey gäl wasser Lilien / oder Schwertel / mich wundert das sie nicht blaw Schwertel durchs Acoron verstehen / dieweil die beschreibung Acori gschickter zu der blawen / dann zu der gälen sich reimet. Aber was ligt uns an eins jeden meinung? Zwar es reumet sich die beschreibung zu keiner unser Schwertel / weder mit den blettern / welche kleiner seind dann Jridis / so riechen unsere Schwertel gar nicht / inn sonderheit die gälen. Darumb wollen wir mit dem hochgelehrten Manardo Ferzariensi das Acorum Calumus teutschen5 / den wir tätlich im brauch haben / vnd nicht den frembden Calmus / von welchem Dioscorides auch lib. I cap. XVII. schreibet / welcher köstlicher Calmus zu vns noch zur zeit nicht kommen / wollen doch hiemit seiner meinung niemandts beraubt haben ein jeder halt was er wolle / sie heisst auch Drachenwurtz bei etlichen.
 
Aber von der blawen vnd gälen Schwertel sagen wir also / dieweil gedachte blumen beide sampt / einerley wurtzel / stengel / bletter vnd blumen tragen / auch einerley geschmack haben / achten wir sie als Geschwistert / ohn angesehen das eine gäl / die ander blaw Gilgen tragen / und schreiben sie beide vnder das Capitel Xyris in Dioscoridis lib. IIII. cap. XXIIII. da er spricht / Xyris sey sylvestris Jris / wild Violwurtz / zu Latin auch gladiolus / von etlichen Cactos vnd Aprus geheissen.
 
Jst aber jemands der blaw Schwertel vnder das Capitel Xiphion will setzen / mit dem wollen wir nicht streitten / doch von Xiphion hernach. Die alten Heiden haben zwar auch vil superstitiones mit dieser wurtzel getriben / wie Plinius zum theil anzeiget lib. XXI cap. X. das lassen wir auch fallen.
 
Von der Krafft und Würckung.
 
Die gäle Schwertel werden selten in den leib gebrauchet / etliche pflegen auss den blumen wasser zu destillieren / für den heissen schwertzen der augen. Andere machen ein Latwergen von der Wurtzel zum stein. Aber die blawen Schwertel werden zu diser zeit / im leib und auch zu eusserlichen schmertzen vast gelobt / seind einer warmen und ausstreibenden druckenen natur. Die wurtzeln aber der gälen astringieren. Bekommen dem Magen besser / dann die frembde Galgant / erhalt die eingepflanzte wörme.
 
Innerlich.
 
Das wasser von den blawen Gilgen gebrandt / und getruncken / ist nutz für allerhand gifft / für die hitzige Febres / zur zeit der Pestilentz / für die entzündte Leber / vnd für das hitzig seitten geschwär / genandt Pleurisis.
Die wurtzel von den blawen Schwerteln / inn Wein gesotten vn getruncken / treibet auss die wassersucht / Frawen blödigkeit / den Lendenstein / vn wehret dem dröpffelichten harne. Ein wasser aus den wurtzeln distilliert / und zum tag drey oder vier mal getruncken / auff drey löffel voll / ist anmütiger / aber ausszutreiben nicht so krefftig zu obgemelten Presten.
Das wasser stähts gedruncken / eröffnet die Leber / erweichet vnd reiniget die Brust / die Lungen / stillet den schmertzen des Miltz / der Mütter / benimpt das Bauchwehe / vnd laxieret den selben. Die Wurtzel aber von den gälen Schwerteln in Wein gesotten vnd gedruncken stopffet den täglichen Bauchfluss / miltert den schmertzen der Blasen vnd der Hüfft / vnd dienet zu allerhandt Blutflüssen.
 
Eusserlich.
 
Die gebrandte Wasser von den gilgen vnd den wurtzeln / sein nutz zu allerhand Flecken der Augen / abendts vnd morgens des darein gethan
 
Düchlein in disem Wasser genetzet vnd vbergelegt / drucket nider alle Geschwulst leschet die Hitz. Ein edel bewert wasser zu den hitzigen Geschwären der Frawen Brust un heimlichkeit / für den Krebs / für den presten Noli me tangere / un für alle schädliche Biss der gifftigen Thieren / darmit gewäschen vnd düchlein darinn genetzt / un stäts vbergelegt.
 
Das Wasser dienet wol zu allerley Flecken / Schlieren vnd Zittermäler vnder den Augen darmit gewaschen / vnd von jhm selbs lassen drucken werden.
 
