Iris – ideale Partner der Päonien

Historische Schwertlilien
Dr. Milan Blazek (CR)

Fragen rund um
die Iris germanica
Dr. Milan Blazek (CR)

Aus den Anfängen
der Iris-Züchtung

Susanne Weber (D)

Züchterportraits
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Pflanzung und Pflege
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
England
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich I
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland II
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich II
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA II
Susanne Weber (D)

Schwertlilien
Karl Foerster (D)
Die Iris-Sammlung
in Brüglingen

Susanne Weber (D)
Leben mit Gartenblumen und ohne sie
Karl Foerster (D)

Im Zeichen der Iris – von der Götterbotin zur Werbeträgerin
Dr. Iris Burgdorfer (CH)

Iridaceen Irisgewächse Die Iris aus anthropo-sophischer Sicht
Werner Simonis, (D)
Mit Götterbotin durch
die Jahrhunderte

Walter Good, (CH)
     
                                                          Gallerie Historischer Iris
                                                          
Walter Good (CH)

Aus den Anfängen der Iris-Züchtung
Susanne Weber, Laufen
 
Die ersten Varietäten
John Gerarde (1545–1612) war in London als Masterchirurg tätig und während langer Zeit verantwortlich für den berühmten Garten in Theobalds/Herts. 1597 gab er sein «Gerardes Herball» heraus. Darin beschrieb er viele Iris-Arten und stellte fest, dass manche gross sind, andere klein und niedrig. Bei manchen duften die Wurzeln besonders gut, bei andern wiederum gar nicht. Manche haben nur eine Farbe, andere dagegen haben viele Farben. Einige haben knollige Wurzeln, andere Zwiebeln. Einige der von Gerarde beschriebenen Iris haben Blätter wie Fahnen, andere dagegen grasartiges oder schilfartiges Laub. Zur selben Zeit beschrieb Carolus Clusius, Charles de Lecluse, ein französischer Arzt und Botaniker, der von 1526 bis 1609 lebte, 28 Varietäten der grossen Bartiris und bemerkte dazu:
«... Eine lange Erfahrung hat mich gelehrt, dass Iris, aus Samen gezogen,
in wunderbarer Art variieren.»

Nur wenige Jahre später berichtete François van Ravelingen in einer holländischen Ausgabe des berühmten Herbals von Dodonaeus von 19 möglichen Variationen der Domblätter und 18 Variationen der Hängeblätter und dazu 74 möglichen anderen Veränderungen an Blüten, Stengeln, Blättern sowie Wurzeln. Daraus kann man schliessen, dass viele verschiedene «Sorten» schon damals mit Hilfe der Bienen in den Gärten entstanden.

Jean Pitton de Tournefort, der Vorläufer Carl von Linnés, beschrieb in seinem Werk «Institutiones Rei Herbariae» 78 Iris-Arten, wobei er nicht zwischen Wildarten und in den Gärten entstandenen Varietäten unterschied.

E. H. Krelage in Haarlem, Holland – die berühmte Blumenzwiebelfirma existierte von 1811 bis 1919 –, hatte 1874 ein riesiges Iris-Sortiment, alles unbenamte verschiedene Sämlinge.

In Deutschland, in Neuenkirchen in Mecklenburg, interessierte sich E. v. Berg, 1782–1855, für Iris. Er beschrieb sie und gab ihnen z.T. lateinische Namen, aber er verbreitete sie nicht.

