Iris – ideale Partner der Päonien

Historische Schwertlilien
Dr. Milan Blazek (CR)

Fragen rund um
die Iris germanica
Dr. Milan Blazek (CR)

Aus den Anfängen
der Iris-Züchtung
Susanne Weber (D)

Züchterportraits
Historischer Iris

Susanne Weber (D)

Pflanzung und Pflege
Historischer Iris
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
England
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich I
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA I
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus Deutschland II
Susanne Weber (D)

Züchtungen aus
Frankreich II
Susanne Weber (D)

Züchtungen
aus den USA II
Susanne Weber (D)

Schwertlilien
Karl Foerster (D)
Die Iris-Sammlung
in Brüglingen

Susanne Weber (D)
Leben mit Gartenblumen und ohne sie
Karl Foerster (D)

Im Zeichen der Iris – von der Götterbotin zur Werbeträgerin
Dr. Iris Burgdorfer (CH)

Iridaceen Irisgewächse Die Iris aus anthropo-sophischer Sicht
Werner Simonis, (D)
Mit Götterbotin durch
die Jahrhunderte

Walter Good, (CH)
     
                                                          Gallerie Historischer Iris
                                                          
Walter Good (CH)

Züchterprotraits Historischer Iris
Susanne Weber, Laufen (D)

Porträts von Züchtern Historischer Iris Susanne Weber, Laufen Die Wurzeln der heutigen Iris-Zucht, die hauptsächlich in den USA, aber auch wieder in Europa immer neue Ergebnisse hervorbringt, liegen in Europa und hier vor allem in Frankreich, Deutschland und auch England. Für die ernsthaften leidenschaftlichen Iris-Freunde, die nicht nur den neuesten Erscheinungen in den Katalogen nachlaufen, ist ein Blick auf die Entstehung der alten Sorten von zentraler Bedeutung, da die Historischen Sorten, die bis zum Zweiten Weltkrieg entstanden sind, die Basis der eindrucksvollen modernen amerikanischen Züchtungen bilden. Die mit einem (*) versehenen Sorten sind in der Sammlung der Historischen Iris im Botanischen Garten von Brüglingen zu besichtigen. (W.G.)

Frankreich
Firma Vilmorin-Andrieux (1745 bis heute)
 
Diese Firma war eine der grössten und bedeutendsten Samenfirmen der Welt. Es wurde von ihr gesagt:
 
"Ohne die Vilmorins gäbe es weniger Korn auf unseren Feldern, weniger Zucker in unseren Rüben und weniger Blumen in unseren Gärten."
Um 1900 wurde mit der Iriszüchtung begonnen, und ab 1905 organisierte die Firma grosse Blumenausstellungen und zeigte ihre Neuheiten auf den Veranstaltungen des "Comité de Floriculture de la Société Nationale d'Horticulture de France", wo sie viele Auszeichnungen erhielt. Zu den bekanntesten Sorten gehörten:
Iris 'Eldorado'*, 1910,   die in einem unbeschreiblichen Lilarosa mit Olivbraun blüht;
Iris 'Archevêque'*, 1911,   eine kleinblumigere, aber ungeheuer reich purpurviolett blühende Sorte, die sich sehr lange gehalten hat;
Iris 'Opera'*, 1916,   die violettrot und viel grossblumiger blüht, aber nicht so wüchsig ist;
Iris 'Ballerine', 1920,   eine in einem zweitönigen Blau blühende grossblumige Sorte, die aber etwas krankheitsanfällig ist
Iris 'Ambassadeur', 1920,   die mit ihrem rauchig violetten Dom Dom und den samtigen tiefvioletten, fast waagrecht abstehenden Hängeblättern damals eine Sensation war. Sie erhielt 1921 den A.M. der Royal Horticultural Society.
Im Winter 1950 war ich das erste Mal in Paris und stand tief beeindruckt vor dem berühmten alten Laden am 4, Quai de la Mégisserie, ging hinein und kaufte mir ein paar Samenpäckchen.
 
Die Firma, die bis heute existiert, beschäftigt sich aber seit dem Krieg nicht mehr mit Iris.
Philippe Victor Verdier (18031878)
Phillipe Victor Verdier war der erste Gärtner in dieser Familie, welcher Iris-Sämlinge auspflanzte. Sein Sohn Charles Verdier (18291893) übernahm die Firma im Jahr 1866. Auch er vermehrte Iris und selektionierte Sämlinge. Sein Sohn Eugène Verdier brachte 1910 die niedrige und überaus reichblühende
Iris 'Parc de Neuilly'*, 1910   welche veilchenblau blüht, heraus – eine Sorte, die sich sehr lange gehalten hat.
     
1914 erschien von ihm
Iris 'Prosper Laugier'*,1914   die zweitonig braunrot blüht.
Nach seinem Tode übernahm die berühmte Firma Vilmorin-Andrieux seine Sämlinge und züchtete damit weiter.
Nicolas Lemon (18261895)
 
Nicolas Lemon war Gärtner in Belleville und einer der ersten, die sich intensiv mit Aussaaten von Iris beschäftigten. Er bestäubte die Blüten aber nicht selber – dies überliess er den Bienen. Aber er schreibt, dass er von Iris plicata, Iris sambucina, Iris squalens, Iris pallida, Iris hungarica und Iris variegata Samen erntete. Nach drei bis vier Jahren hatte er die verschiedensten Sämlinge erzielt und suchte die farblich schönsten aus. In seiner Liste von 1845 finden wir schon 150 ganz verschiedene Sorten. Die berühmte
 
Iris 'Mme Chereau', 1844,   eine Plicata, die in Laufen heute noch vermehrt wird, ist eine davon, und sie findet immer noch Bewunderer.
 
