Geschichte


Die Päonien im Kräuterbuch von D. Jacobus Theodorus Tabernaemontanus, 1625

Historische Kräuterbücher enthalten eine Menge interessanter Informationen über Pflanzen. Die medizinischen Belange stehen immer im Vordergrund. Daneben erfährt der Leser eine Menge Informationen über die sonstige Verwendung der behandelten Pflanzen sowie über die damals schon vorhandenen Gartenformen. Oft zitieren die Autoren dabei antike und zeitgenössische Botaniker und Ärzte. Interessant ist, dass heute von der Medizin wieder vermehrt und erfolgreich auf das alte Wissen dieser Kräuterbücher zurückgegriffen wird.


Ein komplettes Kräuterbuch im Internet
Das Kräuterbuch von D. Jacobus The
odorus Tabernaemontanus (1520/1530 - 1590) aus dem Jahre 1625 (Das Werk wurde nach seinem Tode veröffentlicht.) beschreibt auf 1600 Seiten über 3000 Pflanzen und ist mit hervorragenden Illustrationen versehen. Dieses wundervolle Werk wird von Herrn R. Fischbacher, Zürich, auf seiner Website http://www.kraueter.ch komplett ins Netz gesetzt. Bis jetzt sind über 150 Kapitel des Werkes von Tabernaemontanus auf dieser hochinteressanten Website zu finden.
Die Päonien in Tabernaemontanus' Kräuterbuch
Das Kapitel über Päonien aus Tabernaemontanus' Kräuterbuch behandelt im Wesentlichen Paeonia officinalis und Paeonia mascula. Daneben werden die damals in Europa schon vorhandenen Kulturformen der Paeonia officinalis in Wort und Bild vorgestellt. Neben dem Text sind in kursiver Schrift Ergänzungen des Autors und in gerader Schrift Ergänzungen meinerseits angegeben. Die Illustrationen von Tabernaemontanus sind ergänzt durch Aufnahmen von Päonien aus dem Wildstandort und Illustrationen aus anderen historischen botanischen Werken.

Titelbild des Kräuterbuches von D. Jacobus Theodorus Tabernaemontanus, 1625

Foto: R. Fischbacher


Das Ander Buch / Von Kräutern

Das L X V I. Capitel.

Von Päonien.

I. Päonien Männlein. Paeonia mas. (Paeonia mascula)

Foto: R. Fischbacher

Es gedencket DIOSCURIDES lib. 3. cap. 159. zweyer Geschlecht der Päonien: eines ist das Männlein/ das ander aber das Weiblein. (I.)Von dem Männlein schreibet er/ daß es Blätter habe den grossen Nußbäumen Blättern ähnlich: die Wurtzel sey dick/ wie ein Finger/ und einer Spannen lang/ eines herben und zusammenziehenden Geschmacks: Es ist auch die Wurtzel auswendig etwas röthlich/ innwendig aber weiß. Der Saame ist auch etwas runder dann in den Weiblein/ sonst ist es in andern Stücken dem Weiblein fast gleich.

I. Päonien Männlein

 

Paeonia mascula wächst in verschiedenen Formen von Frankreich über Italien, Griechenland und der Türkei bis Armenien.

Pedanios Dioscorides (geb. um 70 nach Chr.) war Pharmakologe und Arzt in Rom. Sein Werk «De materia medica», war bis ins 16. Jahrhundert das Vorbild für Kräuterbücher. Das Original wird in Wien in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt.