Die Wurtzel zerstossen von den blawen Schwerteln / mit Weyrauch vnd Wein vermenget / Pflasters weiss vbergelegt / zeucht auss die Dorn / Spreissen / vnd Bein auss den Wunden / Gemelte pflaster weiss vbergelegt / fordert die verstandenen blumen der Weiber solche krafft schreibet Dioscorides der obersten Wurtzel zu / so vber andern wachsen vber die Erden. Andere Superstitiones diser Wurtzel lassen wir bleiben.
 
Das Lilien zu vnderschiedlicher zeit blühen / solt du im Früling / eine wurtzel zwölf finger dieff / die ander acht / vier / vnd also fortan in die Erden eingraben / so bringt je vor der andern jhre Lilien.
 
1 Gemeint ist an dieser Stelle Iris pseudacorus. 2 Bock beschreibt hier wahrscheinlich die Iris germanica. 3 Unter «weissen Lilien» ist wahrscheinlich die weisse Iris florentina zu verstehen. 4 Der Beschreibung nach könnte er hier verschiedene Formen der Iris pumila gemeint haben, die in den damaligen Gärten sicher schon kultiviert wurden. 5 Da der echte Acorus calamus aus den Tropen in Deutschland praktisch nicht verfügbar war, griffen die damaligen Apotheker auf unsere Gelbe Sumpfschwertlilie zurück, die offenbar dem erwähnten Acorus calamus sehr ähnlich sein muss.
 
Von klein blaw Schwertel.
 
Auff etlichen feuchten Awen / auff dem Rheinstrom zwischen Wormbs unnd Oppenheim / hab ich ein gantzes blaw schwertel1 geschlecht funden / deren blumen seind schier wasserfarb / mit blaw vermenget / ein jede blum gewinnet nicht vber drei blettlein vndersich gebogen / mit kraut / blettern / stengel vnd wurtzel der Viol wurtz ähnlich / aber vast kleiner / schmäler / vnnd spitziger mit den blettern / gewinnet seinen samen in dreiecketen engen schöttlein / gleich wie die gälen Schwertel.
Nahe bey Strassburg / vnd dem Dorf Eschaw auff den Wysen am Rhein / wachset noch ein ander schön Schwertel2. Dessen kraut ist nichts anders als ein breiter Wasen von vnzalbarem langem Riedtgrass / vnd kleinen zasechte würtzlein / auss denselbige wachsst ein langer gründer stengel / der tregt gemeiniglich drey oder vier Lilien / daran seind die drey blettlein / so herab hangen / liechtblau oder braun / mit dickbraunen Linien durchzogen. An gemelten orten wurt auch der schön Gladiolus3 gesehen / tregt schöne blutrohte geöffnete zertheilte glocke / je eine vber der andern der länge nach / die wenden sich alle auff ein seit / schleifft auss einer zwibelchten wurtzel. Aber das kleine Schwertlein wurt in Gärten erzogen / dessen kraut gleichet den andern droben gesetzten geschlecht / seine Blumen stehen vnden an der Wurtzel.
 
Von den namen.
 
Auss allen Schwert kreutern und Blumen weiss ich kein Gewächs / das sich herzlicher schicket vnder das klein Gladiolum oder Xiphion / als eben das angezeigt wild klein Schwertelkraut / wer nun will / der mags mit mir darfür halten.
 
Von der Krafft vnd Würckung.
 
Was von der blawn Schwertelen gemedt ist / soll von diser auch verstanden werden / insonderheit aber die wurtzel einer aussziehenden krafft / mit Weyrauch vnd Wein zerstossen vnd vbergeschlagen.
Das Gladioli kraut gedörrt puluerisiert / vnd mit Wein eingenommen/ zeucht die Schiffern der Bein auss den Wunden / fürnemlich des Haupts. Die scholet von der wurtzel zerstossen / vnd mit halb Wein vnd Wasser warm eingeben / lindert die schmerzen der Blasen / vnd fürdert den Harn.
Unsere einheimische Iris sibirica 2 Wahrscheinlich ist damit Iris graminea gemeint (sehr schmales Laub und tief liegende Blüten). 3 Der Beschreibung nach könnte es sich um Gladilus imbricatus, den Wiesensiegwurz, oder um Gladiolus palustris, den Sumpfsiegwurz, handeln, die beide in diesem Gebiet vorkommen.
 
Von Himmel Schwertel oder Violwurtz1.
 
