| Porträts
von Züchtern Historischer Iris Susanne Weber, Laufen Die Wurzeln
der heutigen Iris-Zucht, die hauptsächlich in den USA, aber auch
wieder in Europa immer neue Ergebnisse hervorbringt, liegen in Europa
und hier vor allem in Frankreich, Deutschland und auch England.
Für die ernsthaften leidenschaftlichen Iris-Freunde, die nicht nur
den neuesten Erscheinungen in den Katalogen nachlaufen, ist ein
Blick auf die Entstehung der alten Sorten von zentraler Bedeutung,
da die Historischen Sorten, die bis zum Zweiten Weltkrieg entstanden
sind, die Basis der eindrucksvollen modernen amerikanischen Züchtungen
bilden. Die mit einem (*) versehenen Sorten sind in der Sammlung
der Historischen Iris im Botanischen Garten von Brüglingen zu besichtigen.
(W.G.) |
|
Frankreich
|
|
| Firma
Vilmorin-Andrieux (1745 bis heute) |
| |
| Diese Firma
war eine der grössten und bedeutendsten Samenfirmen der Welt. Es
wurde von ihr gesagt: |
| |
|
"Ohne
die Vilmorins gäbe es weniger Korn auf unseren Feldern, weniger
Zucker in unseren Rüben und weniger Blumen in unseren Gärten."
|
|
| Um 1900
wurde mit der Iriszüchtung begonnen, und ab 1905 organisierte die
Firma grosse Blumenausstellungen und zeigte ihre Neuheiten auf den
Veranstaltungen des "Comité de Floriculture de la Société Nationale
d'Horticulture de France", wo sie viele Auszeichnungen erhielt.
Zu den bekanntesten Sorten gehörten: |
|
| Iris 'Eldorado'*,
1910, |
|
die in einem
unbeschreiblichen Lilarosa mit Olivbraun blüht; |
|
| Iris 'Archevêque'*,
1911, |
|
eine kleinblumigere,
aber ungeheuer reich purpurviolett blühende Sorte, die sich sehr
lange gehalten hat; |
|
| Iris 'Opera'*,
1916, |
|
die violettrot
und viel grossblumiger blüht, aber nicht so wüchsig ist; |
|
| Iris 'Ballerine',
1920, |
|
eine in
einem zweitönigen Blau blühende grossblumige Sorte, die aber etwas
krankheitsanfällig ist |
|
| Iris 'Ambassadeur',
1920, |
|
die mit
ihrem rauchig violetten Dom Dom und den samtigen tiefvioletten,
fast waagrecht abstehenden Hängeblättern damals eine Sensation war.
Sie erhielt 1921 den A.M. der Royal Horticultural Society. |
|
| Im Winter
1950 war ich das erste Mal in Paris und stand tief beeindruckt vor
dem berühmten alten Laden am 4, Quai de la Mégisserie, ging hinein
und kaufte mir ein paar Samenpäckchen. |
| |
| Die Firma,
die bis heute existiert, beschäftigt sich aber seit dem Krieg nicht
mehr mit Iris. |
|
| Philippe
Victor Verdier (18031878) |
|
| Phillipe
Victor Verdier war der erste Gärtner in dieser Familie, welcher
Iris-Sämlinge auspflanzte. Sein Sohn Charles Verdier (18291893)
übernahm die Firma im Jahr 1866. Auch er vermehrte Iris und selektionierte
Sämlinge. Sein Sohn Eugène Verdier brachte 1910 die niedrige und
überaus reichblühende |
|
| Iris 'Parc
de Neuilly'*, 1910 |
|
welche
veilchenblau blüht, heraus eine Sorte, die sich sehr lange
gehalten hat. |
| |
|
|
| 1914 erschien
von ihm |
|
| Iris 'Prosper
Laugier'*,1914 |
|
die zweitonig
braunrot blüht. |
|
| Nach seinem
Tode übernahm die berühmte Firma Vilmorin-Andrieux seine Sämlinge
und züchtete damit weiter. |
|
| Nicolas
Lemon (18261895) |
| |
| Nicolas
Lemon war Gärtner in Belleville und einer der ersten, die sich intensiv
mit Aussaaten von Iris beschäftigten. Er bestäubte die Blüten aber
nicht selber dies überliess er den Bienen. Aber er schreibt,
dass er von Iris plicata, Iris sambucina, Iris squalens, Iris
pallida, Iris hungarica und Iris variegata Samen erntete.
Nach drei bis vier Jahren hatte er die verschiedensten Sämlinge
erzielt und suchte die farblich schönsten aus. In seiner Liste von
1845 finden wir schon 150 ganz verschiedene Sorten. Die berühmte
|
| |
| Iris
'Mme Chereau', 1844, |
|
eine Plicata,
die in Laufen heute noch vermehrt wird, ist eine davon, und sie
findet immer noch Bewunderer. |
| |
| 1840 schreibt
Lemon in seinem Katalog: |
|
|
«Ich
habe zahlreiche Sämlinge von dieser Art (Iris germanica) bekommen,
und ich habe ebenfalls eine grosse Menge sehr interessanter Varietäten
erhalten, welche ich kurz bekannt machen will, weil viele davon
die Aufmerksamkeit der Amateure verdienen, und fähig sind, eine
sehr malerische Wirkung zu erzielen, wenn man sie passend zusammenpflanzt.«
|
|
| Nicolas
Lemon war nicht nur ein Pionier der Iriszucht, auch die erste in
Europa durch Kreuzung entstandene Staudenpäonie, Paeonia lactiflora
'Edulis Superba' aus dem Jahre 1824 stammte aus seiner Gärtnerei
und ist heute noch im Handel. |
|
| Ets.