1840 schreibt Lemon in seinem Katalog:
«Ich habe zahlreiche Sämlinge von dieser Art (Iris germanica) bekommen, und ich habe ebenfalls eine grosse Menge sehr interessanter Varietäten erhalten, welche ich kurz bekannt machen will, weil viele davon die Aufmerksamkeit der Amateure verdienen, und fähig sind, eine sehr malerische Wirkung zu erzielen, wenn man sie passend zusammenpflanzt.«
Nicolas Lemon war nicht nur ein Pionier der Iriszucht, auch die erste in Europa durch Kreuzung entstandene Staudenpäonie, Paeonia lactiflora 'Edulis Superba' aus dem Jahre 1824 stammte aus seiner Gärtnerei und ist heute noch im Handel.
Ets. Cayeux
Aus der Familie Cayeux, ursprünglich aus Vitry sur Seine stammend, heute in Gien im Departement Loiret wohnhaft, kommen seit über 100 Jahren bedeutende Gärtner und Züchterpersönlichkeiten. Ferdinand Cayeux, 18641948, (Ets. Cayeux et Le Clerc) war ein be-geisterter Pflanzenzüchter auf vielen Gebieten. So züchtete er z.B. Dahlien, Pyrethrum, Gladiolen, Astern, Chrysanthemum maximum, Papaver, Phlox und zahlreiche Gemüsesorten, vor allem aber auch Iris barbata. Er erhielt zwischen 1929 und 1939 zehnmal die höchste französische Auszeichnung, nämlich die französische Dykes Medal, die seit dem Krieg leider nicht mehr vergeben wird.
1928 besuchten amerikanische Iriszüchter Cayeux, und Mrs. Pattison schrieb am Ende eines Artikels über diese Reise:
"Nachdem ich mit Iris-Spezialisten und Amateuren, die ich in England und Frankreich getroffen habe, gesprochen habe, glaube ich, dass die allgemeine Ansicht gilt, dass Monsieur Cayeux der beste Züchter der Welt ist."
Im Bulletin der Amerikanischen Iris-Gesellschaft, A.I.S., lesen wir 1939:

"Monsieur Ferdinand Cayeux had begun breeding Irises in a large way and from 1924 on this firm has been probably the world greatest in this work. An immense number of award winners have been produced, and many of the best American varieties owe their success to the "blood" of superbe Cayeux Irises.

1935 erhielt Ferdinand Cayeux in England die Foster Memorial Plaque. In seinem Betrieb wuchsen aber nicht nur seine eigenen Züchtungen, er kaufte auch die besten neuen Iris in den USA, in England und Deutschland, um sie mit seinen eigenen Züchtungen zu vergleichen und um mit ihnen weiter zu züchten und sie in sein Verkaufssortiment aufzunehmen.
Der Zweite Weltkrieg – eine schmerzhafte Zäsur in der europäischen Pflanzenzucht
Durch den Zweiten Weltkrieg erlitten Züchtung und Anbau von Blumen in Europa einen empfindlichen Rückschlag. Aber dem Sohn von Ferdinand Cayeux, René Cayeux, 18961970, gelang es, das Sortiment über den Krieg zu retten. Er züchtete keine Iris, sondern war hauptsächlich im Samengeschäft tätig und spezialisierte sich auf Dahlien. Von 1947 bis 1959 gab er zunächst Listen und illustrierte Kataloge heraus.
Der wirkliche Aufschwung und das Interesse an Iris begann 1960 unter seinem Sohn Jean Cayeux, der den Betrieb nach Gien verlegte und ihn im Zeitraum von dreissig Jahren von ¼ Hektare auf 20 Hektaren vergrösserte. Jean Cayeux fing mit 19 Jahren an, Iris zu züchten, und brachte schon 1945 hervorragende Sorten heraus, die auch in das europäische Ausland und in die USA exportiert wurden, wo sie oft als Elternsorten für die Weiterzucht verwendet wurden.
Seit 1990 hat Richard Cayeux, geb. 1958, der Sohn von Jean Cayeux, den Betrieb übernommen, in dem er seit 1983 mit seinem Vater gearbeitet hat. Hervorragend ausgebildet, mit der Erfahrung aus Generationen und auf dem neuesten Wissensstand, ist er heute der erfolgreichste Iris-Züchter in Europas, und sicher sind noch grosse Iris von ihm zu erwarten.
Ich hatte in Laufen bei mehreren Besuchen Jean Cayeux kennen gelernt, welchen freundschaftliche Kontakte und der Austausch mit Frau von Stein-Zeppelin verbanden. Es waren immer interessante Gespräche. Besonders eindrucksvoll war der Besuch in der Gärtnerei, wo Vater und Sohn uns die neuesten Sämlinge zeigten: bleu-blanc-rouge, damals in Variationen. Seine Frau ist eine charmante begabte Floristin. Ob wohl in der fünften Generation von ihnen nie geahnte Iris gezüchtet werden? Hinweis auf Hélène Martin
Millet & Fils
Diese Firma war spezialisiert auf Iris, Päonien und Veilchen. Seit 1924 führte sie einen bebilderten Iriskatalog. Die sensationellste Züchtung war 1914
Iris 'Souvenir de Mme Gaudicheau'*, 1914   eine grossblumige violette Sorte.
Ebenfalls 1914 wurde die Sorte
Iris 'Corrida'*,   eine kleinblumige, in einem reinen Hellblau sehr reich blühende Sorte registriert.
Diese Sorte hat sich am längsten in den Staudenkatalogen gehalten, aber leider waren viele falsche Iris 'Corrida' verbreitet, welche etwas dunklere Hängeblätter aufweisen und nicht den Charme der echten Pflanze haben. Später kam dann noch
 
Iris 'Germaine Perthuis', 1924,   ein Kind der Iris 'Souvenir de Mme. Gaudicheau', das in der selben Farbe wie diese, aber mit einem leuchtend gelben Bart blüht.
 