II. Päonienrosen Weiblein. Paeonia foemina fl. simplici. (Paeonia officinalis)

Foto: R. Fischbacher

III. Gefüllt Päonienrosen. Paeonia foemina multiplex. (Paeonia officinalis 'Rubra plena')

Foto: R. Fischbacher

II. III. Das ander Geschlecht wird genennt Päonienrosen Weiblein/ hat ein knodechte oder knöpffechte Wurtzel/ welche sich etwas den Eicheln vergleicht/ oder aber der Affodillwurtz/ welcher sie gantz und gar verwandt seyn/ auswendig schwartzlecht/ innwendig aber weiß und lück/ eines schwären Geruchs: Aus der Wurtzel wächst ein glatter Stengel zweyer Schuh hoch/ an welches Gipffel schöne runde Köpff herfür kommen/ wann dieselbige aufgehen/ so werden schöne rothe Rosen daraus/ deren etliche gefüllt seyn/ [und deren offt eine bey 500. Blätter klein und groß hat] etliche auch ungefüllt/ innwendig mit gelben Zaseln besetzet: Die Blatter seyn der schwartzen Nießwurtzblättern fast gleich/ seyn erstlich braunroth/ darnach werden sie grün/ und endlich aschenfarb. Wann die Blätter an den Blumen verfallen/ so wachsen zwey oder drey kleine/ rauhe/ weiche Schöttlein/ wie Mandelknöpff/ in welchen man/ wann sie sich aufthun/ schöne rothe Körner find/ wie der Granatkörner/ welche mit der Zeit gar schwartz werden/ innwendig aber bleiben sie weiß/ und seyn eines süssen Geschmacks. [Aber die gefüllte bringet gar selten Saamen/ dieweil die Krafft alle in die Blumen verzehret werden.]

II. III. Päonienrosen Weiblein.

 

Paeonia officinalis kommt wild in Südeuropa von Frankreich über Italien, den Balkan bis Ungarn und Rumänien vor.

 

Die gefüllte rotblühende Form von Paeonia officinalis gilt heute als Hybride. Sie ist die altbekannte, robuste Bauernpfingstrose.

IV. Weiss gefüllt Päonienrosen. Paeonia foemina polyanthos flore albo. (Paeonia officinalis 'Alba plena')

Foto: R. Fischbacher

IV. Das folgende Geschlecht ist dem andern gantz und gar gleich/ allein daß seine Blumen von Farben von Farben schön weiß seyn.

IV. Weiß gefüllt Päonienrosen.

Paeonia officinalis 'Alba Plena' ist die leicht rosa aufblühende dann sich weiss verfärbende gefüllte Form der Paeonia officinalis.

Paeonia officinalis alba, aufgenommen am Naturstandort in den Südalpen.
Foto: Josef Stinglhammer

[Sonst findet man under den Weiblein eine die gantz schön weiß ist: wie dann auch eine gefunden wird die grosse Blätter und dergleichen leibfarbe Blumen hat/ die aber noch so groß sind als an den andern. Noch ist eine mit harten kleineren dunckelgrünen Blättern/ so nit hoch wächst/ und ist die Blume viel kleiner dann an der gemeinen und dunckelbraunen.


 

Paeonia Byzantina (Paeonia peregrina), Holzschnitt aus «RARIORUM PLANTARUM HISTORIA» (1601) von Carolus Clusius (Charles de l'Ecluse), 1526 - 1609.
Foto: W. Good

Es ist auch eine/ die Blätter hat fast als die gefüllte/ mehr zertheilet als die ander/ die Blum ist schön Zinober farb/ die man BYZANTINAM nennet: von andern soll in unserm lateinischen HERBARIO, geliebts Gott/ weitläuffiger/ wie dann auch von diesen geredt werden.]

Paeonia Byzantina (Paeonia peregrina) mit ihren leuchten roten einfachen Blütenschalen wächst wild auf der Balkanhalbinsel und in der Türkei.

 

Paeonia officinalis auf dem Monte Generoso.
Foto: W. Good

Sie werden allesamt in den Gärten gezielet: [wiewol das Männlein und Weiblein auch wachsen in den hohen Gebürgen bey Como/ wann man in das Schweitzerland will auff dem Monte Generoso genannt/ auch in Saffoy und Barbona auf dem VEGANIO. Die weisse aber in Creta auff dem Berg Ida/ wie BELLONIUS schreibt.] Blühen im Mayo.

Pierre Belon (1517 - 1564) war Arzt und bereiste zahlreiche Mittelmeerländer und den Vorderen Orient. Auf seinen Reisen beschäftigte er sich hauptsächlich mit Geologie, Botanik und Zoologie.

In den Südalpen, wie z.B. auf dem Monte Generoso findet man mannigfaltige Formen von Paeonia officinalis.


Von den Namen.
Paeonien oder Benigenrosen/ wird auch genennt Pfingstrosen/ Gichtrosen/ Königblum/ Griechisch und Lateinisch PAEONIA, DULCISIOLA.