Cayeux |
|
| Aus der
Familie Cayeux, ursprünglich aus Vitry sur Seine stammend, heute
in Gien im Departement Loiret wohnhaft, kommen seit über 100 Jahren
bedeutende Gärtner und Züchterpersönlichkeiten. Ferdinand Cayeux,
18641948,
(Ets. Cayeux et Le Clerc) war ein be-geisterter Pflanzenzüchter
auf vielen Gebieten. So züchtete er z.B. Dahlien, Pyrethrum, Gladiolen,
Astern, Chrysanthemum maximum, Papaver, Phlox und zahlreiche Gemüsesorten,
vor allem aber auch Iris barbata. Er erhielt zwischen 1929 und 1939
zehnmal die höchste französische Auszeichnung, nämlich die französische
Dykes Medal, die seit dem Krieg leider nicht mehr vergeben wird. |
|
| 1928 besuchten
amerikanische Iriszüchter Cayeux, und Mrs. Pattison schrieb am Ende
eines Artikels über diese Reise: |
|
|
"Nachdem
ich mit Iris-Spezialisten und Amateuren, die ich in England und
Frankreich getroffen habe, gesprochen habe, glaube ich, dass die
allgemeine Ansicht gilt, dass Monsieur Cayeux der beste Züchter
der Welt ist."
|
|
| Im Bulletin
der Amerikanischen Iris-Gesellschaft, A.I.S., lesen wir 1939: |
|
|
"Monsieur
Ferdinand Cayeux had begun breeding Irises in a large way and
from 1924 on this firm has been probably the world greatest in
this work. An immense number of award winners have been produced,
and many of the best American varieties owe their success to the
"blood" of superbe Cayeux Irises.
|
|
| 1935 erhielt
Ferdinand Cayeux in England die Foster Memorial Plaque. In seinem
Betrieb wuchsen aber nicht nur seine eigenen Züchtungen, er kaufte
auch die besten neuen Iris in den USA, in England und Deutschland,
um sie mit seinen eigenen Züchtungen zu vergleichen und um mit ihnen
weiter zu züchten und sie in sein Verkaufssortiment aufzunehmen. |
|
| Der Zweite
Weltkrieg eine schmerzhafte Zäsur in der europäischen Pflanzenzucht
|
|
| Durch den
Zweiten Weltkrieg erlitten Züchtung und Anbau von Blumen in Europa
einen empfindlichen Rückschlag. Aber dem Sohn von Ferdinand Cayeux,
René Cayeux, 18961970,
gelang es, das Sortiment über den Krieg zu retten. Er züchtete keine
Iris, sondern war hauptsächlich im Samengeschäft tätig und spezialisierte
sich auf Dahlien. Von 1947 bis 1959 gab er zunächst Listen und illustrierte
Kataloge heraus. |
|
| Der wirkliche
Aufschwung und das Interesse an Iris begann 1960 unter seinem Sohn
Jean Cayeux, der den Betrieb nach Gien verlegte und ihn im Zeitraum
von dreissig Jahren von ¼ Hektare auf 20 Hektaren vergrösserte.
Jean Cayeux fing mit 19 Jahren an, Iris zu züchten, und brachte
schon 1945 hervorragende Sorten heraus, die auch in das europäische
Ausland und in die USA exportiert wurden, wo sie oft als Elternsorten
für die Weiterzucht verwendet wurden. |
|
| Seit 1990
hat Richard Cayeux, geb. 1958, der Sohn von Jean Cayeux, den Betrieb
übernommen, in dem er seit 1983 mit seinem Vater gearbeitet hat.
Hervorragend ausgebildet, mit der Erfahrung aus Generationen und
auf dem neuesten Wissensstand, ist er heute der erfolgreichste Iris-Züchter
in Europas, und sicher sind noch grosse Iris von ihm zu erwarten. |
|
| Ich hatte
in Laufen bei mehreren Besuchen Jean Cayeux kennen gelernt, welchen
freundschaftliche Kontakte und der Austausch mit Frau von Stein-Zeppelin
verbanden. Es waren immer interessante Gespräche. Besonders eindrucksvoll
war der Besuch in der Gärtnerei, wo Vater und Sohn uns die neuesten
Sämlinge zeigten: bleu-blanc-rouge, damals in Variationen. Seine
Frau ist eine charmante begabte Floristin. Ob wohl in der fünften
Generation von ihnen nie geahnte Iris gezüchtet werden? Hinweis
auf Hélène Martin |
|
| Millet
& Fils |
|
| Diese Firma
war spezialisiert auf Iris, Päonien und Veilchen. Seit 1924 führte
sie einen bebilderten Iriskatalog. Die sensationellste Züchtung
war 1914 |
|
| Iris 'Souvenir
de Mme Gaudicheau'*, 1914 |
|
eine grossblumige
violette Sorte. |
|
| Ebenfalls
1914 wurde die Sorte |
|
| Iris 'Corrida'*,
|
|
eine kleinblumige,
in einem reinen Hellblau sehr reich blühende Sorte registriert. |
|
| Diese
Sorte hat sich am längsten in den Staudenkatalogen gehalten, aber
leider waren viele falsche Iris 'Corrida' verbreitet, welche etwas
dunklere Hängeblätter aufweisen und nicht den Charme der echten
Pflanze haben. Später kam dann noch |
| |
| Iris 'Germaine
Perthuis', 1924, |
|
ein Kind
der Iris 'Souvenir de Mme. Gaudicheau', das in der selben Farbe
wie diese, aber mit einem leuchtend gelben Bart blüht. |
| |
| Die Firma
Millet erlosch 1938. |
|
|
|
| Dr. Marc
Simonet (18991966),
Paris und Villa Thuret, Cap d'Antibes |
|
| Dr. Marc
Simonet war Gartenbauingenieur, Vorsitzender des Forschungsinstitutes
in Versailles und während vieler Jahre Leiter des genetischen und
pathologischen Laboratoriums der Herren Vilmorin-Andrieux in Paris. |
|
| Marc Simonet,
in der Grossstadt Paris aufgewachsen, verbrachte als Kind lange
Ferien in Verrières-le-Buisson, wo er durch die Gärten Vilmorins
und Kontakte mit den dortigen Gärtnern die ersten Anstösse für seinen
späteren Beruf bekam. 1916 1922 erhielt er seine Ausbildung
an der Ecole Nationale Supérieure d'Horticulture in Versailles.