Die Firma Millet erlosch 1938.    
Dr. Marc Simonet (18991966), Paris und Villa Thuret, Cap d'Antibes
Dr. Marc Simonet war Gartenbauingenieur, Vorsitzender des Forschungsinstitutes in Versailles und während vieler Jahre Leiter des genetischen und pathologischen Laboratoriums der Herren Vilmorin-Andrieux in Paris.
Marc Simonet, in der Grossstadt Paris aufgewachsen, verbrachte als Kind lange Ferien in Verrières-le-Buisson, wo er durch die Gärten Vilmorins und Kontakte mit den dortigen Gärtnern die ersten Anstösse für seinen späteren Beruf bekam. 1916 –1922 erhielt er seine Ausbildung an der Ecole Nationale Supérieure d'Horticulture in Versailles. Er gewann ein Stipendium am Institut Pasteur, wo er sich besonders für Genetik und Chromosomen interessierte und viele Kreuzungen machte, hauptsächlich mit Getreide und Lein. Von 1923 bis 1931 war er Chef des wissenschaftlichen Laboratoriums von Vilmorin. Dort lernte er auch die Garteniris kennen. Die Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Chromosomenzahl und Riesenwuchs musste belegt werden. 1932 legte er seine Iris-Monographie als Dissertation an der Sorbonne vor. Von da an beschäftigte er sich vorwiegend mit der Gattung Iris auch während seiner Tätigkeit am Centre National de Recherche Scientifique in Versailles von 1931 bis 1936. In diesem Jahr ging er als Direktor an das Centre de Recherche Agronomique de Provence in die Villa Thuret in Antibes, wo er bis 1942 arbeitete. Durch seine Studien über die Polyploidisierung mit Colchicin kam er wieder zu Vilmorin als wissenschaftlicher Direktor. Ab 1948 arbeitete er wieder in Versailles und machte cytologische Untersuchungen über Arten, Hybriden und Gartenformen der Gattung Iris. Seine Liste über die Chromosomenzahlen der verschiedenen Iris ist sehr aufschlussreich und wurde von der Amerikanischen Iris-Gesellschaft übernommen. Dr. Peter Werckmeister, Geisenheim, arbeitete mit Dr. Simonet zusammen, sie waren auch persönlich befreundet. Die wertvollen Züchtungen Dr. Werckmeisters datieren aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, ebenso sein wichtiges Werk, der «Catalogus Iridis» von 1967.
 

Frankreich
Amos Perry, Perry's Hardy Plant Farm, Enfield, Middlesex

Amos Perry, der den Betrieb von Vater und Grossvater übernahm, welche Teilhaber bei der Firma Ware & Tottenham waren und sich später selbständig machten, war sehr aktiv in der Iris-Züchtung. Am intensivsten beschäftigte er sich mit den bartlosen Iris, kreuzte zwischen weit entfernten Arten und schuf so neue Sektionen. Bei den Bartiris kamen in den Jahren 1916/17 viele neue Sorten in den Handel, welche als Elternsorten vieler guter Sorten der 30er und 40er Jahre Verwendung fanden. Von seinen Bartiris sind mir noch folgende Sorten in Erinnerung:

Iris 'Her Majesty', 1903   eine braunrot blühende Iris
Iris 'Lady Charles Allom'*, 1921   eine mittelblaue Iris, die noch heute in Brüglingen steht.
Später züchtete Perry auch noch Hemerocallis und Papaver orientale und schrieb ein Werk über Wasserpflanzen sowie einen ausführlichen Katalog über winterharte und exotische Farne. Er erhielt 1935 die Victoria Medal.
 
In den USA schrieb 1939 Ethel A. Peckham, N.Y., über Perry's Hardy Plant Farm:
"One of the most celebrated nurseries in the world"
Peter Barr (182 1909) und Peter Rudolph Barr (1861–1935?), Barr & Sons, Covent Garden, London
Peter Barr gründete 1860 die Firma. Sein Vater, ein schottischer Mühlenbesitzer und passionierter Gartenfreund, ermutigte ihn, das Gärtnerhandwerk zu erlernen. Peter Barr war mehr als jeder andere verantwortlich für die Verbreitung von Narzissen, und er hatte eine sehr gute Iris-Sammlung französischer und deutscher Sorten. Er teilte sie ein in die Sektionen:
 
pallida                neglecta               variegata                squalens                amoena
 
Diese Einteilung galt erst 1920 als überholt. Zwischen 1870 und 1880 führte er viele seiner eigenen Züchtungen, aber auch französische Sorten, in England ein und verkaufte Pflanzen in die USA. Ausserdem war er eine Autorität auf dem Gebiet der Helleborus und Primeln. Er reiste viel, um Pflanzen zu sammeln, und eine seiner Weltreisen dauerte sieben Jahre.
Sein Sohn P. Rudolph Barr lernte in Holland speziell die Kultur von Zwiebelpflanzen, einschliesslich vieler Arten aus Südafrika. 1878 trat er in den väterlichen Betrieb ein und lernte dort alles über Iris, Päonien und Helleborus und züchtete Narzissen. 1931 erhielt er die Victoria Medal. 1930 musste er aus gesundheitlichen Gründen aus der Firma ausscheiden, züchtete aber privat noch weiter. Die Englische Iris-Gesellschaft verdankt ihm sehr viel, da er alle seine Unterlagen für die Checkliste zur Verfügung stellte und selber daran mitarbeitete.
Arthur John Bliss (1860–1931), Tavistock, Devon