Gleichzeitig registrierte De Bure in Paris viele Iris, auch er gab ihnen lateinische Namen. 1822 nannte er eine Plicata ‘Buriensis' und brachte diese in den Handel. Es gibt nur wenige Aufzeichnungen über die Elternsorten der zahlreichen Sämlinge, die er zwischen 1825 und 1830 heranzog. De Bure ermutigte Monsieur Jacques, Iris zu ziehen und zu verkaufen. Jacques war Obergärtner der königlichen Domäne in Neuilly und damals einer der bekanntesten Gärtner Frankreichs. Von seinen Sämlingen ist ausser der gelb blühenden Sorte ‘Aurea' nichts bekannt, aber er konnte Monsieur Nicolas Lemon von der berühmten Baumschule in Belleville anregen, sich auf Iris zu spezialisieren und sie durch seinen Katalog zu verbreiten. 1840 waren es über hundert eigene Sorten, die durch sogenannte «open pollination», d.h. durch Bestäubung durch Bienen, entstanden. Diese Sorten trugen teils französische, teils lateinische Namen. Zu Ehren seines Freundes Jacques nannte er 1840 die schönste purpurbraune Sorte ‘Jacquesiana', und die beste blaue Plicata erhielt 1844 den Namen ‘Mme Chereau', nach der Gattin des Präsidenten der französischen Gartenbaugesellschaft. Beide Sorten stehen heute noch in der Iris-Sammlung in Brüglingen.

Iris florentina, Iris florentina coerulea, Iris kochii und Iris albicans, die Linné mit dem Sammelnamen Iris germanica versehen hatte, obwohl sie nicht aus Deutschland stammen, sondern aus den südeuropäischen Ländern kommen, setzen sehr selten Samen an. Da damals nur sehr wenige bartlose und Zwiebeliris bekannt waren, vermutet man, dass die Farbenvielfalt hauptsächlich der Kreuzung von zwei Arten zu verdanken ist. Die erste, die lavendelblaue Iris pallida, wächst in den italienischen Bergen, im Tirol, und ist nach Süden und Südosten bis zur Adria verbreitet. Die zweite, Iris variegata (mit gelbem Dom und braun gestreiften Hängeblättern), wächst in Ungarn und an vielen Stellen auf dem Balkan. An den Berghängen, wo beide Arten zusammen vorkommen, fand man viele Hybriden, von denen man annahm, dass es Arten seien und die deshalb von P. Barr, England, in Iris amoena, Iris neglecta, Iris plicata und Iris squalens eingeteilt wurden.

W. R. Dykes, welcher um die Jahrhundertwende in den Bergen Dalmatiens botanisierte, fand die beiden echten Arten Iris pallida und Iris variegata und dazwischen viele Hybriden. Um einen Beweis zu erhalten, gab er seinem Freund Bliss Pflanzen von beiden, um sie zu kreuzen und die Ergebnisse auszuwerten. In der ersten Generation erhielt Bliss Hybriden, die nicht von jenen am Wildstandort zu unterscheiden waren.

Sir Michael Foster, 1836–1907, genannt «Master of Iris», Physiker und Physiologe, hatte einen Lehrstuhl in London und Cambridge inne und konnte daher nie längere Reisen unternehmen. Aber er erhielt von Missionaren aus Kleinasien und Vorderasien Iris-Arten – es handelte sich dabei um tetraploide Arten, was man damals aber noch nicht wusste –, die nach ihren Fundorten benannt waren: Iris cypriana, Iris mesopotamica, Iris ricardi, Iris amasia. Foster kreuzte sie mit den Hybriden, die er aus Kreuzungen von Iris pallida und Iris variegata erhalten hatte und erzielte grossblumige Sorten mit neuen Farbkombinationen. Nach seinem Tode führte Robert Wallace einige der besten Kreuzungen ein: Iris ‘Caterina', 1909, Iris ‘Kashmir White', 1912, und Iris ‘Crusader', 1913. Er verkaufte viele Pflanzen in die USA, wo die Züchtung ungeachtet des Ersten Weltkrieges weiterging und die Amerikaner in einen wahren Irisrausch verfielen. Am 29. Januar 1920 wurde im Botanischen Garten New York die American Iris Society gegründet. Dort werden bis heute alle Neuzüchtungen weltweit registriert – ca. 900 bis 1200 Sorten jährlich!

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