Violwurtzel ist das edelst vnd fürnembste Schwertel geschlecht / seine kriechende und vber einand geschrenckte wurtzel / seind vil mehr vber der erden / dann darunder / nemlich also / die wurtzeln ligen fast bloss auff dem grund / die kleine zasechte wurtzeln aber / die an der rechten weissen wurtzel hange / seind vndersich gekrochen / daselbst hencken sie sich allenthalb an den Grunde / von welchem die oberste jhre nahrung und krafft empfangen / gegen dem Meyen wann die Schwertel bletter gewachsen seind / dringen die runden stengel mit ihren langen spitzigen blumen Knöpffen mitte durch die Schwertbletter / so bald die knöpff auffgehen / erscheinen die Gilge viler farben / zum ersten seind die drey Haupt vnd gröste bletter der blume vndersich gebogen / ausswendig von farben grüngäl vnd liechtbraun durch einander vermenget / durchauss mit gantz braunen äderlein vnderzogen. Jnnwendig seind gerürte bletter an den spitzen satt Purpurbraun / aber mit weissen vnd Leberfarben strömlein gemahlet / das mittelst jnnwendig solcher bletter seind gäle harechte augbrawen. Das ander theil an jeder blumen / sein widerumb drey bletter / die stehen nicht wie die ersten vndersich / sonder den ersten gantz zu wider / vbersich vnd auffgericht / rund als ein kugel zusamen gevogen / schön wasserfarb / zu braunweiss vnd gäl geneigt / als ein widerschein vertheilet. Mitten jnnwendig der gantzen Blumen werden zum drittenmal drey schmaler kurtzer bletter gesehen / von farben gemalet / als der Regenbogen im Himmel / also das ein jede Gilg neun bletter vnd neunerley farben hat. Wann gemelte Gilgen blumen / welche fast lieblich vnd sehr wohl riechen / anfahen zu verwelcken und abzufallen / hab ich nie kein frucht oder samen darnach mögen finden / vnd ist solche Schwertel zwar nicht allenthalben ohn pflantzung zu finden. Ich hab weit vnd breit / hin und wider mein tag im Teutschland gereiset / aber gemelte wurtzel oder Gilg nie von ihr selber ohn pflantzung wachsen befunden / aussgenommen inn dem hohen Gebürg jhenseit dem Ydar / in der Graffschafft Veldentz / und nemlich nicht fern vom Schloss Veldentz / auff einem hohen und grasechten Berg / inn der Wildtnuss von ihr selber wachsen2 / hab sie auch daselbst auss gegraben / mit mir geführt / und inn meinen Garten gewehnet. Das ist aber auch war / gemeldte wurtzel sein nicht halb so satt vber einander gedrungen / als die Genueser / riechen auch nicht so krefftig / wiewol sie auch eines hitzigen geschmacks seind auff der Zungen / daher inn solchen sachen der Landschafft jederseits vil nach zu geben / gleich wie ein Kron das ander / ein Weyssen den andern / vnd jhe ein Wein den andern vbertrifft / also ubertreffen auch ein Kraut und Wurtzel die andere / nach dem ein jedes Erdrich seiner art nach hat mögen ertragen / mit würckung der Himmlischen Jnfluentzen.
 
Von den Namen.
 