Bliss züchtete als Amateur, jedoch mit wissenschaftlichem Hintergrund Iris, Gladiolen und Narzissen. Dabei machte er immer genaue Aufzeichnungen und hatte stets die Vision der Vervollkommnung vor Augen. Zu seinen bekanntesten Iris-Züchtungen gehören

Iris 'Susan Bliss', 1922,   lilarosa
Iris 'Romola', 1923,   rosa gefärbter Dom und rotviolette Hängeblätter mit braunem Schlund
Iris 'Princess Osra'*, 1922,   eine sehr spät blühende weiss und hellblaue Plicata
Iris 'Mrs. Valeri West', 1925,   Dom lavendel mit bronze, Hängeblätter karmesin-purpur
Iris 'Grace Sturtevant'*, 1926,   samtig-schokoladenbraun mit gelbem Bart
Iris 'Senlac'*, 1929,   maulbeerrot, frühblühend
Seine Sorten wurden von den Orpington Nurseries verkauft.
William Rickatson Dykes (1877–1925)
W. R. Dykes war Botaniker, Gärtner, Pflanzenzüchter und vor allem eine Autorität auf dem Gebiet der Iris. Er führte die angefangene Arbeit von Sir Michael Foster fort, und ihre gemeinsame Sammlung umfasste Arten und Sorten aus aller Welt. Berühmt wurde sein Werk «The Genus Iris» mit hervorragenden Zeichnungen von C. W. Johnson, die im Garten von Dykes entstanden. Das Werk erschien 1913. Vor einigen Jahren wurde es als Reprint wieder aufgelegt. Sicher ist manches seither nomenklatorisch verändert worden, aber die Taxonomie der Iris ist aufgebaut auf dieser Monographie.
Die Dykes Memorial Medal – die höchste Auszeichnung für eine Iris
Die Dykes Memorial Medal wird ihm zu Ehren noch heute in den USA und in England an nur eine beste Sorte jährlich vergeben. Früher wurde diese Medaille auch in Frankreich vergeben, seit dem Krieg aber nicht mehr. Leider kam Dykes bei einem Autounfall ums Leben. Seine Witwe, Katherine Dykes, führte seine Arbeit fort und züchtete selber auch. Tragischerweise kam sie bei einem Eisenbahnunglück auf der Rückreise von der Chelsea Flower Show 1933 ums Leben.
Die bedeutendsten Züchtungen von W. R. Dykes sind:
Iris 'Goldcrest'*, 1914,   leuchtend blauviolett mit goldgelbem Bart, früh blühend
Iris 'Aphrodite', 1922,   lilarosa, gute Form und Substanz
Iris 'Harmony', 1923,   einheitlich tiefes Purpurblau, früh blühend

Iris 'Wedgewood'*, 1923,

  schönes Hellblau mit weissem Bar
Iris 'Moonlight'*, 1923,   bernsteingelb, starker Duft, sehr früh
Iris 'Amber'*,1924,   mittelgrosse, reingelbe Blüten, sehr wüchsig
Iris 'W. R. Dykes', 1924,   eine grossblumige gelbe Sorte mit lila Flecken auf den Hängeblättern, die seine Frau nach seinem Tode herausgab.
Von Katherine Dykes sind:
Iris 'Joyance', 1929,   cremeweiss, spät blühend, erhielt 1929 die Dykes Medal
Iris 'Gudrun'*, 1930,   schneeweisse, grosse duftende Blüten mit schön senkrecht hängenden Hängeblättern und einem gelben Bart, erhielt 1931 die Dykes Medal
Iris 'Susan Bliss', 1922, lilarosa    
Iris 'Romola', 1923, rosa gefärbter Dom und rotviolette Hängeblätter mit braunem Schlund    
Iris 'Princess Osra'*, 1922, eine sehr spät blühende weiss und hellblaue Plicata    
Iris 'Mrs. Valeri West', 1925, Dom lavendel mit bronze, Hängeblätter karmesin-purpur    
Iris 'Grace Sturtevant'*, 1926, samtig-schokoladenbraun mit gelbem Bart    
Iris 'Senlac'*, 1929, maulbeerrot, frühblühend    
Olive und Percy Murrel, Orpington Nurseries, Kent
Die Orpington Nurseries der Murrels waren ganz auf Iris spezialisiert und haben neben vielen eigenen Züchtungen auch jene von Bliss, Dykes, Pilkington, Chadburn und Stern vertrieben.
Im Vorwort zum Orpington-Katalog 1934 lesen wir im Hinblick auf die eigenen Neuzüchtungen, dass diese 37 Namensorten aus vielen tausend Sämlingen ausgesucht wurden, da sie alle reichblühend und gut verzweigt sind sowie eine gute Substanz haben, um schlechte Wetterbedingungen zu überstehen, und dass es nicht der Ehrgeiz der Züchter ist, Iris mit abnormaler Höhe oder mit riesigen Blüten zu züchten, die im englischen Klima so oft enttäuschen.
Von den Murrell-Sorten sind mir einige noch in guter Erinnerung:
Iris 'Eveline Benson'*, 1931,   blüht in einem schönen Orchideenrosa.
Iris 'Romance'*, 1928,   war eine auffallende Blend in rosiger Bronze mit Lila und Violett.
Iris 'Rose Petal'*, 1929,   blüht in einem klaren Lilarosa und duftet gut.
Iris 'Snowdrift'*, 1929,   ist eine spät blühende weisse Sorte mit gelbem Bart.
Iris 'Sunbeam', 1927,   ist eine goldgelbe Intermedia, die wir jahrzehntelang vermehrt haben.
Die Murrels waren bemüht, durch ihre Kreuzungen die Blütezeit der Iris auszudehnen, sowohl nach vorne mit den Intermedia als auch durch die Züchtung besonders spät blühender Sorten.