[I. PAEONIA FOLIO NIRICANTE SPLENDIDO, QUAE MAS, C. B. MAS, MATTH. ANG. CORD. IN DIOSC. AD. LOB. IC. & OBS. DOD. CAES. LUGD. TAB. GER. EYST. NOBILIOR VEL 2. TRAG. MAS FOLIO NUCIS, GES. HORT.

II. PAEONIA COMMUNIS VEL FAEMINA. C. B. POEONIA, TRAG. TUR. LON. FOEMINA, BRUNF. FUCH. ANG. DOD. GAL. CORD. IN DIOSC. & HIST. GES. HOR. AD. LOB. IC. CAM. FOEMINA ALTERA DOD. LUGD. VULGARIS FOEMINA, CLUS. HIST. RUBRA FL. SIMPL. EYST.

III. POEONIA FOEMINA FL. PL. RUBRO MAJORE, C. B. FOEMINA MULTIPL. FL. GES. HORT. DOD. GER. FOEMINA POLYANTHOS, LOB. IC. & OBS. LUGD. POLYANTHOS FL. RUBRO, EYST.

IV. PAEONIA FOEMINA FL. ALBO PL. C. B. FOEMINA POLYANTHOS FL. ALBO, GER.]

Arabisch

FEONIA.

Welsch

PEONIA.

Spanisch

ROSA ALBADERA.

Frantzösisch

PEONINE.

Böhmisch

Piwonka.

Englisch

Peony.

Niederlländisch.

Pionien


Von der Natur/ Krafft und Eigenschafft der Päonien.
FERNELIUS schreibt/ die Päonien seyn warm und trucken im andern Grad. Sie seyn etwas süß/ ziehen auch zusammen/ und haben eine Schärpffe/ die ein wenig bitter ist.

[Die Blumen sollen im Mäyen: der Saamen im Augstmonat gesammlet werden: aber die Wurtzel soll man zu Anfang des Frühlings/ ehe sie die rothen Zapffen stossen/ oder im Herbst/ so der Stengel verwelcket ist/ graben un behalten/ so zwey oder drey Jahr gut bleibt.]


Innerlicher Gebrauch
Es wird die Päonien sehr gerühmt wider die Gebresten des Haupts und des Hirns/ fürnemlich aber wider die Fallendsucht/ wie GALENUS, bezeuget. [Aber bey den Alten findt man nirgends/ daß sie die Päonien innerhalb den Leib wider diese schwäre Kranckheit gebraucht haben: jedoch so gibt die lange Erfahrung/ daß nicht allein diese Wurtzel und Körner gut seyn/ sondern auch der Safft und Wasser aus den Blumen darzu dienstlich seyen.

Fallendsucht

Galen (129 - 199) aus Pergamon war erfolgreicher Arzt in Rom. Seine Schriften, die die Entwicklung der Medizin bis weit in die Neuzeit hinein beeinflussten, sind grösstenteils erhalten.

Daher pflegt man den Kindern mit Kirschenwasser ein Milch aus dem Saamen zu machen/ und mit anderen nothwendigen Dingen vermischen/ welche wider das Fraißlich kräfftig ist. Ander nehmen die Körner/ säuberens fleißig von der äussersten Rinden und machen mit Zucker oder Honig ein Latwerge/ und brauchens für ein Präservativ wider gemeldte Kranckheiten.

Fräßlich der Kinder.

Es soll aber die Wurtzel gegraben werden im Frühling in abnehmenden Mond: andere grabens/ wenn die Sonn im Löwen ist/ darzu am Tag und Stund der Sonnen/ in abnehmendem Mond.]

Wider das Fräsel der jungen Kinder/ soll man nehmen der Wurtzel und Saamen der Päonien jedes ein Quintlein/ Eichenmistel ein Quintlein/ diese Stuck soll man zu einem subtielen Pulver machen/ mit Zucker vermischen/ und den Kindern ein Quintlein schwär mit Milch eingeben.