Er gewann ein Stipendium am Institut Pasteur, wo er sich besonders
für Genetik und Chromosomen interessierte und viele Kreuzungen machte,
hauptsächlich mit Getreide und Lein. Von 1923 bis 1931 war er Chef
des wissenschaftlichen Laboratoriums von Vilmorin. Dort lernte er
auch die Garteniris kennen. Die Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen
Chromosomenzahl und Riesenwuchs musste belegt werden. 1932 legte
er seine Iris-Monographie als Dissertation an der Sorbonne vor.
Von da an beschäftigte er sich vorwiegend mit der Gattung Iris auch
während seiner Tätigkeit am Centre National de Recherche Scientifique
in Versailles von 1931 bis 1936. In diesem Jahr ging er als Direktor
an das Centre de Recherche Agronomique de Provence in die Villa
Thuret in Antibes, wo er bis 1942 arbeitete. Durch seine Studien
über die Polyploidisierung mit Colchicin kam er wieder zu Vilmorin
als wissenschaftlicher Direktor. Ab 1948 arbeitete er wieder in
Versailles und machte cytologische Untersuchungen über Arten, Hybriden
und Gartenformen der Gattung Iris. Seine Liste über die Chromosomenzahlen
der verschiedenen Iris ist sehr aufschlussreich und wurde von der
Amerikanischen Iris-Gesellschaft übernommen. Dr. Peter Werckmeister,
Geisenheim, arbeitete mit Dr. Simonet zusammen, sie waren auch persönlich
befreundet. Die wertvollen Züchtungen Dr. Werckmeisters datieren
aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, ebenso sein wichtiges Werk,
der «Catalogus Iridis» von 1967. |
| |
Frankreich
|
|
| Amos
Perry, Perry's Hardy Plant Farm, Enfield, Middlesex |
|
|
Amos Perry, der den
Betrieb von Vater und Grossvater übernahm, welche Teilhaber bei
der Firma Ware & Tottenham waren und sich später selbständig machten,
war sehr aktiv in der Iris-Züchtung. Am intensivsten beschäftigte
er sich mit den bartlosen Iris, kreuzte zwischen weit entfernten
Arten und schuf so neue Sektionen. Bei den Bartiris kamen in den
Jahren 1916/17 viele neue Sorten in den Handel, welche als Elternsorten
vieler guter Sorten der 30er und 40er Jahre Verwendung fanden.
Von seinen Bartiris sind mir noch folgende Sorten in Erinnerung:
|
|
| Iris 'Her
Majesty', 1903 |
|
eine braunrot
blühende Iris |
|
| Iris 'Lady
Charles Allom'*, 1921 |
|
eine mittelblaue
Iris, die noch heute in Brüglingen steht. |
|
| Später züchtete
Perry auch noch Hemerocallis und Papaver orientale
und schrieb ein Werk über Wasserpflanzen sowie einen ausführlichen
Katalog über winterharte und exotische Farne. Er erhielt 1935 die
Victoria Medal. |
| |
| In den
USA schrieb 1939 Ethel A. Peckham, N.Y., über Perry's Hardy Plant
Farm: |
|
|
"One
of the most celebrated nurseries in the world"
|
|
| Peter
Barr (182 1909)
und Peter Rudolph Barr (18611935?), Barr & Sons, Covent Garden,
London |
|
| Peter Barr
gründete 1860 die Firma. Sein Vater, ein schottischer Mühlenbesitzer
und passionierter Gartenfreund, ermutigte ihn, das Gärtnerhandwerk
zu erlernen. Peter Barr war mehr als jeder andere verantwortlich
für die Verbreitung von Narzissen, und er hatte eine sehr gute Iris-Sammlung
französischer und deutscher Sorten. Er teilte sie ein in die Sektionen: |
| |
|
pallida
neglecta
variegata
squalens
amoena
|
| |
|
Diese Einteilung galt erst 1920 als überholt. Zwischen 1870 und
1880 führte er viele seiner eigenen Züchtungen, aber auch französische
Sorten, in England ein und verkaufte Pflanzen in die USA. Ausserdem
war er eine Autorität auf dem Gebiet der Helleborus und Primeln.
Er reiste viel, um Pflanzen zu sammeln, und eine seiner Weltreisen
dauerte sieben Jahre. |
|
| Sein Sohn
P. Rudolph Barr lernte in Holland speziell die Kultur von Zwiebelpflanzen,
einschliesslich vieler Arten aus Südafrika. 1878 trat er in den
väterlichen Betrieb ein und lernte dort alles über Iris, Päonien
und Helleborus und züchtete Narzissen. 1931 erhielt er die Victoria
Medal. 1930 musste er aus gesundheitlichen Gründen aus der Firma
ausscheiden, züchtete aber privat noch weiter. Die Englische Iris-Gesellschaft
verdankt ihm sehr viel, da er alle seine Unterlagen für die Checkliste
zur Verfügung stellte und selber daran mitarbeitete. |
|
| Arthur
John Bliss (18601931), Tavistock, Devon |
|
|
Bliss züchtete als
Amateur, jedoch mit wissenschaftlichem Hintergrund Iris, Gladiolen
und Narzissen. Dabei machte er immer genaue Aufzeichnungen und
hatte stets die Vision der Vervollkommnung vor Augen. Zu seinen
bekanntesten Iris-Züchtungen gehören
|
|
| Iris 'Susan
Bliss', 1922, |
|
lilarosa |
|
| Iris 'Romola',
1923, |
|
rosa gefärbter
Dom und rotviolette Hängeblätter mit braunem Schlund |
|
| Iris 'Princess
Osra'*, 1922, |
|
eine sehr
spät blühende weiss und hellblaue Plicata |
|
| Iris 'Mrs.