Der Katalog der Firma von 1934, eine Fundgrube verschollen geglaubter Sorten, ist hervorragend gegliedert. Er enthält ca. 350 verschiedene Iris-Sorten. Ausser den hohen Bartiris findet man ein kleines Sortiment von Zwergiris, Iris sibirica, Iris ensata, verschiedene Wildarten und ein Sortiment von Zwiebeliris. Am erstaunlichsten ist am Schluss des Kataloges eine Seite mit über hundert Sorten, welche die Murrells als überflüssig, minderwertig und unzuverlässig einstuften und daher nicht empfahlen, aber auf Wunsch noch an interessierte Kunden lieferten.

Percy Murrel war auch Gartenarchitekt und hat viel geschrieben. Beide waren sehr aktiv in der Britischen Iris-Gesellschaft engagiert, und Mrs. Murrel erhielt als erste Frau 1935 die Foster Memorial Plaque. Leider erlosch die Firma nach dem Krieg.

USA
Bertrand H. Farr (1863–1924)
Farr war Besitzer eines Musikgeschäftes und Hobbygärtner. Er liess sich aus England, Frankreich und Deutschland grosse Mengen verschiedener Iris- und Päoniensorten kommen und war davon so begeistert, dass er 1908 das Musikgeschäft in Iowa verkaufte und die Farr Nurseries in Wyomissing gründete. Er soll bis zu seinem Tod ca. 1200 Iris-Sorten gesammelt haben, und aus diesem Fundus waren natürlich gezielte und vielversprechende Kreuzungen möglich. Ich erinnere mich vor allem an:
Iris 'Rose Unique'*, 1910, und    
Iris 'Georgia', 1920,   die beide in einem klaren Lilarosa blühen.
Alten englischen Katalogen kann man entnehmen, dass er ausser mit blauen Sorten und Plicata vorwiegend in dieser Farbe erfolgreich war.
Farr war acht Jahre lang Präsident der Amerikanischen Päonien-Gesellschaft A.P.S. und von 1920 bis 1924 Direktor der Amerikanischen Iris-Gesellschaft A.I.S. In den USA gilt er als der erste ernsthafte Iris-Züchter. Nach seinem Tode spezialisierte sich der Betrieb mehr auf Gehölze und Immergrüne, und es wurden keine Stauden mehr gezüchtet.
Grace Sturtevant (1865–1947)
Miss G. Sturtevant war die Tochter des Direktors der Versuchsstation Geneva, N.Y., und illustrierte seine botanischen Studien. Seit 1894 sehr an Gärten interessiert, begann sie 1909 Iris zu züchten und stellte 1915 zum ersten Mal ihre Züchtungen aus, wofür sie die Silbermedaille der Gartenbaugesellschaft von Massachusetts und 1924 die Goldmedaille erhielt. Sie richtete eine kleine Gärtnerei, die Glen Road Iris Gardens, ein und war aktiv an der Gründung der Amerikanischen Iris-Gesellschaft beteiligt. 1935 erhielt sie die Goldmedaille der A.I.S (American Iris Society) und 1938 die Foster Memorial Plaque. Ihre bekanntesten Züchtungen sind:
Iris 'Mother of Pearl', 1917,   zartes Lavendelblau, grossblumig
Iris 'Shekinah', 1918,   zitronengelb mit dunkelgelbem Bart
Iris 'Airy Dream'*, 1929,   seidig lilarosa, heller Bart
Der Engländer Bliss taufte eine seiner Züchtungen ihr zu Ehren, nämlich die bereits beschriebene schokoladebraune Iris 'Grace Sturtevant'.
Hans Peter Sass (1868–1949)
Die Brüder Sass, die in den USA zu den bedeutendsten Iris-Züchtern vor dem Zweiten Weltkrieg zählten, wurden beide noch in Deutschland, in Alt Duvenstedt, geboren. Hans Peter Sass verbrachte seine Jugend dort, bis seine Eltern 1884 mit der Familie in die USA übersiedelten und eine Farm bei Omaha in Nebraska übernahmen. Bis 1903 lebte er dort als Farmer, dann erwarb er 80 Acres Land bei Washington, Nebraska, und begann dort mit der Blumenzucht. Er beschäftigte sich sein Leben lang mit Botanik, und die Schriften von Rev. C.S. Harrison lenkten seine Aufmerksamkeit auf Päonien und Iris. Seit 1939 war er Besitzer von Midwest Gardens Elkhorn. Er züchtete vor allem braungelbe Plicatas und braunrote Sorten. Die Dykes-Medal erhielt er für die Sorte
Iris 'Rameses', 1929,   die zweitonig braunrot blüht.
Hans Peter Sass selber hielt aber die folgende Sorte, die später an fast allen Kreuzungen in dieser Farbe beteiligt war, für seine bedeutendste Züchtung:
Iris 'King Tut' *, 1926,   Dom goldbraun, Hängeblätter braunrot mit goldgelbem Bart
Jakob Sass (1872–1945)
Jakob Sass, der Bruder von Hans Peter Sass, wurde 1872 ebenfalls in Alt Duvenstedt geboren. Er blieb nach der Auswanderung auf der Farm in Omaha und züchtete seit 1901 dort Päonien und Iris. Seine ersten Iris-Sämlinge blühten 1907, und es gelangen ihm ganz neue Farbkombinationen. Eine berühmte Sorte, die uns nach dem Krieg sehr beeindruckte, ist leider nicht mehr im Sortiment:
Iris 'The Red Douglas', 1937,   Dom braunrot, Hängeblätter warmes Mahagonirot
Beide Brüder beschäftigten sich intensiv mit der Züchtung herbstblühender (remontierender) Sorten. Leider sind es nur ganz wenige, die hier in unserem Klima im Herbst sicher ein zweites Mal blühen.
Edward Bruce Williamson (1877–1933)
E. B. Williamson lebte in Bluffton, IN, und war Banker und Naturforscher auf dem Spezialgebiet der Libellen. Er lehrte an der Vanderbilt-Universität und an der Universität in Michigan und erhielt viele Auszeichnungen.
1906 begann er Iris zu züchten und kreuzte verschiedene Arten, später hauptsächlich Bartiris, die er vor allem nach guten Wuchseigenschaften bewertete. Er gründete die Longfield Iris Farm, Bluffton, die alle seine Sämlinge vertrieb. 1918 erschien:

Iris 'Lent A. Williamson'*, 1918,

  Dom dunkelblau, Hängeblätter purpurviolett mit braunem Schlund, eine Sorte, die als Meilenstein in der Züchtungsgeschichte gilt
Von 1920 bis 1928 war Paul Cook sein Partner, aber er schied aus, um mehr Zeit für die Züchtungsarbeit zu haben. Nach E. B. Williamsons Tod führte seine Tochter den Betrieb weiter und brachte bedeutende Sorten ihres Vaters nach seinem Tode heraus, wie z.B.
Iris 'E.B. Williamson', 1934,    
Iris 'Sable'*, (von Cook), 1934, dunkelviolett, gute Form, früh   mittelbraunrot, grossblütig
Iris 'Amigo'*, 1934,   Dom lavendelfarben, Hängeblätter veilchenblau samtig, gute Verzweigung
und zwei Jahre später die unvergessene
Iris 'Wabash'*, 1936,   Dom weiss, Hängeblätter violett mit weissem Rand.
Sidney B. Mitchell (1878–1952) und William Mohr (1871–1923)
S. B. Mitchell war Direktor an der Universität in Berkeley für Bibliothekswissenschaft. Er begann 1901 Iris zu züchten und liess sich die besten Sorten aus Europa kommen, die er zu einer sehr grossen Sammlung vereinigte. Er arbeitete zusammen mit William Mohr, einem leidenschaftlichen Gärtner und Pflanzenzüchter deutscher Abstammung, der wissenschaftlich vorging und genaue Aufzeichnungen machte. Ihm gelangen Kreuzungen mit Iris oncocyclus, und die schönste und grossblumigste Oncobred (Iris barbata x Iris oncocyclus) nannte Mitchell nach dem Tode seines Freundes
Iris 'William Mohr', 1923,   Blend mit Oncostreifen, eine Kreuzung zwischen der diploiden Plicata Iris 'Parisiana' und der Oncocyclus-Iris Iris gatesii. Eine Beschreibung der Farbe war in der Literatur nicht zu finden.
Er übernahm dessen ganze Sammlung und führte die Arbeit William Mohrs weiter.
Mitchell begann 1919 mit dem Verkauf von Iris, übergab aber später das Geschäft an Salbach, der ein grosses Sortiment kalifornischer Züchtungen vertrieb und ebenfalls eine Oncobred züchtete, die berühmte
Iris 'Lady Mohr', 1943,   Dom silbergrau, Hängeblätter beige mit rosa und grau.
Von Mohr-Mitchell galten die folgenden beiden gelben Sorten lange Zeit als Standardsorten:
Iris 'California Gold', 1933, gelb mit etwas braunen Adern, weiche Stiele    
Iris 'Happy Days', 1934, mittelgelb, früh    
Beide Züchter beschäftigten sich auch mit Narzissen und Primeln, Mohr auch noch mit Weizen und Gerste.