So aber den Kindern das Fräsel von Würmern herkäme/ welches dann offt geschicht/ soll man nehmen der Wurtzel und Körner der Päonien jedes 2. Quintl. Wurmsaamen zwey Quintlein/ des besten RHABARBARI 2. Scrupel/ weissen Zucker zwey Untzen/ darvon soll man auch ein subtieles Pulver machen/ und den Kindern in der Wochen ein mal oder zwey mit einem Löffel darvon eingeben/ entweder mit Milch oder einem andern Brühlein/ sonderlich wenn der Mond abnimmt.

Es beschreibet auch MERCURIALIS ein Pulver wider das Fräsel der jungen Kinder/ so noch an der Mutter Brust hangen/ nemlich also: Man soll nehmen der Päonienkörner ein halben Scrupel/ Stechasblumen und Bethonienblumen ein halben Pugillum/ Galgant ein Scrupel/ die Stuck soll man allzumal zu einem subtielen Pulver machen/ darvon soll man etwas in ein Löffelein thun/ und dem Kind in Mund bringen/ darnach soll man es alsobald darauf saugen lassen/ darmit das Pulver in Leib komme.

Wenn in den erwachsenen Kindern das Fräsel nicht wolte nachlassen/ so soll man das Frantzosenholtz in Bethonienwasser sieden/ und ein paar Quintlein/ oder mehr nach Gelegenheit Päonienkörner darzu thun/ deßgleichen auch Eichenmistel und Coriander/ und einen Syrup daraus sieden/ darvon man den Kindern geben soll. Es geben etliche für/ es muß diese Wurtzel zu einer gewissen Zeit gegraben werden/ in einer sonderlichen CONSTELLATION des Himmels/ wenn die Sonn im Löwen sey/ darzu auch am Tag und in der Stund der Sonnen: Uber das so sey das Männlein viel kräfftiger dann das Weiblein.

Paeonia mascula aus dem Werk «Commentarii in Sex Libros» (1565) von Mattioli
Foto: W. Good

Es meldet MATTHIOLUS, wenn man ein halb Loth Bibergeil und drey Handvoll Päonien in vier Pfund weissen Wein siede/ und alsbald ein Kind aus Mutterleib komme/ dasselbige so bald in diß Bad lege/ und an dem gantzen Leib wasche/ so soll es für der Fallendsucht sicher seyn: Und meldet daß diese Kunst an acht Kindern [einer Mutter] seye bewährt worden/ aus welchen die 2. erste am Fräsel gestorben seyn/ an welchen man diese Artzney nit gebraucht hat: Die andere aber/ denen diese Artzney ist gethan worden/ seyen alle vor dem Fräsel gefreyet gewesen. In summa es wird die Päonia gelobt und gerühmet/ daß sie TOTA SUA SUBSTANTIA wider das Fräsel oder Fallendsucht gut und nutzlich sey.

Fallendsucht

Pietro Andrea Gregorio Mattioli (1501-1577), Arzt und Botaniker, war ein leidenschaftlicher Beobachter von Pflanzen. Bekannt ist sein Werk «Commentarii in Sex Libros» (1565), in dem er sich ausführlich mit Dioskurides beschäftigte.

Es schreibet auch GALENUS, daß die Wurtzel an Krafft habe die verstandene MENSES wiederum zu erholen/ einer Mandel groß zu Pulver gemacht und in Honigwasser getruncken/ [mit Wein in der Grösse einer Kesten eingenommen/ reiniget die Weiber nach der Geburt: lindert auch den Wehetagen des Bauchs.]

Verstandene Weiberzeit.

Wehetag des Bauchs.

Er meldet auch/ daß sie die verstopffte Leber und Nieren eröffne/ dieweil sie etwas scharpff und bitter sey/ daher auch PLINIUS und ander schreiben/ daß sie nutzlich gebraucht werde wider die Geelsucht. DIOSCURIDES saget/ daß zehen oder zwölff der rothen Körner in herben schwartzen Wein getruncken/ stopffe den übrigen rothen Monatfluß der Weiber: und seyen dieselbige Körner gut den Magensüchtigen/ so nicht bey sich behalten können/ was sie essen oder trincken.

Gaius Plinius Secundus der Ältere (23/24-79), kaiserlicher Offizier und Prokurator, fasste in seinem Werk «Naturalis historia» das gesamte Naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit zusammen.

