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Die Welt der Päonien (IX) |
Die Päonienzüchtung in Europa
Ende des 18. Jahrhunderts gelangten die ersten chinesischen Stauden- und Strauchpäonien von China nach Europa. Jetzt setzte die zweite grössere Zuchttätigkeit ausserhalb Chinas ein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren in Europas Gärten diverse Formen von Paeonia officinalis entstanden. Die «Rose des armen Mannes», wie sie auch genannt wurde, führte in Europas Gärten ein eher bescheidenes Dasein. Da man lange Zeit versuchte, mit ihr Wahnsinn zu heilen, bestand ausserdem eine gewisse Scheu vor dieser Pflanze. Mit den chinesischen Stauden- und Strauchpäonien kamen nun alte, während Jahrhunderten durchgezüchtete Pflanzen nach Europa, die in sich schon ein reiches genetisches Potential trugen.
Staudenpäonien
Nicolas Lemon war wahrscheinlich der erste, der neue Sorten aus Samen dieser chinesischen Staudenpäonien zog. Seine 1824 gezüchtete altrosa blühende Paeonia lactiflora 'Edulis Superba' ist heute noch im Handel.
In Europa, vor allem in Frankreich, aber auch in England und Deutschland, begannen nun Gärtner wie Dessert, Crousse, Lemoine, Kelway und später Goos & Koenemann auf diesem reichen Fundament aufzubauen. Eine ganze Reihe herrlicher Züchtungen entstand, von denen die meisten französische Namen tragen und die heute noch in vielen Gärtnereien zum Standard-Sortiment gehören. Die aus China eingeführten Staudenpäonien stammen ursprünglich von den verschiedenen Formen der dort heimischen Paeonia lactiflora ab. Diese wachsen höher, haben ein anderes Laub als die Formen der Paeonia officinalis, und vor allem verströmen sie einen herrlichen, feinen Duft. Die grosse Zeit der europäischen Päonienzucht dauerte etwa von 1840 bis zum Zweiten Weltkrieg. Dann wurde es ruhig um die europäische Päonienzucht. Es entstanden nur noch wenige Sorten, vor allem bei Rivière in Frankreich und bei H. Klose in Deutschland, der die Züchtungen von Goos & Koenemann, deren Gärtnerei nach dem Krieg aufgelöst wurde, zu retten versuchte und viele deutsche Sorten bewahrte.
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Paeonia lactiflora 'Festiva Maxima', ist eine starkwachsende, weiss gefüllt blühende und sehr fein duftende Päonie und weist an den mittleren Petalen rote, kleine Flecken auf. Foto: Walter Good |
Manche der frühesten europäischen Züchtungen sind in Wirklichkeit einfach umbenannte chinesische oder japanische Züchtungen. Eine Unsitte, die leider auch in Japan verbreitet ist, wo die gelben europäischen Lutea-Hybriden unter japanischen namen verkauft werden.
Strauchpäonien
Auch bei den Strauchpäonien entstand durch Weiterzüchtung chinesischer und japanischer Kulturformen eine Reihe schöner, europäischer Sorten, die um die Jahrhundertwende in vielen Gärten wohlhabender Bürger anzutreffen waren.
Victor Lemoine (1823 - 1911)
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Pierre Victor Lemoine (1823-1911) einer der wichtigste europäischen Pflanzenzüchter. Abbildung aus «Möller's Deutsche Gärtner-Zeitung», 10. August 1907 Foto: Michel Rivière |
In der lothringischen Stadt Nancy wirkte einer der bedeutendsten Päonienzüchter Europas, Victor Lemoine. Er züchtete nicht nur mit den chinesischen Formen der Paeonia lactiflora weiter, sondern begann als erster, verschiedene Wildarten einzukreuzen. Vor allem aber gelang es ihm, die in einem kräftigen Gelb blühende Paeonia lutea, die damals in China entdeckt worden war, in die alten chinesischen Strauchpäonien einzukreuzen. Damit legte er den Grundstein für die amerikanische Zucht der Lutea-Hybriden.
Seine Züchtungen wie:
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Paeonia 'Chromatella' (Lutea-Hybride) |
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Paeonia 'Alice Harding' (Lutea-Hybride) |
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Paeonia 'Souvenir de Prof. Maxime Cornu'** (Lutea-Hybride) |
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Paeonia 'L'Esperance' (Lutea-Hybride) oder |
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Paeonia 'La Lorraine' (Lutea-Hybride) |
sind heute noch in den Sortimenten der Päoniengärtnereien zu finden. Sie werden heute in Japan auch unter den folgenden japanischen Namen verkauft:
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'Kinshi' ('Chromatella') |
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'Kinkou' ('Alice Harding') |
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'Kinkaku' (Souvenir du Prof. Maxime Cornu')** |
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'Kintei' ('L'Espereance') und |
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'Kinyou' ('La Lorraine'). |
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** 'Souvenir du Prof. Maxime Cornu' ist eine Lutea-Hybride des Züchters Louis Henry. |
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Paeonia 'Souvenir du Prof. Maxime Cornu' (Lutea Hybride) blüht mit schweren, gelb und rot gefärbten, Blüten, die manchmal in das dunkelgrüne Laub hängen. Eine feine Strauchpäonie von Louis Henry Foto: Josh Westrich |
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Paeonia 'L'Esperance' (Lutea Hybride) ist eine Züchtung von Victor Lemoine (1910). Die interessante rote Struktur der aufgehenden Blüte verliert sich allmählich. Foto: W. Good im Privatgarten von Michel Rivière |
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Paeonia 'L'Esperance' (Lutea Hybride), voll geöffnete Blüte. Foto: W. Good im Privatgarten von Michel Rivière |
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