Mrs. Douglas Pattison (1884–1939), Quality Garden, Freeport, Illinois

Quality Garden war eine der besten Iris-Sammlungen im mittleren Westen der USA. Mrs. Pattison hatte grosse botanische Kenntnisse und klare Ideale und Vorstellungen, wie gute Iris aussehen sollten. Sie schrieb viel darüber und gab zwischen 1925 und 1938 hervorragend illustrierte Kataloge heraus. Die Firma erlosch wohl 1939. Craig nannte eine seiner Züchtungen nach dieser aussergewöhnlichen Frau.
Iris 'Mrs. Douglas Pattison', 1950,   hellblau, am Schlund der Hängeblätter braun geadert, hoch
Edward Oliver Essig (1884–1964)
E. O. Essig war Professor für Insektenkunde an der Universität in Berkeley in Kalifornien. Er verfasste ein berühmtes Werk, die "History of Entomology", aber daneben war er ein begeisterter Amateurgärtner und Iris-Züchter, der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeitete. Er züchtete Sorten von bemerkenswerter Härte (in Kalifornien!) wie z.B.
Iris 'California Blue', 1929,   mittelblau, früh
Iris 'Pale Moonlight', 1931,   sehr helles Blau
Iris 'Sierra Blue' *, 1932,   mittelblau, die 1935 die Dykes Medal erhielt, und
Iris 'Shining Waters', 1933,   mittelblau, früh
Schreiners Iris Gardens, heute Salem, Oregon F. X. Schreiner, (1877–1931)
F. X. Schreiner sammelte in St. Paul, Minnesota, viele Iris, Päonien und Gladiolen. 1924 erschien seine erste Irisliste und 1928 ein Katalog, der eine hervorragende Einteilung auch nach Farben enthielt. Er war von 1928 bis zu seinem Tod Vizepräsident der amerikanischen Iris-Gesellschaft und hatte gute Verbindungen nach England und Deutschland sowie Frankreich und liess 1912 viele Iris von dort zur Weiterzüchtung kommen. Ihm folgten seine Söhne Robert Schreiner (geb. 1910) und Bernard Schreiner (geb. 1919) sowie seine Tochter Constanze (geb. 1912) nach. Robert Schreiner, dessen Frau Jeanette und die heutige Generation – drei Söhne, eine Tochter, zwei Schwiegertöchter und ein Schwiegersohn – alle in der Firma mitarbeiten, ist zur Zeit wohl weltweit der grösste Iriszüchter mit einem Riesenpotential an Sämlingen und Neuheiten und den meisten Dykes-Medaillen und anderen hohen Auszeichnungen. Ende der 40er Jahre zog Robert Schreiner an den heutigen Standort nach Salem in Oregon, wo die Familie 250 Acres, etwa 96 ha, Iris bewirtschaftet. Der persönliche Kontakt zwischen der Familie Schreiner und Frau von Stein-Zeppelin besteht seit den 30er Jahren, und so war es für mich ein grosses Erlebnis, den Betrieb und die Familie 1994 zu sehen.
Cooleys Iris Gardens, Silverton, Oregon
Die Familie Cooley lebt seit über hundert Jahren in Silverton und ist eng mit dem Ort und der Landschaft verbunden.
1923 pflanzten Rholin und Pauline Cooley die ersten Iris, die sie geschenkt bekamen. Sie waren so begeistert, dass die Iris bald ein grosses Feld hinter dem Haus füllten. 1928 kam der erste Iris-katalog heraus, und Rholin Cooley vermehrte und verkaufte die Züchtungen von Dr. Kleinsorge, der in Silverton als Physiker und Hobbygärtner lebte.
Der Betrieb vergrösserte sich laufend, und heute ist Richard Ernst, der Enkel der Gründer, ein anerkannter Züchter. Er leitet den riesigen Betrieb, in dem er jährlich mehr als 7 Millionen Bartiris anbaut, mit seinen Geschwistern und verkauft in die ganze Welt. Der Schaugarten und die Sämlingsfelder sind hochinteressant, und ich hatte bei meinem Besuch 1994 die Freude, von R. Ernst Cooley persönlich geführt zu werden, und konnte seine Grossmutter Pauline noch ganz aktiv erleben.

Deutschland
Goos & Koenmann, Niederwalluf am Rhein (18871951)
Zwei der grössten Züchter auf dem Gebiet der Stauden des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg waren in Deutschland sicher die beiden Herren Goos und Koenemann. Da ich immer wieder fasziniert bin von der Fülle ihrer Züchtungen auf verschiedenen Gebieten, bin ich der Geschichte dieser Firma nachgegangen.
Am 1. Februar 1887 nahm Max Joseph Goos seinen Freund August Koenemann (geboren 1848), der bei ihm als Gehilfe gearbeitet hatte, als Teilhaber in seine kleine Gärtnerei auf und gründete damit die Firma Goos & Koenemann.

Max Joseph Goos wurde am 12. Juni 1858 in Altona als Sohn eines Apothekers geboren. Nach dem Einjährigen Examen war er von 1875 bis 1878 in der renommierten Stuebenschen Handelsgärtnerei in Hamburg, die Landschaftsgärtnerei und Topfpflanzenzucht betrieb. Nach dem Wehrdienst bei der Feldartillerie ging er im Frühjahr 1880 nach Herrenhausen-Hannover, wo er im weltberühmten Königlichen Garten erst als Volontär, später als Gehilfe arbeitete und sich gute theoretische und praktische botanische Pflanzenkenntnisse aneignen konnte. Um dazu Obstbaumzucht zu lernen, arbeitete er ab 1881 in Bollweiler im Elsass in Baumschulen. Von dort aus unternahm er eine längere Fussreise durch die Schweiz. Ab Februar 1883 war Max Joseph Goos für ein Jahr in Praust bei Danzig in der Baumschule von Rathke & Sohn. Von dort aus ging er nach England und lernte in einer Stellung bei London die Anzucht von Rhododendren, Azaleen, Koniferen und anderen Immergrünen. Im Sommer 1884 schenkte ihm sein Vater eine grosse Studienreise durch England und Schottland. Auf der Rückreise im Frühjahr 1885 blieb er in Chester, wo er seinen Freund August Koenemann kennenlernte. Koenemann verliess Chester, um einem Bekannten, einem Landschaftsgärtner in Niederwalluf, zu helfen. Diesem Betrieb fehlten die Mittel, und so kaufte ihn Max Joseph Goos am 1. August 1885 mit ca. 1 ha Land und nahm seinen Freund nach anderthalb Jahren als Teilhaber auf.