Valeri West', 1925, |
|
Dom lavendel
mit bronze, Hängeblätter karmesin-purpur |
|
| Iris 'Grace
Sturtevant'*, 1926, |
|
samtig-schokoladenbraun
mit gelbem Bart |
|
| Iris 'Senlac'*,
1929, |
|
maulbeerrot,
frühblühend |
|
| Seine Sorten
wurden von den Orpington Nurseries verkauft. |
|
| William
Rickatson Dykes (18771925) |
|
| W. R. Dykes
war Botaniker, Gärtner, Pflanzenzüchter und vor allem eine Autorität
auf dem Gebiet der Iris. Er führte die angefangene Arbeit von Sir
Michael Foster fort, und ihre gemeinsame Sammlung umfasste Arten
und Sorten aus aller Welt. Berühmt wurde sein Werk «The Genus
Iris» mit hervorragenden Zeichnungen von C. W. Johnson, die
im Garten von Dykes entstanden. Das Werk erschien 1913. Vor einigen
Jahren wurde es als Reprint wieder aufgelegt. Sicher ist manches
seither nomenklatorisch verändert worden, aber die Taxonomie der
Iris ist aufgebaut auf dieser Monographie. |
|
| Die Dykes
Memorial Medal die höchste Auszeichnung für eine Iris
|
|
| Die Dykes
Memorial Medal wird ihm zu Ehren noch heute in den USA und in England
an nur eine beste Sorte jährlich vergeben. Früher wurde diese Medaille
auch in Frankreich vergeben, seit dem Krieg aber nicht mehr. Leider
kam Dykes bei einem Autounfall ums Leben. Seine Witwe, Katherine
Dykes, führte seine Arbeit fort und züchtete selber auch. Tragischerweise
kam sie bei einem Eisenbahnunglück auf der Rückreise von der Chelsea
Flower Show 1933 ums Leben. |
|
| Die bedeutendsten
Züchtungen von W. R. Dykes sind: |
|
| Iris 'Goldcrest'*,
1914, |
|
leuchtend
blauviolett mit goldgelbem Bart, früh blühend |
|
| Iris 'Aphrodite',
1922, |
|
lilarosa,
gute Form und Substanz |
|
| Iris 'Harmony',
1923, |
|
einheitlich
tiefes Purpurblau, früh blühend |
|
|
Iris 'Wedgewood'*,
1923,
|
|
schönes Hellblau mit weissem Bar |
|
| Iris 'Moonlight'*,
1923, |
|
bernsteingelb,
starker Duft, sehr früh |
|
| Iris 'Amber'*,1924, |
|
mittelgrosse,
reingelbe Blüten, sehr wüchsig |
|
| Iris 'W.
R. Dykes', 1924, |
|
eine grossblumige
gelbe Sorte mit lila Flecken auf den Hängeblättern, die seine Frau
nach seinem Tode herausgab. |
|
| Von Katherine
Dykes sind: |
|
| Iris 'Joyance',
1929, |
|
cremeweiss,
spät blühend, erhielt 1929 die Dykes Medal |
|
| Iris 'Gudrun'*,
1930, |
|
schneeweisse,
grosse duftende Blüten mit schön senkrecht hängenden Hängeblättern
und einem gelben Bart, erhielt 1931 die Dykes Medal |
|
| Iris
'Susan Bliss', 1922, lilarosa |
|
|
|
| Iris
'Romola', 1923, rosa gefärbter Dom und rotviolette Hängeblätter
mit braunem Schlund |
|
|
|
| Iris
'Princess Osra'*, 1922, eine sehr spät blühende weiss und hellblaue
Plicata |
|
|
|
| Iris
'Mrs. Valeri West', 1925, Dom lavendel mit bronze, Hängeblätter
karmesin-purpur |
|
|
|
| Iris
'Grace Sturtevant'*, 1926, samtig-schokoladenbraun mit gelbem Bart |
|
|
|
| Iris
'Senlac'*, 1929, maulbeerrot, frühblühend |
|
|
|
| Olive
und Percy Murrel, Orpington Nurseries, Kent |
|
| Die Orpington
Nurseries der Murrels waren ganz auf Iris spezialisiert und haben
neben vielen eigenen Züchtungen auch jene von Bliss, Dykes, Pilkington,
Chadburn und Stern vertrieben. |
|
| Im Vorwort
zum Orpington-Katalog 1934 lesen wir im Hinblick auf die eigenen
Neuzüchtungen, dass diese 37 Namensorten aus vielen tausend Sämlingen
ausgesucht wurden, da sie alle reichblühend und gut verzweigt sind
sowie eine gute Substanz haben, um schlechte Wetterbedingungen zu
überstehen, und dass es nicht der Ehrgeiz der Züchter ist, Iris
mit abnormaler Höhe oder mit riesigen Blüten zu züchten, die im
englischen Klima so oft enttäuschen. |
|
| Von den
Murrell-Sorten sind mir einige noch in guter Erinnerung: |
|
| Iris 'Eveline
Benson'*, 1931, |
|
blüht in
einem schönen Orchideenrosa. |
|
| Iris 'Romance'*,
1928, |
|
war eine
auffallende Blend in rosiger Bronze mit Lila und Violett. |
|
| Iris 'Rose
Petal'*, 1929, |
|
blüht in
einem klaren Lilarosa und duftet gut. |
|
| Iris 'Snowdrift'*,
1929, |
|
ist eine
spät blühende weisse Sorte mit gelbem Bart. |
|
| Iris 'Sunbeam',
1927, |
|
ist eine
goldgelbe Intermedia, die wir jahrzehntelang vermehrt haben. |
|
| Die Murrels
waren bemüht, durch ihre Kreuzungen die Blütezeit der Iris auszudehnen,
sowohl nach vorne mit den Intermedia als auch durch die Züchtung
besonders spät blühender Sorten. |
|
|
Der Katalog der Firma
von 1934, eine Fundgrube verschollen geglaubter Sorten, ist hervorragend
gegliedert. Er enthält ca. 350 verschiedene Iris-Sorten. Ausser
den hohen Bartiris findet man ein kleines Sortiment von Zwergiris,
Iris sibirica, Iris ensata, verschiedene Wildarten und
ein Sortiment von Zwiebeliris. Am erstaunlichsten ist am Schluss
des Kataloges eine Seite mit über hundert Sorten, welche die Murrells
als überflüssig, minderwertig und unzuverlässig einstuften und
daher nicht empfahlen, aber auf Wunsch noch an interessierte Kunden
lieferten.
