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Nur wenige Jahre später
berichtete François van Ravelingen in einer holländischen
Ausgabe des berühmten Herbals von Dodonaeus von 19 möglichen Variationen
der Domblätter und 18 Variationen der Hängeblätter und dazu 74
möglichen anderen Veränderungen an Blüten, Stengeln, Blättern
sowie Wurzeln. Daraus kann man schliessen, dass viele verschiedene
«Sorten» schon damals mit Hilfe der Bienen in den Gärten entstanden.
Jean Pitton de Tournefort,
der Vorläufer Carl von Linnés, beschrieb in seinem Werk «Institutiones
Rei Herbariae» 78 Iris-Arten, wobei er nicht zwischen Wildarten
und in den Gärten entstandenen Varietäten unterschied.
E. H. Krelage in
Haarlem, Holland – die berühmte Blumenzwiebelfirma existierte
von 1811 bis 1919 –, hatte 1874 ein riesiges Iris-Sortiment, alles
unbenamte verschiedene Sämlinge.
In Deutschland, in
Neuenkirchen in Mecklenburg, interessierte sich E. v. Berg,
1782–1855, für Iris. Er beschrieb sie und gab ihnen z.T. lateinische
Namen, aber er verbreitete sie nicht.
Gleichzeitig registrierte
De Bure in Paris viele Iris, auch er gab ihnen lateinische
Namen. 1822 nannte er eine Plicata ‘Buriensis' und brachte diese
in den Handel. Es gibt nur wenige Aufzeichnungen über die Elternsorten
der zahlreichen Sämlinge, die er zwischen 1825 und 1830 heranzog.
De Bure ermutigte Monsieur Jacques, Iris zu ziehen und zu verkaufen.
Jacques war Obergärtner der königlichen Domäne in Neuilly und
damals einer der bekanntesten Gärtner Frankreichs. Von seinen
Sämlingen ist ausser der gelb blühenden Sorte ‘Aurea' nichts bekannt,
aber er konnte Monsieur Nicolas Lemon von der berühmten
Baumschule in Belleville anregen, sich auf Iris zu spezialisieren
und sie durch seinen Katalog zu verbreiten. 1840 waren es über
hundert eigene Sorten, die durch sogenannte «open pollination»,
d.h. durch Bestäubung durch Bienen, entstanden. Diese Sorten trugen
teils französische, teils lateinische Namen. Zu Ehren seines Freundes
Jacques nannte er 1840 die schönste purpurbraune Sorte ‘Jacquesiana',
und die beste blaue Plicata erhielt 1844 den Namen ‘Mme Chereau',
nach der Gattin des Präsidenten der französischen Gartenbaugesellschaft.
Beide Sorten stehen heute noch in der Iris-Sammlung in Brüglingen.
Iris florentina,
Iris florentina coerulea, Iris kochii und Iris albicans,
die Linné mit dem Sammelnamen Iris germanica versehen hatte,
obwohl sie nicht aus Deutschland stammen, sondern aus den südeuropäischen
Ländern kommen, setzen sehr selten Samen an. Da damals nur sehr
wenige bartlose und Zwiebeliris bekannt waren, vermutet man, dass
die Farbenvielfalt hauptsächlich der Kreuzung von zwei Arten zu
verdanken ist. Die erste, die lavendelblaue Iris pallida, wächst
in den italienischen Bergen, im Tirol, und ist nach Süden und
Südosten bis zur Adria verbreitet. Die zweite, Iris variegata
(mit gelbem Dom und braun gestreiften Hängeblättern), wächst in
Ungarn und an vielen Stellen auf dem Balkan. An den Berghängen,
wo beide Arten zusammen vorkommen, fand man viele Hybriden, von
denen man annahm, dass es Arten seien und die deshalb von P. Barr,
England, in Iris amoena, Iris neglecta, Iris plicata und
Iris squalens eingeteilt wurden.
W. R. Dykes,
welcher um die Jahrhundertwende in den Bergen Dalmatiens botanisierte,
fand die beiden echten Arten Iris pallida und Iris variegata
und dazwischen viele Hybriden. Um einen Beweis zu erhalten, gab
er seinem Freund Bliss Pflanzen von beiden, um sie zu kreuzen
und die Ergebnisse auszuwerten. In der ersten Generation erhielt
Bliss Hybriden, die nicht von jenen am Wildstandort zu unterscheiden
waren.
Sir Michael Foster,
1836–1907, genannt «Master of Iris», Physiker und Physiologe,
hatte einen Lehrstuhl in London und Cambridge inne und konnte
daher nie längere Reisen unternehmen. Aber er erhielt von Missionaren
aus Kleinasien und Vorderasien Iris-Arten – es handelte sich dabei
um tetraploide Arten, was man damals aber noch nicht wusste –,
die nach ihren Fundorten benannt waren: Iris cypriana, Iris
mesopotamica, Iris ricardi, Iris amasia. Foster kreuzte sie
mit den Hybriden, die er aus Kreuzungen von Iris pallida und Iris
variegata erhalten hatte und erzielte grossblumige Sorten mit
neuen Farbkombinationen. Nach seinem Tode führte Robert Wallace
einige der besten Kreuzungen ein: Iris ‘Caterina', 1909, Iris
‘Kashmir White', 1912, und Iris ‘Crusader', 1913. Er verkaufte
viele Pflanzen in die USA, wo die Züchtung ungeachtet des Ersten
Weltkrieges weiterging und die Amerikaner in einen wahren Irisrausch
verfielen. Am 29. Januar 1920 wurde im Botanischen Garten New
York die American Iris Society gegründet. Dort werden bis heute
alle Neuzüchtungen weltweit registriert – ca. 900 bis 1200 Sorten
jährlich!
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