Obwohl angezeigte vnsere wolriechende Schwertel blumen vnd wurtzel nicht die recht vnd best Iris (welche wir täglich im brauch haben) ist / noch sein kan / so ist sie doch derselbigen Schwester / mit gestallt / art und tugendt / darumb gehört sie nicht vnbillich under das erste Capitel Dioscoridis. lib. I. Was ligt aber daran / das vnser Teutsch Jris nit Jillirica heisst / wer wills uns verargen / das wir sie Jrin Germanicam / das ist / Teutsch Violwurtz nennen / mag auch wol Vrania Celestis / Hieris Consecratrix vnd Gladiolus / das ist Himmel Schwertel heissen / Doscorides lib. I vnd Aegineta lib. III nennen sie Jlliridam / oder Jlliricam / Thalyden / Catheronta / Nar / Thauastu admirabilem / Opertriten vnd radicem Mariacam / auff Teutsch Himmelschwertel.
Von der Krafft und Würckung.
Hie haben wir das best geschlecht der Schwerteln / zu vilen Presten in Leib vnd Eusserlich zu brauchen vast nützlich. Jhr art und qualitet ist zu erwärmen / zu drücknen und zu Resoluieren geneigt. Man soll sie im anfang des Frühlings grabe / so man will das sie riechen soll / vnd folgends im Schatten dörren.
Jnnerlich.
Was von den blawen Schwertlein geschriben / das soll vollkommenlicher / von gegenwertiger Viol wurtzel verstanden werden. Und in summa Violwurtzel gepuluert / vnd mit Honig eingenommen / oder zerschnitten / vnd in Wein gesotten und getruncken / reiniget die brust / zertheilet vnd machet dünn den zähen Koder / machet ausswerffen / wehret dem husten / reiniget die Lung.
Violwurtzel zu puluer gestossen / und 7 quinten mit Honig wasser gedruncken / purgiert und reiniget den Magen vnd das Haupt / treibet auss die zähen Gallen / auch die kalte Phlegmatische feuchte / dauon Febres und Gälsucht entspringen. Violwurtzel in Wein gesotten vnd warm gedruncken / stillet das Bauchgrimmen / ist nutz und gut getruncken / denen so den natürlichen Samen nicht können behalten / wehret auch dem Frost vnd schütten des kalten Wehethumbs in der stund getruncken / so man des kalten Frosts erwarte ist.
Gemelter Wein von Violwurtz getruncken / bringet gute ruhe / machet schlaffen / eröffnet das Miltz / beweget der Frawen blödigkeit.
Die wurtzel inn Essig gesotten und getruncken / ist nutz und gut für alle gifftige Biss der Schlangen / dann es treibet solcher Dranck das gifft vom Hertzen.
Violwurtz mit Hirschzungen kraut / oder Tamariseen steudlein / gesotten und getruncken / bekommet wol den Miltzsüchtigen.
Welche mit dem Hüfftweh geladen sein / denen mag man inn einem Clystier die brü eingiessen / darinne dise wurtzel gesotten ist. Auch pflasters weiss vberlegen.
Die Weiber geben auch das puluer von der Viol wurtz ein wenig auff den Brey gestrewet / den Kindern / welche von wegen des Reissens im Leib stehts schreien.
Viol Wurtzel zerstossen vnd den safft darauss gedruckt / denselben mit Zucker / vnd ein wenig Jindianischer Spicken abbereit / ist nützlich den Wasersüchtigen / alle vier tag ein mal ein znnliche Eyerschal voll / morgens Milch warm eingedrunckt / offter oder weniger / nach gelegenheit der Personen / ist gut für die Wassersüchtigen / führet die böse feuchtigkeit durch den Stulgang.
Ein gute Latwerg für die Wassersucht / die mach also. Violsafft 3 quintlein / Galgan / Ziittwen jedes ein halb loht / Zimmetrinden / Nägelein / jedes ein halb quintlein / Soldanella ein halb loht. Diss alles durch einager gestossen zu puluer / temperiers mit geleuttertem Honig zu einer Latwergen / brauch morgens nüchtern alle tag auff eins loht schwer.
Eusserlich.
Nicht wol müglich ist alle tugendt diser wurtzel zu beschreiben / doch inn einer summa daruon zu reden / so ist es ein heilsame wurtzel zu allerley Schaden / gepuluert und darein gesähet / reiniget die wunden / vnd machet fleisch wachsen / sonderlich wann sie mit Honig vermenget würt / dienet wol zum Krebs / Fistel Wolff / und andern schäden an heimlichen enden. / Mit öly ubergeschlagen / heilet die schädlichen Hundts biss.
Dise wurtzel weich gesotten / vnd pflasters weis ubergelegzt / zertheilet alle Knollen / Beulen vnd den Kropff. Ein Pflaster daruon mit Schweinem Schmer vnd chamillen öl gemacht / erweichts vnd zeittigets behend.
Gestossen Viol wurtz mit Honig vnd wenig Niesswurtzel temperiert vnd angestrichen / vertreibet Rysamen / Flecken vnd alle missfarb vnder dem Angesicht. Solches thut auch das gebrandt Wasser dauon / vertreibet auch den alten Weibern die Runzeln im Antlitz / oder min Bonen Mäl vermischt.
Dise wurtzel mag zu allerhand Bähung der krancken Mütter / zu erweichen genommen werden. Jtem zu der Clystierung / zu Salben / Zäpfflein / vn wie es ein jeden für gut ansicht.
Die wurtzel in Wein gehenckt / gibt dem Wein ein lieblichen geruch vnd geschmack. Die wurtzel in Bier gehencket / behalt ihn süss.
Die Becker wissen mit diser wurtzel ein gute Heffen zusetzen / zum weissen Brodt.
Viol wurtz sampt Essig vnd Rosenöly gemenget / mit einem Düchlein vber die stirn geschlagen / lindert das Hauptwehe. Den saft durch die Naslöcher an sich gezogen.
Viol wurtz mit Hartz vermenget / auff ein Leder gestrichen / vnd vber gelegt / benimpt den schmertzen / der Flachs oder Sennadern / Lenden vnd Hüfften. Zertheilt die Geschwulst der selbigen / mit Mangolt vnd Kolsafft / oder Wein / Honig vnd Chamillen vbergelegt.
Viol wurtz vnder die Kleider in Kasten gelegt / bewahret sie vor Motten und Schaben / vnd gibt ihnen einen guten geruch.
Viol wurtz öly / zeittigt / zertheiltet vnd machet dünn / lindert das Zipperlein / vnd Podagram / den Krampff / die Ohren / vnd aller Glyder schmerzen / so sich von Kälte / Schleim vnd Winden erheben.
Viol wurtzel / wann sie dürr gekewet / macht ein guten Athem / vnd ist gut für Zahnwehe / des gleichen thut sie auch wann sie gesotten vnd warm im Mund gehalten. Zertheilet also genützt den Schnaupen.
Hieronymus Bock beschreibt hier meisterhaft eine Form der Iris variegata. Allerdings scheint es sich nicht um eine reine Art zu handeln, sondern um eine Naturhybride, die in den Gärten gezogen wurde, da sie keinen Samen ansetzte und Bock auch angibt, dass sie «nie von ihr selber ohn pflantzung wachsen befunden» in freier Natur vorkommt. 2 Hier hat Hieronymus Bock eine echte Iris variegata in freier Natur beschrieben.
Der grosse Tournefort beschrieb die Iris folgendermassen in seinem Werk:
 