|
|
| Percy Murrel
war auch Gartenarchitekt und hat viel geschrieben. Beide waren sehr
aktiv in der Britischen Iris-Gesellschaft engagiert, und Mrs. Murrel
erhielt als erste Frau 1935 die Foster Memorial Plaque. Leider erlosch
die Firma nach dem Krieg. |
|
USA
|
|
| Bertrand
H. Farr (18631924) |
|
| Farr war
Besitzer eines Musikgeschäftes und Hobbygärtner. Er liess sich aus
England, Frankreich und Deutschland grosse Mengen verschiedener
Iris- und Päoniensorten kommen und war davon so begeistert, dass
er 1908 das Musikgeschäft in Iowa verkaufte und die Farr Nurseries
in Wyomissing gründete. Er soll bis zu seinem Tod ca. 1200 Iris-Sorten
gesammelt haben, und aus diesem Fundus waren natürlich gezielte
und vielversprechende Kreuzungen möglich. Ich erinnere mich vor
allem an: |
|
| Iris 'Rose
Unique'*, 1910, und |
|
|
|
| Iris 'Georgia',
1920, |
|
die beide
in einem klaren Lilarosa blühen. |
|
| Alten englischen
Katalogen kann man entnehmen, dass er ausser mit blauen Sorten und
Plicata vorwiegend in dieser Farbe erfolgreich war. |
|
| Farr war
acht Jahre lang Präsident der Amerikanischen Päonien-Gesellschaft
A.P.S. und von 1920 bis 1924 Direktor der Amerikanischen Iris-Gesellschaft
A.I.S. In den USA gilt er als der erste ernsthafte Iris-Züchter.
Nach seinem Tode spezialisierte sich der Betrieb mehr auf Gehölze
und Immergrüne, und es wurden keine Stauden mehr gezüchtet. |
|
| Grace
Sturtevant (18651947) |
|
| Miss G.
Sturtevant war die Tochter des Direktors der Versuchsstation Geneva,
N.Y., und illustrierte seine botanischen Studien. Seit 1894 sehr
an Gärten interessiert, begann sie 1909 Iris zu züchten und stellte
1915 zum ersten Mal ihre Züchtungen aus, wofür sie die Silbermedaille
der Gartenbaugesellschaft von Massachusetts und 1924 die Goldmedaille
erhielt. Sie richtete eine kleine Gärtnerei, die Glen Road Iris
Gardens, ein und war aktiv an der Gründung der Amerikanischen Iris-Gesellschaft
beteiligt. 1935 erhielt sie die Goldmedaille der A.I.S (American
Iris Society) und 1938 die Foster Memorial Plaque. Ihre bekanntesten
Züchtungen sind: |
|
| Iris 'Mother
of Pearl', 1917, |
|
zartes
Lavendelblau, grossblumig |
|
| Iris 'Shekinah',
1918, |
|
zitronengelb
mit dunkelgelbem Bart |
|
| Iris 'Airy
Dream'*, 1929, |
|
seidig
lilarosa, heller Bart |
|
| Der Engländer
Bliss taufte eine seiner Züchtungen ihr zu Ehren, nämlich die bereits
beschriebene schokoladebraune Iris 'Grace Sturtevant'. |
|
| Hans
Peter Sass (18681949) |
|
| Die Brüder
Sass, die in den USA zu den bedeutendsten Iris-Züchtern vor dem
Zweiten Weltkrieg zählten, wurden beide noch in Deutschland, in
Alt Duvenstedt, geboren. Hans Peter Sass verbrachte seine Jugend
dort, bis seine Eltern 1884 mit der Familie in die USA übersiedelten
und eine Farm bei Omaha in Nebraska übernahmen. Bis 1903 lebte er
dort als Farmer, dann erwarb er 80 Acres Land bei Washington, Nebraska,
und begann dort mit der Blumenzucht. Er beschäftigte sich sein Leben
lang mit Botanik, und die Schriften von Rev. C.S. Harrison lenkten
seine Aufmerksamkeit auf Päonien und Iris. Seit 1939 war er Besitzer
von Midwest Gardens Elkhorn. Er züchtete vor allem braungelbe Plicatas
und braunrote Sorten. Die Dykes-Medal erhielt er für die Sorte |
|
| Iris 'Rameses',
1929, |
|
die zweitonig
braunrot blüht. |
|
| Hans Peter
Sass selber hielt aber die folgende Sorte, die später an fast allen
Kreuzungen in dieser Farbe beteiligt war, für seine bedeutendste
Züchtung: |
|
| Iris 'King
Tut' *, 1926, |
|
Dom goldbraun,
Hängeblätter braunrot mit goldgelbem Bart |
|
| Jakob
Sass (18721945) |
|
| Jakob Sass,
der Bruder von Hans Peter Sass, wurde 1872 ebenfalls in Alt Duvenstedt
geboren. Er blieb nach der Auswanderung auf der Farm in Omaha und
züchtete seit 1901 dort Päonien und Iris. Seine ersten Iris-Sämlinge
blühten 1907, und es gelangen ihm ganz neue Farbkombinationen. Eine
berühmte Sorte, die uns nach dem Krieg sehr beeindruckte, ist leider
nicht mehr im Sortiment: |
|
| Iris 'The
Red Douglas', 1937, |
|
Dom braunrot,
Hängeblätter warmes Mahagonirot |
|
| Beide Brüder
beschäftigten sich intensiv mit der Züchtung herbstblühender (remontierender)
Sorten. Leider sind es nur ganz wenige, die hier in unserem Klima
im Herbst sicher ein zweites Mal blühen. |
|
| Edward
Bruce Williamson (18771933) |
|
| E. B. Williamson
lebte in Bluffton, IN, und war Banker und Naturforscher auf dem
Spezialgebiet der Libellen. Er lehrte an der Vanderbilt-Universität
und an der Universität in Michigan und erhielt viele Auszeichnungen. |
|
| 1906 begann
er Iris zu züchten und kreuzte verschiedene Arten, später hauptsächlich
Bartiris, die er vor allem nach guten Wuchseigenschaften bewertete.