Die beiden Freunde arbeiteten unermüdlich am Aufbau des Betriebes. Sie vergrösserten ihn laufend, und es wurde sehr gewissenhaft gezüchtet und die Ergebnisse immer überprüft, ehe eine neue Sorte in den Handel kam. Auf Gartenbauausstellungen wurden die neuen Sorten gezeigt. Die Zahl der Züchtungen von Goos & Koenemann umfasste bis 1937 392 Sorten, und manche der Sorten befinden sich noch heute im Handel. Ausser vielen Obstsorten – das Sortiment war für heutige Verhältnisse überwältigend – waren es Clematis, Päonien und viele Stauden, aber vor allem ein grosses Sortiment an Bartiris.
Als ich 1947 die Lehre in Laufen antrat, waren die meisten Sorten noch mit einer Pflanze über den Krieg gerettet worden und gelangten dann später mit der Iris-Sammlung der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin nach Brüglingen. Einige davon werden noch heute als anspruchslose Massenblüher hier in Laufen kultiviert, da sie in feuchteren und kälteren Gegenden noch nicht von neueren Züchtungen verdrängt worden sind.
Leider starb August Koenemann schon am 23. Mai 1910. Er hat die Firma auch nach aussen hervorragend vertreten und während seiner Reisen nach England und Amerika deutsche Züchtungen verbreitet und aus dem Ausland neue Züchtungen nach Deutschland eingeführt. Alle Iriszüchtungen der Firma sind in der amerikanischen Checkliste registriert. Inzwischen war der Betrieb auf 32 ha angewachsen, und Max Joseph Goos fand in Friedrich Bücher einen hervorragenden Geschäftsleiter, der von 1912 bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Firma leitete.
Die beiden Söhne von Max Joseph Goos, die den Betrieb übernehmen sollten, lernten beide Gartenbau, aber der jüngere fiel 1916 im Ersten Weltkrieg. Sein Vater, der gesundheitlich schon stark angeschlagen war, überstand diesen Schlag nicht und starb am 5. Februar 1917 mit 58 Jahren.
Hermann Goos überlebte den Krieg, wenn auch stark geschwächt. Er studierte in Bonn und Berlin und promovierte 1922 zum Doktor der Philosophie und trat danach in die Firma ein. Friedrich Bücher schilderte ihn als liebenswürdigen, heiteren, bei allen beliebten Mann, der aber leider schon am 23. Februar 1933 starb. Seine Frau Lilli Goos, die eine begeisterte Gärtnerin war und an die viele Kollegen sich noch erinnern, überlebte ihn um mehr als sechzig Jahre.

Herr Bücher schilderte auch die grossen Schwierigkeiten, die nach dem Ersten Weltkrieg auf die Firma zukamen. Niederwalluf gehörte zum französisch besetzten Gebiet und durfte nur unter allergrössten Behinderungen nach dem unbesetzten Deutschland "ausführen". Die Ausfuhr nach anderen Ländern wurde konsequent verweigert. Friedrich Bücher hat sich grosse Verdienste um die Firma erworben durch seinen unermüdlichen Einsatz bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Er starb 1951 im Alter von 78 Jahren, und im selben Jahr ging die Firma durch Verkauf an die Erfurter Samenzucht.

Der Katalog der Firma Gräfin von Zeppelin enthielt im Jahre 1939 42 Irissorten der Firma Goos & Koenemann von insgesamt 91 Sorten. Heute werden noch einige Sorten vermehrt. In der Züchtung der neuen amerikanischen Irissorten spielten viele Iriszüchtungen aus dem Hause Goos & Koenemann eine grosse Rolle.
Georg Arends (1863–1952)
schreibt in seinem Buch "Mein Leben als Gärtner und Züchter" folgendes über die Iris:

"... Angesichts der grossen Erfolge, die einige Züchter mit ihren neuen Iris germanica-Sorten hatten, erschien es mir unzweckmässig, mich auch noch damit zu befassen. Es fehlten mir auch Zeit und Platz. Dass jedoch längst nicht alle Möglichkeiten in der Zucht immer schönerer Varietäten ausgeschöpft waren, bewiesen die letzten Jahrzehnte. In Deutschland war es vor allem die Firma Goos & Koenemann, Niederwalluf, die eine Anzahl Aufsehen erregender Sorten herausbrachte, welche zum Teil heute noch unübertroffen sind ...

... Einige wenige Kreuzungen machte ich jedoch auch, um nach meiner Ansicht Fehlendes zu erhalten. Aus einer Verbindung der mittelgross blühenden, hell gelben Iris germanica 'aurea' mit der kleinblumigen, dunkelgelben 'Mrs. Neubronner' erhielt ich die Sorte 'Kanaria' (1939). Ein paar Sorten mit dunkelvioletten Hängeblättern und weissem Dom ergaben die kontrastreiche 'Toelleturm' (1930) und schliesslich erzog ich aus der Goos und Koenemannschen 'Iriskönig' mit der alten 'Maori King' die Sorte 'Kupferhammer' (auch 1930)."

Iris 'Kupferhammer' ist immer noch im Sortiment der Gärtnerei Arends.
Literatur: Checklisten der Amerikanischen Irisgesellschaft, A.I.S.
 
  L. F. Randoph, "Garden Irises", A.I.S, 1959 Bulletins der A.I.S.
 
  Richard Cayeux, "L'Iris – une Fleure Royale", Mauryflor, 1996
 
  G. Arends, "Mein Leben als Gärtner und Züchter", Ulmer, 1951
 
  Kataloge der Firma Goos & Koenemann, Niederwalluf
 
  Kataloge der Firma Gräfin von Zeppelin, Laufen
 
  Katalog der Firma Orpington Nurseries, 1934

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