Verstopffte Leber und Nieren
Geelsucht.

Monatsfluss.

Mit süssem Wein getruncken/ seyn sie gut wider die Schmertzen der Nieren und der Blasen. [So man die Körner den Kindern zu essen oder zu trincken gibt/ lassen sie den Stein in ihnen nicht wachsen.]

Nieren- und Blasenschmertz.

FERNELIUS schreibt/ daß sie zu gebrauchen seyn wider den INCUBUM, das ist/ wenn einer meynt/ daß er im Schlaff von jemmand getruckt werde/ und kein Athem haben kan: Darfür man fünffzehen der schwartzen Körner in Wein trincken soll/ wie DIOSCURIDES meldet. Es meldet auch FERNELIUS, daß die Wurtzel oder die Körner [I. Quintleins schwär] im Wein getruncken/ gut seyen wider das auffsteigen der Mutter/ darvon die Weiber in Ohnmacht fallen.

GALENUS sagt/ wenn man die Wurtzel in saurem Wein siede/ und davon trincke so stopffe sie den Bauch.

Bauchstopffen.

[So man der Körner dreissig nimmt/ dieselbigen schelet/ zu Pulver stösset/ und im Wein zu trincken gibt/ bringen sie die verlegene Sprach wiederum/ dienen auch wider das Gifft.]

Verlorne Sprach.

Gicht.


Eusserlicher Gebrauch.
Es seyn viel Leut der Meynung/ daß wenn man den Kindern die Wurtzel oder die Körner an den Hals hencke/ sollen sie von dem Fräsel frey seyn / welches auch FERNELIUS bezeuget/ und auch GALENUS ein Exempel erzehlt mit einem jungen Knaben/ welcher gantz und gar von der Fallendsucht ist gefreyet gewesen/ wenn er die Wurtzel am Halse getragen hat/ so bald er aber dieselbige von sich abgeleget/ ist er gleich in die Schwachheit gerathen/ welche nicht nachgelassen/ biß man ihm die Wurtzel wieder angehangen. Es sollen auch diejenige/ so mit der Fallendsucht beladen/ statigs an diese Wurtzel riechen/ darzu sie auch ein wenig Bibergeyl und Rauten nehmen sollen.

Fräsel der Kinder.

Fallendsucht.

[Solche Wurtz auch am Hals getragen/ vertreibt alle nachtliche Gespenst/ so im Schlaff unruhig machen/ etlichebrauchen die Körner darfür.]

Nächtliche Gespenst.

HOLLERIUS schreibt/ man soll nehmen Bertram/ Veyelwurtzel und Päonienwurtzel jedes 2. Scrupel/ daraus ein Pulver machen und denjenigen in die Nasen blasen so die Fallendsucht haben/ so werden sie durch das Niessen widerum erwecket.

Fallendsucht.

Man saget auch/ so jemand die Wurtzel under der Zungen halte/ so verstelle sie das Nasenbluten.

Nasenbluten.


Von Päonienwasser.
Es wird auch aus der Päonien ein Wasser gebrandt/ nemlich von den Rosen und Wurtzeln/ welches auch zu allen erzehlten Gebrechen kan gebrauchet werden.

Fürnemlich aber bekommt es den jungen Kinderen wol/ so mit dem Freißlich beladen seyn/ man kan auch ein wenig Schwalbenwasser darzu thun/ doch also/ daß man nehme drey Untzen Päonienwasser/ und ein Untz Schwalbenwasser/ doch nach Gelegenheit der Personen etwas mehr/ solche miteinander vermischet/ und den Kindern ein wenig eingebe.

Freisslich der Kinder.

Es gibt auch diß Wasser eine gute Hertzstärkung/ wendet die Ohnmacht/ und sonderlich in den Weibspersonen/ so von wegen der Mutter dahin fallen/ als wenn sie todt wären.

Ohnmacht.

Es wird auch von etlichen auff eine künstliche Art diß Wasser distilliert/ und nennen es AQUAM EXTRACTIONIS PAEONIAE, welches zu oberzehlten Gebresten viel stärcker und kräfftiger ist/ dann das gemeine gebrandte Wasser.