Er gründete die Longfield Iris Farm, Bluffton, die alle seine Sämlinge
vertrieb. 1918 erschien: |
|
|
Iris 'Lent A. Williamson'*,
1918,
|
|
Dom dunkelblau,
Hängeblätter purpurviolett mit braunem Schlund, eine Sorte, die
als Meilenstein in der Züchtungsgeschichte gilt |
|
| Von 1920
bis 1928 war Paul Cook sein Partner, aber er schied aus, um mehr
Zeit für die Züchtungsarbeit zu haben. Nach E. B. Williamsons Tod
führte seine Tochter den Betrieb weiter und brachte bedeutende Sorten
ihres Vaters nach seinem Tode heraus, wie z.B. |
|
| Iris 'E.B.
Williamson', 1934, |
|
|
|
| Iris 'Sable'*,
(von Cook), 1934, dunkelviolett, gute Form, früh |
|
mittelbraunrot,
grossblütig |
|
| Iris 'Amigo'*,
1934, |
|
Dom lavendelfarben,
Hängeblätter veilchenblau samtig, gute Verzweigung |
|
| und zwei
Jahre später die unvergessene |
|
| Iris 'Wabash'*,
1936, |
|
Dom weiss,
Hängeblätter violett mit weissem Rand. |
|
| Sidney
B. Mitchell (18781952) und William Mohr (18711923) |
|
| S. B. Mitchell
war Direktor an der Universität in Berkeley für Bibliothekswissenschaft.
Er begann 1901 Iris zu züchten und liess sich die besten Sorten
aus Europa kommen, die er zu einer sehr grossen Sammlung vereinigte.
Er arbeitete zusammen mit William Mohr, einem leidenschaftlichen
Gärtner und Pflanzenzüchter deutscher Abstammung, der wissenschaftlich
vorging und genaue Aufzeichnungen machte. Ihm gelangen Kreuzungen
mit Iris oncocyclus, und die schönste und grossblumigste
Oncobred (Iris barbata x Iris oncocyclus) nannte Mitchell
nach dem Tode seines Freundes |
|
| Iris 'William
Mohr', 1923, |
|
Blend mit
Oncostreifen, eine Kreuzung zwischen der diploiden Plicata Iris
'Parisiana' und der Oncocyclus-Iris Iris gatesii. Eine Beschreibung
der Farbe war in der Literatur nicht zu finden. |
|
| Er übernahm
dessen ganze Sammlung und führte die Arbeit William Mohrs weiter. |
|
| Mitchell
begann 1919 mit dem Verkauf von Iris, übergab aber später das Geschäft
an Salbach, der ein grosses Sortiment kalifornischer Züchtungen
vertrieb und ebenfalls eine Oncobred züchtete, die berühmte |
|
| Iris 'Lady
Mohr', 1943, |
|
Dom silbergrau,
Hängeblätter beige mit rosa und grau. |
|
| Von Mohr-Mitchell
galten die folgenden beiden gelben Sorten lange Zeit als Standardsorten: |
|
| Iris 'California
Gold', 1933, gelb mit etwas braunen Adern, weiche Stiele |
|
|
|
| Iris 'Happy
Days', 1934, mittelgelb, früh |
|
|
|
| Beide Züchter
beschäftigten sich auch mit Narzissen und Primeln, Mohr auch noch
mit Weizen und Gerste. |
|
|
Mrs. Douglas Pattison
(18841939), Quality Garden, Freeport, Illinois
|
|
| Quality
Garden war eine der besten Iris-Sammlungen im mittleren Westen der
USA. Mrs. Pattison hatte grosse botanische Kenntnisse und klare
Ideale und Vorstellungen, wie gute Iris aussehen sollten. Sie schrieb
viel darüber und gab zwischen 1925 und 1938 hervorragend illustrierte
Kataloge heraus. Die Firma erlosch wohl 1939. Craig nannte eine
seiner Züchtungen nach dieser aussergewöhnlichen Frau. |
|
| Iris 'Mrs.