INSTITUTIONES REI HERBARIAE
 
G e n u s III. Iris. Flambe.
I r i s est plantae genus, flore A liliaceo, monopetalo, ad exortum veluti infundibuliformi B & in partes sex ampliato, quarum tres 2, 3, 4, sursum; tres verò 1, 5, 6, deorsum spectant. Pistillum C è fundo floris furgit tribus petalis instructum D, E, F, fornicatis, & partibus floris deorsum inflexis, ita incumbentibus ut palati cujusdam G speciem prae se ferant. Calyx autem H deinde abit in fructum oblongum I, K, O trifariam apice dehiscentem N, in tria loculamenta L, M divisum & seminibus foetum nunc subrotundis P, nunc planis Q. His notis addenda est radix carnosa, oblonga, repens & tunicis carens.
Die Iris ist eine Pflanzengattung mit einer lilienähnlichen Blüte A, einblütig. Dort, wo sich die Blütenblätter teilen, ist die Blüte gleichsam trichterförmig und erweitert sich in 6 Teile, von welchen drei, 2, 3, 4, aufwärts, drei aber, 1, 5, 6, abwärts schauen. Der Stempel C erhebt sich aus dem Grund der Blume, ausgestattet mit drei gewölbten Blättern, D, E, F, die sich mit den abwärts gebogenen Teilen der Blüte so legen, dass sie gewissermassen einen Gaumen G zeigen. Der Kelch H aber verwandelt sich dann in eine längliche Frucht I, K, O, die sich an der Spitze N dreifach in drei Klappen1 L, M spaltet und die mit bald rundlichen P, bald abgeplatteten Q Samen gefüllt sind. Diesen Merkmalen hinzuzufügen ist eine fleischige, längliche, frische hüllenlose Wurzel.
1 Klappen = Kammern der Fruchtkapsel der Iris
Insgesamt führt Tournefort 78 Iris-Arten an. Zählt man die verschiedenen Formen der Iris germanica und der Iris pumila, welche er als selbständige Arten führt, zusammen, so bleibt eine grosse Zahl von Spezies übrig, die der Botaniker Ende des 17. Jahrhunderts gekannt haben muss. So unterscheidet er schon die Iris alba Florentina von einer weiss blühenden Iris germanica. Anhand der Synonyme wäre es in einer langwierigen Arbeit gut möglich, herauszufinden, welche der aufgeführten Pflanzen echte Wildarten und welche damalige Gartenformen sind. Die drei folgenden Illustrationen Tourneforts sind Meisterwerke der wissenschaftlichen Pflanzendarstellungen ihrer Zeit und korrespondieren mit der oben abgedruckten Beschreibung der Iris. Der interessierte Leser vergleiche und studiere den Text und die Kupferstiche Tourneforts.
 
 

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