Extract von Päonien.
Aus den Pfingstrosen wird auch ein herrliches EXTRACT in den Apothecken zugerichtet/ so man EXTRACTUM PAEONIAE nennet/ welches sonderlich gut und kräfftig ist wider die Fallendsucht in den erwachsenen Personen.

Fallendsucht.

 

Es kan auch zu andern Gebrechen mehr gebraucht werden/ als nemlich wider die Verstopffung der Leber/ wider die Geelsucht und Verstopffung der Nieren.

Verstopffung der Leber.

Geelsucht.

Es ist auch gut den Weibern/ so OB SUFFOCATIONEM UTERI darnieder fallen.

Suffocatio uteri.


Von Päoniensaltz.
Aus den Päonienwurtzeln kan man auch gar wol ein Saltz PRAEPARIREN/ so zu ermeldten Schwachheiten der Leber/ und der Mutter/ fürnehmlich aber wider die Fallendsucht/ gar nutzlich und dienstlich ist/ wie dann der hochgelehrte und berühmte MEDICUS DOCTOR JOHAN. WOLFFIUS Fürstlicher Leibartzt zu Marpurg/ in unsers G. F. und Herren Landgraffen Ludwigs Apothecken/ so ihre F. G. den armen schwachen Underthanen zum besten/ mit grossen Unkosten haben auffrichten lassen/ solch Saltz PRAEPARIEREN läßt.

Fallendsucht.

Man soll aber dieses Saltz nicht den jungen Kindern / sondern alten erwachsenen Personen eingeben/ auch nicht über zwey oder drey Gran schwer.


Von Päonienblumenzucker.
Es werden auch die Blumen von der Päonien in den Apothecken mit Zucker eingemacht zu einer Conserven/ so man CONSERVAM PAEONIAE nennet/ und wird also zugerichtet. Nimm die Blätter von den Päonienblumen/ zerhacke oder zerstosse sie klein/ und zu einem Pfund der Rosen nimm vierthalb oder drey Pfund Zuckers/ stoß sie zusammen/ thu sie in ein Gefäß/ stelle es drey Monat an die Sonnen/ und rühre es täglich um: Dieser eingemachter Zucker ist fürnemlich gut wider die Fallendsucht/ darvon man den erwachsenen Kindern/ so mit dieser Plag beschwäret seyn/ jederzeit geben soll: Darnach ist er gut für die Nachtforcht und Fantasey/ wider den Schwindel und andere Gebrechen des Hirns/ so von desselbigen Blödigkeit herkommen/ dann es haben die Päonien eine sonderliche Art das Hirn zu stärcken und zu kräfftigen. Er treibt auch die verstandene Zeiten der Weiber/ und reiniget sie nach der Geburt/ eröffnet die verstopffte Leber und Nieren/ ist gut wider die Gelbsucht/ treibt den Harn und Grieß aus/ [benimmet das Leibwehe und stillet den Bauch/ ist gut für den Todt des Magens/ und lasset den Stein bey den jungen Kindern nicht wachsen.]

Nachtforcht.
Schwindel.
Verstandene Weiberzeit.
Verstopffte Leber und Nieren.

Gelbsucht.
Griess.
Sodt.
Stein.

Welche Weibspersonen stätigs in Ohnmacht fallen/ wegen Auffsteigens der Mutter/ die sollen sich fleissig an diese CONSERVAM halten/ dann sie bekommt ihnen gar wol. Man soll den jungen Kindern diesen Zucker in dem Wasser zertreiben und eingiessen.

Ohnmacht von Aufsteigen der Mutter.

Es sollen auch die Saugammen diesen Zucker stätigs gebrauchen/ zu einer Vorsorg/ damit die Kinder etwas befreyet werden von solcher Schwachheit.


Von Päonienwein.
Aus den Pfingstrosen oder Päonien/ kan man auch einen nutzlichen guten Wein machen/ welcher nicht allein zu der Fallendsucht/ wider den Schwindel/ und andere kalte Gebrechen des Haupts sehr gut ist/ sondern zu allen andern Gebrechen/ darvon bey der CONSERVEN ist Meldung geschehen.

Fallendsucht.

Schwindel.

Wie man aber diesen Wein bereiten soll/ darvon kan man lesen bey dem Wermuthwein.

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