Douglas Pattison', 1950, |
|
hellblau,
am Schlund der Hängeblätter braun geadert, hoch |
|
| Edward
Oliver Essig (18841964) |
|
| E. O. Essig
war Professor für Insektenkunde an der Universität in Berkeley in
Kalifornien. Er verfasste ein berühmtes Werk, die "History of Entomology",
aber daneben war er ein begeisterter Amateurgärtner und Iris-Züchter,
der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeitete. Er züchtete
Sorten von bemerkenswerter Härte (in Kalifornien!) wie z.B. |
|
| Iris 'California
Blue', 1929, |
|
mittelblau,
früh |
|
| Iris 'Pale
Moonlight', 1931, |
|
sehr helles
Blau |
|
| Iris 'Sierra
Blue' *, 1932, |
|
mittelblau,
die 1935 die Dykes Medal erhielt, und |
|
| Iris 'Shining
Waters', 1933, |
|
mittelblau,
früh |
|
| Schreiners
Iris Gardens, heute Salem, Oregon F. X. Schreiner, (18771931) |
|
| F. X. Schreiner
sammelte in St. Paul, Minnesota, viele Iris, Päonien und Gladiolen.
1924 erschien seine erste Irisliste und 1928 ein Katalog, der eine
hervorragende Einteilung auch nach Farben enthielt. Er war von 1928
bis zu seinem Tod Vizepräsident der amerikanischen Iris-Gesellschaft
und hatte gute Verbindungen nach England und Deutschland sowie Frankreich
und liess 1912 viele Iris von dort zur Weiterzüchtung kommen. Ihm
folgten seine Söhne Robert Schreiner (geb. 1910) und Bernard Schreiner
(geb. 1919) sowie seine Tochter Constanze (geb. 1912) nach. Robert
Schreiner, dessen Frau Jeanette und die heutige Generation
drei Söhne, eine Tochter, zwei Schwiegertöchter und ein Schwiegersohn
alle in der Firma mitarbeiten, ist zur Zeit wohl weltweit
der grösste Iriszüchter mit einem Riesenpotential an Sämlingen und
Neuheiten und den meisten Dykes-Medaillen und anderen hohen Auszeichnungen.
Ende der 40er Jahre zog Robert Schreiner an den heutigen Standort
nach Salem in Oregon, wo die Familie 250 Acres, etwa 96 ha, Iris
bewirtschaftet. Der persönliche Kontakt zwischen der Familie Schreiner
und Frau von Stein-Zeppelin besteht seit den 30er Jahren, und so
war es für mich ein grosses Erlebnis, den Betrieb und die Familie
1994 zu sehen. |
|
| Cooleys
Iris Gardens, Silverton, Oregon |
|
| Die Familie
Cooley lebt seit über hundert Jahren in Silverton und ist eng mit
dem Ort und der Landschaft verbunden. |
|
| 1923 pflanzten
Rholin und Pauline Cooley die ersten Iris, die sie geschenkt bekamen.
Sie waren so begeistert, dass die Iris bald ein grosses Feld hinter
dem Haus füllten. 1928 kam der erste Iris-katalog heraus, und Rholin
Cooley vermehrte und verkaufte die Züchtungen von Dr. Kleinsorge,
der in Silverton als Physiker und Hobbygärtner lebte. |
|
| Der Betrieb
vergrösserte sich laufend, und heute ist Richard Ernst, der Enkel
der Gründer, ein anerkannter Züchter. Er leitet den riesigen Betrieb,
in dem er jährlich mehr als 7 Millionen Bartiris anbaut, mit seinen
Geschwistern und verkauft in die ganze Welt. Der Schaugarten und
die Sämlingsfelder sind hochinteressant, und ich hatte bei meinem
Besuch 1994 die Freude, von R. Ernst Cooley persönlich geführt zu
werden, und konnte seine Grossmutter Pauline noch ganz aktiv erleben. |
|
Deutschland
|
|
| Goos
& Koenmann, Niederwalluf am Rhein (18871951) |
|
| Zwei der
grössten Züchter auf dem Gebiet der Stauden des ausgehenden 19.
Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg waren in Deutschland sicher
die beiden Herren Goos und Koenemann. Da ich immer wieder fasziniert
bin von der Fülle ihrer Züchtungen auf verschiedenen Gebieten, bin
ich der Geschichte dieser Firma nachgegangen. |
|
| Am 1. Februar
1887 nahm Max Joseph Goos seinen Freund August Koenemann (geboren
1848), der bei ihm als Gehilfe gearbeitet hatte, als Teilhaber in
seine kleine Gärtnerei auf und gründete damit die Firma Goos & Koenemann. |
|
|
Max Joseph Goos wurde
am 12. Juni 1858 in Altona als Sohn eines Apothekers geboren.
Nach dem Einjährigen Examen war er von 1875 bis 1878 in der renommierten
Stuebenschen Handelsgärtnerei in Hamburg, die Landschaftsgärtnerei
und Topfpflanzenzucht betrieb. Nach dem Wehrdienst bei der Feldartillerie
ging er im Frühjahr 1880 nach Herrenhausen-Hannover, wo er im
weltberühmten Königlichen Garten erst als Volontär, später als
Gehilfe arbeitete und sich gute theoretische und praktische botanische
Pflanzenkenntnisse aneignen konnte. Um dazu Obstbaumzucht zu lernen,
arbeitete er ab 1881 in Bollweiler im Elsass in Baumschulen. Von
dort aus unternahm er eine längere Fussreise durch die Schweiz.
Ab Februar 1883 war Max Joseph Goos für ein Jahr in Praust bei
Danzig in der Baumschule von Rathke & Sohn. Von dort aus ging
er nach England und lernte in einer Stellung bei London die Anzucht
von Rhododendren, Azaleen, Koniferen und anderen Immergrünen.
Im Sommer 1884 schenkte ihm sein Vater eine grosse Studienreise
durch England und Schottland. Auf der Rückreise im Frühjahr 1885
blieb er in Chester, wo er seinen Freund August Koenemann kennenlernte.
Koenemann verliess Chester, um einem Bekannten, einem Landschaftsgärtner
in Niederwalluf, zu helfen. Diesem Betrieb fehlten die Mittel,
und so kaufte ihn Max Joseph Goos am 1. August 1885 mit ca. 1
ha Land und nahm seinen Freund nach anderthalb Jahren als Teilhaber
auf.
|
|
| Die beiden
Freunde arbeiteten unermüdlich am Aufbau des Betriebes. Sie vergrösserten
ihn laufend, und es wurde sehr gewissenhaft gezüchtet und die Ergebnisse
immer überprüft, ehe eine neue Sorte in den Handel kam. Auf Gartenbauausstellungen
wurden die neuen Sorten gezeigt. Die Zahl der Züchtungen von Goos
& Koenemann umfasste bis 1937 392 Sorten, und manche der Sorten
befinden sich noch heute im Handel. Ausser vielen Obstsorten
das Sortiment war für heutige Verhältnisse überwältigend
waren es Clematis, Päonien und viele Stauden, aber vor allem ein
grosses Sortiment an Bartiris. |
|
| Als ich
1947 die Lehre in Laufen antrat, waren die meisten Sorten noch mit
einer Pflanze über den Krieg gerettet worden und gelangten dann
später mit der Iris-Sammlung der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin
nach Brüglingen. Einige davon werden noch heute als anspruchslose
Massenblüher hier in Laufen kultiviert, da sie in feuchteren und
kälteren Gegenden noch nicht von neueren Züchtungen verdrängt worden
sind. |
|
| Leider starb
August Koenemann schon am 23. Mai 1910. Er hat die Firma auch nach
aussen hervorragend vertreten und während seiner Reisen nach England
und Amerika deutsche Züchtungen verbreitet und aus dem Ausland neue
Züchtungen nach Deutschland eingeführt. Alle Iriszüchtungen der
Firma sind in der amerikanischen Checkliste registriert. Inzwischen
war der Betrieb auf 32 ha angewachsen, und Max Joseph Goos fand
in Friedrich Bücher einen hervorragenden Geschäftsleiter, der von
1912 bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Firma leitete. |
|
| Die beiden
Söhne von Max Joseph Goos, die den Betrieb übernehmen sollten, lernten
beide Gartenbau, aber der jüngere fiel 1916 im Ersten Weltkrieg.
Sein Vater, der gesundheitlich schon stark angeschlagen war, überstand
diesen Schlag nicht und starb am 5. Februar 1917 mit 58 Jahren. |
|
| Hermann
Goos überlebte den Krieg, wenn auch stark geschwächt. Er studierte
in Bonn und Berlin und promovierte 1922 zum Doktor der Philosophie
und trat danach in die Firma ein. Friedrich Bücher schilderte ihn
als liebenswürdigen, heiteren, bei allen beliebten Mann, der aber
leider schon am 23. Februar 1933 starb. Seine Frau Lilli Goos, die
eine begeisterte Gärtnerin war und an die viele Kollegen sich noch
erinnern, überlebte ihn um mehr als sechzig Jahre. |
|
|
Herr Bücher schilderte
auch die grossen Schwierigkeiten, die nach dem Ersten Weltkrieg
auf die Firma zukamen. Niederwalluf gehörte zum französisch besetzten
Gebiet und durfte nur unter allergrössten Behinderungen nach dem
unbesetzten Deutschland "ausführen". Die Ausfuhr nach anderen
Ländern wurde konsequent verweigert. Friedrich Bücher hat sich
grosse Verdienste um die Firma erworben durch seinen unermüdlichen
Einsatz bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Er starb 1951 im Alter
von 78 Jahren, und im selben Jahr ging die Firma durch Verkauf
an die Erfurter Samenzucht.
|
|
| Der Katalog
der Firma Gräfin von Zeppelin enthielt im Jahre 1939 42 Irissorten
der Firma Goos & Koenemann von insgesamt 91 Sorten. Heute werden
noch einige Sorten vermehrt. In der Züchtung der neuen amerikanischen
Irissorten spielten viele Iriszüchtungen aus dem Hause Goos & Koenemann
eine grosse Rolle. |
|
| Georg
Arends (18631952) |
|
| schreibt
in seinem Buch "Mein Leben als Gärtner und Züchter" folgendes über
die Iris: |
|
|
"...
Angesichts der grossen Erfolge, die einige Züchter mit ihren neuen
Iris germanica-Sorten hatten, erschien es mir unzweckmässig, mich
auch noch damit zu befassen. Es fehlten mir auch Zeit und Platz.
Dass jedoch längst nicht alle Möglichkeiten in der Zucht immer
schönerer Varietäten ausgeschöpft waren, bewiesen die letzten
Jahrzehnte. In Deutschland war es vor allem die Firma Goos & Koenemann,
Niederwalluf, die eine Anzahl Aufsehen erregender Sorten herausbrachte,
welche zum Teil heute noch unübertroffen sind ...
...
Einige wenige Kreuzungen machte ich jedoch auch, um nach meiner
Ansicht Fehlendes zu erhalten. Aus einer Verbindung der mittelgross
blühenden, hell gelben Iris germanica 'aurea' mit der kleinblumigen,
dunkelgelben 'Mrs. Neubronner' erhielt ich die Sorte 'Kanaria'
(1939). Ein paar Sorten mit dunkelvioletten Hängeblättern und
weissem Dom ergaben die kontrastreiche 'Toelleturm' (1930) und
schliesslich erzog ich aus der Goos und Koenemannschen 'Iriskönig'
mit der alten 'Maori King' die Sorte 'Kupferhammer' (auch 1930)."
|
|
| Iris 'Kupferhammer'
ist immer noch im Sortiment der Gärtnerei Arends. |
|